Ein Prinz verzaubert die Stadthalle

Der Delinquent erahnt den bevorstehenden Gnadenakt noch nicht.

MEINERZHAGEN ▪ „Prinz Friedrich von Homburg“ sorgte für eine überraschend gut gefüllte Stadthalle.

Mehrheitlich junge Besucher schienen dem Kleist-Klassiker zugetan, den das Westfälische Landestheater mit diesem Stück auf die Bühne brachte. Vor allem den älteren Semestern unter den Zuschauern machte der einladene Verein für Kultur und Kommunikation (KuK) damit offensichtlich eine große Freude. Ließ sich doch trefflich über die literarischen Eindrücke parlieren, die noch aus der eigenen Schulzeit oder aus anderen Aufführungen erinnerlich waren. Das Ensemble jedenfalls bekam gute Noten.

Trotz spärlichster Ausstattung, die ein unverhülltes Umbauen mit wenigen Handgriffen nötig machte, gelang es handelnden Personen, das Publikum ins Geschehen einzubinden. Etwa vor der Schlacht gegen die Schweden, wo die preußische Generalität unter Führung des Prinzen von Homburg die feindlichen Linien und Bewegungen im Publikum ausmachte.

Beeindruckend der Kurfürst als Verfechter eherner Gesetzestreue, der eine erlassene Order zum alleinigen Maßstab allen Handelns macht und ihre Missachtung mit ebensolcher Konsequenz ahndet. Nicht der Zweck, ja nicht einmal der Sieg heiligte eigenmächtige Entscheidungen des Individuums. Weibliche Klugheit und Einflussnahme, letztendlich aber die heroische Entschlossenheit, das der Verfehlung folgende Todesurteil nicht nur zu akzeptieren, sondern die Hingabe des eigenen Lebens in eine absolute Anerkennung des Ordnungsprinzips umzumünzen, vermochte den Gnadenakt auszulösen. Wortgewaltig, Dramatik pur.

Dazwischen muntere Heiterkeit auf den Teenie-Rängen bei Szenen aus einer Zeit, wo ein inniger Kuss, eine zärtliche Umarmung dem Verlöbnis und somit Eheversprechen gleichkamen. Anhaltender Applaus quittierte die schauspielerische Leistung. ▪ As

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