G8, G9 und Probleme der Landeselternschaft

Ulrich Czygan war zu Gast am EGM. - Foto: Negel-Täuber

Meinerzhagen - Das Evangelische Gymnasium bleibt Mitglied in der Landeselternschaft (LE), diese Entscheidung traf die Schulpflegschaft des Gymnasiums am Mittwochabend einstimmig. Um dafür eine fundierte Grundlage zu erhalten, hatte die Vorsitzende Annegret Benger den neuen Vorsitzenden der LE Ulrich Czygan eingeladen, die Elternvertretung auf Landesebene vorzustellen.

In den letzten Monaten war es in dem Verband, dem die meisten Gymnasien in NRW angehören, zu erheblichen Turbulenzen gekommen. Der Vorstand unterstütze einseitig die G8-Variante, die Mitglieder seien nicht unabhängig, waren Vorwürfe, die schließlich zur Abwahl des Gremiums führten. Unter Leitung von Ulrich Czygan als Vorsitzendem hat sich nun ein neues Gremium formiert, das unter veränderten Vorzeichen die Interessen der Gymnasialeltern vertreten will.

Eloquent und mit vielen Beispielen aus seinem eigenen Umfeld als Vater von sechs Gymnasialkindern benannte Czygan die Schwachpunkte der derzeitigen Schulpolitik. Besonderen Handlungsbedarf sah er in der aus seiner Sicht völlig unzureichenden Personal- und Sachausstattung vieler Schulen im naturwissenschaftlichen Bereich; die Studierfähigkeit der Abiturienten sei dadurch massiv gefährdet. „Welche Schule hat denn noch einen Physik-Leistungskurs?“, fragte er eher rhetorisch. In Meinerzhagen gibt es einen, auch der von Czygan beklagte flächendeckende Unterrichtsausfall sei am Evangelischen Gymnasium kein besonderes Problem.

Czygan deckte in seinem Vortrag ein breites Spektrum ab: Von der Ausgestaltung der Inklusion über das Kopftuch-Urteil und den Hausaufgabenerlass bis zu den von vielen Eltern beklagten langen Unterrichtstagen reicht das Aufgabenfeld der Landeselternschaft. Czygan warb für den Verbleib der Meinerzhagener in der LE, nicht zuletzt aus finanziellen Gründen. Nicht einzelne Eltern, sondern nur Schulen sind Mitglied, sie führen pro Schüler und Schuljahr einen Euro an die Elternvertretung ab.

Im Gegensatz zum alten Vorstand wollte Czygan im G8/G9-Konflikt keine Position beziehen, dazu gingen die Meinungen in der Elternschaft zu weit auseinander. Nach Auskunft von Aktivistin Christina Först hatte die „Initiative G9 jetzt – NRW“ in Meinerzhagen 789, in Kierspe 327 gültige Unterschriften für die Rückkehr zum alten System gesammelt. Czygan brachte als Beispiel die Stadt Düsseldorf, wo sich elf von 23 Gymnasien für die Beibehaltung von G8 ausgesprochen hätten. Klare Mehrheiten scheint es in diesem Konflikt nicht zu geben. Für Czygan ist er kein vorrangiges Thema: „G8 steht und fällt mit der Lehrerausstattung.“

Bei den Eltern hinterließ er einen guten Eindruck. Dass die LE auch Rechtsberatung für Eltern in Schulfragen biete, war vielen neu. Die Schulpflegschaft entschied deshalb in der sich anschließenden Sitzung, dem neuen Vorstand eine Chance zu geben. Im zweiten Halbjahr soll dann noch einmal darüber beraten werden.

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