Körperverletzungs-Prozess

Wildschweinkopf als Wurfgeschoss?

Meinerzhagen - Fungierte ein hölzerner Wildschweinkopf als gefährliches Werkzeug im Zusammenhang mit einer Körperverletzung? Diese Frage beschäftigte am Dienstag das Amtsgericht Meinerzhagen.

Auf der Anklagebank sitzt ein 47-jähriger Mann. Der soll am 6. Juli vergangenen Jahres in der Meinerzhagener Wohnung seines Vaters seine Stiefmutter gekratzt und eine Vase sowie besagten Wildschweinkopf nach ihr geworfen haben.

Der Angeklagte gab gestern an, am Tattag wegen der Wasserabrechnung mit seinem Vater und der Stiefmutter in Streit geraten zu sein: „Ein Wort gab das andere.“ Irgendwann sei er einfach gegangen. Auf Fotos festgehaltene Kratzspuren am Körper der Stiefmutter habe der 47-Jährige nicht verursacht.

„Vielleicht hat sie sich die selber zugefügt, um mich zu belasten“, mutmaßte der Meinerzhagener, der schon länger ein schlechtes Verhältnis zur neuen Frau seines Vaters habe. Er habe nicht geschlagen und auch keine Vase zerstört. Auch einen Schweinekopf habe er nicht fliegen sehen.

Schließlich betrat der Vater des Angeklagten den Zeugenstand. Er bestätigte den Streit um die Wasserkosten. Sein Sohn sei dann auf die Stiefmutter los, habe sie gepackt und in eine Ecke geschubst. „Ich bin dazwischen gegangen“, erklärte der 75-Jährige. Plötzlich habe der Angeklagte seiner Stiefmutter gedroht: „’Ich bring dich um, schlag dich tot’, hat er zu ihr gesagt.“ Dann habe er den hölzernen Wildschweinkopf nach der Frau geworfen, sie aber nicht getroffen. Er habe den 47-Jährigen daraufhin rausgeworfen.

Im Flur habe der Angeklagte noch eine Vase nach der Stiefmutter geworfen. Bei Nachfragen des Gerichts verstrickte sich der Rentner in Widersprüche. Plötzlich ist die Vase gar nicht kaputt gegangen. Und ob der Wildschweinkopf geworfen wurde, war auf einmal auch nicht mehr klar.

Letztlich sei zwar irgendetwas vorgefallen, die Tat sei aber nicht so bösartig gewesen, wie angeklagt, stellte der Richter fest. Das und die Tatsache, dass der Angeklagte nicht vorbestraft ist, veranlasste das Gericht dazu, das Verfahren gegen den Meinerzhagener vorläufig einzustellen.

Als Auflage muss er 1000 Euro an die Stiefmutter zahlen. „Wenn Sie die Auflage erfüllen, stelle ich das Verfahren endgültig ein. Wenn sie es nicht tun, gibt es hier einen neuen Termin“, erklärte der Richter dem 47-Jährigen das Ergebnis des Prozesses.

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