Hochbetrieb an der Derschlager Straße

Ein Tag in der Postfiliale: Der ganz normale Weihnachts-Wahnsinn

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Ein Blick ins Lager hinter dem Postschalter: Sabine Kassel ist den Vormittag über damit beschäftigt, nicht zugestellte Pakete zu sichten und zu sortieren.

Meinerzhagen - Die Pakete stapeln sich, die Schlange hinter dem Schalter der Postfiliale an der Derschlager Straße ist lang. Es ist Vorweihnachtszeit. Das bedeutet für die Mitarbeiterinnen: Stress. Ein Besuch am Donnerstag vor Heiligabend.

Es ist ungewohnt ruhig im Geschäft von Rita Zender. Nur eine Kundin steht am Postschalter, um Briefmarken zu kaufen. „Das ist selten“, sagt Zender und weiß, dass die Situation schon in einer Minute eine ganz andere sein kann. 

Und tatsächlich: Wie auf Kommando strömt Kundschaft in den Laden. Die meisten zieht es dabei nicht an die Theke für die Abgabe von Lottoscheinen oder den Verkauf von Zeitschriften und Tabak. Der Großteil hat Postsachen zu erledigen. Briefmarken kaufen, Sendungen aufgeben, Retouren wegsenden – aber vor allem: Weihnachtspakete abholen. 

Trifft der Postbote den Empfänger nicht an – und ist auch kein Nachbar aufzutreiben, der die Sendung annimmt – landet die Lieferung wieder in der Filiale. Dort ist die Abholung am Folgetag möglich. Allerdings nicht bereits zu früher Stunde. „Erst ab 11 Uhr sollten die Kunden nach ihren Paketen fragen“, sagt Sabine Kassel, die im Lager Schwerstarbeit zu verrichten hat. 

Sendungsmenge in den letzten 18 Jahren verdoppelt

Beim Blick über ihre Schultern wird schnell deutlich, warum sich das zu frühe Nachfragen nach dem eigenen Paket nicht lohnt. Nachdem die Ware morgens angeliefert wurde, muss Kassel zunächst sichten, beschriften und nach Namen sortiert alphabetisch ins Regal sortieren. Das dauert seine Zeit. Vor allem in der Vorweihnachtszeit. 

Zwei Wagen voll wurden heute wieder geliefert. Zu anderen Jahreszeiten ist ein einziger der Normalfall“, erklärt Filialleiterin Rita Zender. Die Sendungsmenge hat sich deutschlandweit seit dem Jahr 2000 fast verdoppelt. Nach einer aktuellen Studie des Bundesverbandes Paket & Express Logistik wurden im Jahr 2017 insgesamt 3,35 Millionen Sendungen verschickt. Ein Trend, der an keiner Kommune und keiner Postfiliale vorbei geht.

Hohe Erwartungen an pünktliche Lieferung

Onlinebestellungen sorgen für eine Vervielfachung des Paketaufkommens. Der bequeme Klick am heimischen Computer senkt aber nicht die Erwartungshaltung an pünktliche Lieferung. Und wenn die nicht erfolgt – und sei es, weil der Adressat nicht daheim ist – wird Unmut laut. Der Stress in der Vorweihnachtszeit sei auf beiden Seiten des Postschalters spürbar, sagt Sabine Kassel. 

„Viele sind ungehalten, wenn wir ihr Paket noch nicht ausgeben können, weil es noch nicht einsortiert wurde“, erinnert sie sich an einige Fälle der jüngsten Vergangenheit. „Eine Dame verlangte sogar, dass wir den noch nicht bearbeiteten Wagen nach ihrem Paket absuchen sollten, damit sie nicht wiederkommen muss.“ Bei allem Kundenservice: Das ging dann doch zu weit. 

Sieben Tage lagern die nicht abgeholten Pakete in der Postagentur. „Dann gehen sie zurück an den Absender“, sagt Kassel. Doch das dürfte in der Vorweihnachtszeit äußerst selten der Fall sein. Schließlich brauchen Weihnachtsmann und Christkind dringend Nachschub, der verschenkt werden muss.

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