Schneckentempo auf der neuen Bahnstrecke

Die Stadt Meinerzhagen hat ihr Projekt „Erneuerung des zentralen Omnibusbahnhofs“ (ZOB) lange vor dem Bahneröffnungstermin abgeschlossen – mit erkennbar positivem Erscheinungsbild.

MEINERZHAGEN - Die gute Nachricht ist und bleibt: Ab Sonntag, 15. Dezember 2013, verkehren mit dem turnusmäßigen Fahrplanwechsel wieder Personenzüge zwischen Köln und Meinerzhagen. 27 Jahre nach der Stilllegung der Strecke halten dann wieder Züge in der Volmestadt und ermöglichen im Stundentakt mit der Regionalbahnlinie 25 die Nutzung des Schienenpersonennahverkehrs zunächst in Richtung Rheinland.

Die schlechte Nachricht: Bis zu diesem Zeitpunkt werden – trotz eines erheblichen langen zeitlichen Vorlaufs – nicht alle Infrastruktureinrichtungen komplett fertiggestellt sein. Das betrifft insbesondere die beiden Bahnübergänge im Bereich Güntenbecke.

Noch auf der gemeinsamen Pressekonferenz des zuständigen Zweckverbandes NWL und der Bahn am 14. August im Meinerzhagener Rathaus äußerten sich auf Anfrage unserer Zeitung die Verantwortlichen optimistisch, dass bis zum Eröffnungstermin mit einem für Samstag, 14. Dezember, geplanten großen Fest auf dem Bahnhofsgelände und einem dann dort ankommenden Sonderzug noch alles termingerecht zu schaffen sein müsste. 

Am Mittwoch muste auf Anfrage unserer Zeitung Jürgen Akkermann, Leiter der Abteilung Anlagenplanung bei der DB Netz Region in Münster mit großem Bedauern einräumen, dass das Projekt Bahnübergänge in Güntenbecke bis dahin wohl nicht mehr zu schaffen sei. Nachdem auch unter starker Einbindung der Stadt im Laufe des vergangenen Jahres zunächst Klarheit über die endgültige Planung und hier insbesondere auch eine Zustimmung der betroffenen Anwohner erreicht werden konnte, verging bis zur endgültigen Abstimmung und offiziellen Ausschreibung leider zu viel an wertvoller Zeit. Die Auftragsvergabe (Submission) ist derzeit noch nicht erfolgt, stehe, so Akkermann, aber unmittelbar bevor.

Nach jetzigem Fahrplan geht er von einem Baubeginn im November aus. Und damit steht fest, dass die geplante Aufgabe der beiden Bahnübergänge und eine neue Wegeführung für die hier zweimal kreuzende Gemeindestraße Richtung Genkel parallel zu den Gleisen bautechnisch bis zum 15. Dezember nicht mehr zu schaffen sein dürfte. Immerhin müssen hier rund 9000 Kubikmeter Boden bewegt werden. Insgesamt handelt es sich um ein Investitionsvolumen von rund 900 000 Euro, wovon Bahn, Bund und Stadt jeweils rund ein Drittel zu tragen haben, die Stadt auf ihren Anteil noch einen Förderzuschuss seitens des Landes in Anspruch nehmen kann.

Leider wird durch diesen Ablauf nun ein ähnliches Szenario Wirklichkeit, das im Zusammenhang der Eröffnung der Bahnstrecke zwischen Gummersbach und Marienheide im Jahr 2003 noch für einen längeren Zeitraum hingenommen werden musste: Damals war der Bahnübergang im Bereich der Ortschaft Kotthausen nicht termingerecht fertiggestellt worden. Konsequenz: Die Bahn musste Personal abstellen, das jeweils mit Flatterband die Gleise beim Passieren von Zügen absperrte.

Das wird, so Akkermann gegenüber der MZ, so zwar in Güntenbecke nicht wiederholt, weil hier wegen gleich zwei Überquerungsstellen der Aufwand einfach zu groß wäre. So muss nun hier eine Langsamfahrstrecke eingerichtet werden, die dann von den Zügen mit nur Tempo 20 passiert werden kann. Schneckentempo auf einer neuen Strecke – sicherlich ein Paradoxum und durchaus peinlich für die Verantwortlichen, die diese Situation durch zügigeres Handeln hätten verhindern können.

Immerhin wird der Bahnsteig in Meinerzhagen termingerecht fertig – wobei auch hier allerdings zunächst noch ein Provisorium entsteht: Der Bahnsteig wird ab Ende September komplett neu gebaut und bietet zukünftig einen stufenfreien Ein- und Ausstieg. Das alte Bahnsteigdach wird saniert und bleibt erhalten. Gleichzeitig errichtet die Stadt eine Brücke, über die auch der Bahnsteig über Treppe und Aufzug zugänglich ist. Wegen der fortgeschrittenen Jahreszeit wird dieses Projekt jedoch erst im Frühjahr 2014 in Angriff genommen und dürfte somit erst im Laufe des kommenden Jahres genutzt werden können. Vorübergehend muss während der Baumaßnahme daherein Behelfsbahnsteig genutzt werden, der von der zur Straße Im Tempel gerichteten Seite und den hier schon zur Verfügung stehenden Parkplätzen erreichbar ist.

Ab Dezember 2015 sollen nach den aktuellen Planungen die Züge dann von Meinerzhagen bis Lüdenscheid weiter fahren. Dafür investiert die Deutsche Bahn weiter in die Strecke. Die Bahnhöfe in Kierspe, Oberbrügge und Brügge werden saniert oder neu gebaut. In Brügge werden sich demnächst die Züge aus Dortmund und aus Köln am selben Bahnsteig gegenüberstehen. Hier können Fahrgäste bequem und mit nur kurzer Wartezeit in beide Richtungen umsteigen. Die Fahrt von Meinerzhagen nach Lüdenscheid wird eine knappe halbe Stunde dauern.

Auch der Güterzugverkehr erhält ebenfalls zwei neue Gleise. Moderne Leit- und Sicherungstechnik steuert in Zukunft den Zugverkehr.

Entlang der Strecke von Meinerzhagen bis Brügge werden zur Zeit 18 Bahnübergänge planerisch untersucht und geprüft. Mit den Städten Kierspe und Meinerzhagen laufen Abstimmungsgespräche, welche Bahnübergänge angepasst bzw. neu gebaut werden müssen.

Die Finanzierung des Fahrweges für die gesamten Baumaßnahmen erfolgt weitestgehend aus Mitteln des Bundes, die der Bahnsteige aus Mittel des Landes NRW. Die Gesamtkosten der Reaktivierung zwischen Marienheide und Brügge betragen nach Angaben der Deutschen Bahn rund 52 Millionen Euro. - Von Horst vom Hofe

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