Praktikantin aus Irland knetet Teig

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Gunda Marl stellt auch „WM-Plunderteilchen“ her, die in diesen Tagen besonders gefragt sind. ▪

MEINERZHAGEN ▪ Teig kneten findet sie beruhigend. Sie liebt es, Teilchen und Kuchen mit einer Glasur oder einem Schokoladenmantel zu überziehen.

Schon im zarten Kindesalter brachte der Duft frischer Backwaren ihre Augen zum Leuchten. „Viele wollen ja als Kind Feuerwehrmann oder Tierärztin werden. Mein Traumberuf war Bäckerin“, erinnert sich Gunda Marl.

Die Lust am Backen begleitete sie auch durch ihre Jugendzeit. „Ich mache das extrem gerne“, strahlt die 17-Jährige, die in ihrer Freizeit außerdem Hockey spielt, Sprachen lernt und Mathe ihr liebstes Schulfach nennt. „Wenn ich Langeweile habe, fange ich sofort damit an.“ Da lag der Gedanke natürlich nahe, vor dem Abitur ein Praktikum in einer Bäckerei zu machen, um die Berufsperspektiven auszuloten. Eine Idee, die Gunda vor einige Schwierigkeiten stellte. Sie lebt nämlich mitten in Irland, und dort sind Bäckereien ein seltener Anblick.

„Bei uns isst man Weißbrot, und das kaufen die Leute im Supermarkt“, erzählt sie. In ihrer Heimat hätte sie daher nur in einer Großbäckerei arbeiten können, das wollte sie aber nicht. Wie gut, dass ihre Eltern noch vor zwanzig Jahren in Meinerzhagen lebten, bevor sie auf die „grüne Insel“ auswanderten. So erinnerte sich ihre Mutter Claudia Marl sofort an die Meinerzhagener Bäckerei Voss. „Nur drei Tage nachdem ich meine Bewerbung abgeschickt hatte, bekam ich den Anruf, dass ich mein Praktikum hier machen kann“, erzählt die 17-Jährige, deren irische Herkunft nur an einem leichten Akzent zu erkennen ist. Der positive erste Eindruck bestätigte sich auch bei ihrer Ankunft: „Ich habe mich hier auf Anhieb wohl gefühlt“, sagt sie. Außerdem genießt sie es, während ihres fünfwöchigen Praktikums ihre Oma Anneliese Pohl und viele Freunde wiederzusehen, die sie während eines Auslandsjahres am evangelischen Gymnasium kennenlernte. 2008 besuchte sie ein halbes Jahr lang die Schule in Meinerzhagen, während des zweiten Halbjahrs drückte sie in Spanien die Schulbank. Die frühere Heimat ihrer Eltern ist auch für sie längst zum vertrauten Territorium geworden. „Meinerzhagen erscheint mir fast wie eine Großstadt mit ungeahnten Möglichkeiten“, erzählt sie lachend. Schließlich lebt sie mit ihrer Familie in dem 3000-Seelen-Nest Collinstown, mehr als dreißig Kilometer von der nächst größeren Stadt Mullingar mit rund 9000 Einwohnern entfernt. Auch ihr Bruder Holger Marl ist derzeit in Meinerzhagen. Er macht ein Maschinenbau-Praktikum bei der Firma Fuchs.

„Die Arbeit ist klasse“

Und wie steht’s mit ihren beruflichen Plänen nach den ersten beiden Wochen Praxistest? „Die Arbeit ist klasse. Es ist ein schönes Gefühl zu sehen, wenn die Teilchen, Brote oder Kuchen über die Ladentheke gehen, die wir in der Backstube zubereitet haben.“ Dennoch gibt es für sie auch zwei Aspekte, die gegen eine Bäcker-Ausbildung sprechen: „Das frühe Aufstehen und mein Wunsch, nach dem Abitur zu studieren.“ Die Entscheidung ist also noch offen. „Vielleicht kombiniere ich die Ausbildung auch mit einem betriebswirtschaftlichen Studium“, fügt sie nachdenklich hinzu. Egal wie sie sich entscheidet, schon jetzt hat sie das Gefühl, dass sich das Praktikum lohnt. Sie fühlt sich besser vorbereitet für die Berufswahl und nimmt auch ein paar praktische Tipps für die eigene Küche mit nach Hause. „Jetzt weiß ich endlich, warum in vielen Rezepten empfohlen wird, Teilchen zuerst mit Aprikosenmarmelade und dann mit Zuckerglasur zu bestreichen“, schmunzelt sie. „Die Marmelade verhindert, dass der Teig austrocknet.“ ▪ ps

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