Debatte um politische Posts

RSV Meinerzhagen: Facebook-Posts sorgen für Wirbel

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Unter anderem diese Posts waren Stein des Anstoßes für die Kritik.

Meinerzhagen - Die Fronten sind verhärtet – und nichts deutet auf eine Lösung hin: Eine ganze Mannschaft verließ Anfang des Jahres den RSV Meinerzhagen und läuft seither für einen anderen RSV auf: den im Listertal. Wie konnte das passieren? 

Auslöser für die Differenzen waren Posts auf Facebook, die teilweise bereits im Sommer vergangenen Jahres von einem Mitglied des RSV-Jugendvorstandes geteilt wurden. 

Der Meinerzhagener Zeitung liegen Screenshots vor, auf denen die vom Jugendvorstandsmitglied geteilten Beiträge zu sehen sind. Verfasst wurden diese Beiträge von einem anderen Facebook-Nutzer, das Vorstandsmitglied hat diese aber geteilt und damit weiterverbreitet. In den besagten Beiträgen heißt es unter anderem: 

  • „Wir sollten den Begriff Rechts so langsam als Adelstitel verstehen. Rechts steht heute für Werte wie Anstand, Familie und Kultur.“
  • „Vier Gründe, warum E.T. sympathischer ist als ein Asylant: 1. Er kam allein. 2. Er hatte sein eigenes Fahrrad. 3. Er lernte unsere Sprache. 4. Er wollte wieder nach Hause (letzter Satz in Großbuchstaben, Anm. d. Red.).“
  • Auf einem der Fotos ist ein Schiffsdeck zu sehen, auf dem offensichtlich zahlreiche Flüchtlinge sitzen sollen. Kommentar dazu: „Das ganze Schiff voller Soldaten.“
  • Ein anderes Bild zeigt eine Menschenmenge an einem Hafen. Drei Männer im Vordergrund schauen nach unten auf ihr Smartphone. Kommentar dazu: „Sie haben alles verloren, außer ihre Smartphones.“

Vater: "Wollte lediglich über Posts informieren"

Hamza Köse ist Vater und er war Betreuer in der E 2 des RSV Meinerzhagen, die inzwischen im Listertal eine neue Heimat gefunden hat. Ihm missfielen diese Posts und auch deren Weiterverbreitung durch das Jugendvorstandsmitglied des RSV. Köse hat dann auch die „Welle“ um die Posts und Auseinandersetzungen losgetreten, wie er selber einräumt. „Allerdings wollte ich den Jugendvorstand ursprünglich lediglich über die Posts informieren, habe keinerlei Vorwürfe geäußert, sondern einfach nur gemeint, dass man sich das mal anschauen sollte.“ Weitergegeben worden sei allerdings umgehend, dass Köse das Vorstandsmitglied als rechtsradikal bezeichnete – was wiederum zu großem Unverständnis führte. Es folgten: Köses Ausschluss aus dem Betreuerstab, Vereinsausschluss, Stadionverbot. 

Trainer äußert Unverständnis für Jugendvorstand

Martin Garbotsch war zu dieser Zeit Trainer der E 2-Jugend, also jener Mannschaft, in der Köse als Betreuer aktiv war. „Ich wollte mich solidarisch mit ihm zeigen und habe mich gefragt, warum man den Coach nicht mit in die Entscheidung eines Ausschlusses einbezieht“, sagt Garbotsch. Auch er sei daraufhin als Trainer suspendiert worden – und vom Jugendvorstand sei auch ein Vereinsausschluss gegen ihn ergangen, berichtet Garbotsch. 

"Wer mich kennt, der weiß, dass man darüber lachen kann"

Zurück zu den Posts: Das Jugendvorstandsmitglied selbst räumt auf Anfrage der MZ ein, die Beiträge geteilt zu haben. Eine fremdenfeindliche Einstellung stecke aber nicht dahinter. Ganz im Gegenteil. Das Mitglied betont, dass es sich seit vielen Jahren für den RSV Meinerzhagen engagiert und selbstverständlich häufig Kontakt insbesondere zu türkischen Vereinsmitgliedern habe. Es habe sich für die Posts entschuldigt, da sich niemand persönlich angegriffen fühlen sollte. „Wer mich kennt, der weiß, dass man darüber lachen kann. Wer mir etwas Böses will, interpretiert etwas anderes dort hinein.“ 

RSV-Führung: "Haben sofort gehandelt"

Dirk Rebein ist Vorsitzender des Hauptvereins. Als oberstem RSV-Funktionär sind ihm die Querelen natürlich nicht entgangen. Der Hauptvorstand habe selbstverständlich versucht, in dieser Sache Gespräche mit den Betroffenen zu führen, ebenso wie mit Kindern und Eltern der Mannschaft, die aus Solidarität mit Köse und Garbotsch ins Listertal abgewandert sei. „Wir haben in unserer Jugend einen Ausländeranteil von etwa 85 Prozent“, berichtete er im Gespräch. Gerade was Vorwürfe zu rechten Tendenzen angehe, sei man deshalb sehr sensibel und man habe auch sofort gehandelt.

Fronten sind verhärtet

Die Fronten zwischen Köse, Garbotsch, einigen Eltern und dem Vorstand seien allerdings schon verhärtet gewesen. „Und vom betreffenden Trainer- und Betreuerteam kam nichts“, erinnert sich Rebein. Kurzum: Es sei schließlich beim Status quo geblieben, obwohl man zumindest Martin Garbotsch das Angebot unterbreitet habe, beim RSV Meinerzhagen bleiben zu können – als normales Mitglied. Da half es auch nichts, dass der Jugendvorstand laut Rebein Fehler eingeräumt habe. Zudem habe das betreffende Vorstandsmitglied selbst gegenüber dem Trainer- und Betreuerteam sein Bedauern ausgedrückt für den Fall, „dass sich jemand persönlich verletzt gefühlt hat“. 

Dirk Rebein verdeutlichte aber auch, dass es Aufgabe des Jugendvorstandes sei, sich um diese Angelegenheit zu kümmern: „Wir unterstützen dabei“, sagt Rebein, der aber auch klarstellt: „Wir haben den Beteiligten klargemacht, dass sie nicht einfach alles in sozialen Netzwerken teilen können.“

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