Gericht verhandelt über tödlichen Unfall

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Justiz

Meinerzhagen - Im Mai des vergangenen Jahres kam es zu einem tödlichen Unfall in einer Meinerzhagener Firma. Dafür musste sich 51-Jähriger vor Gericht verantworten.

Mehr als 900 Kilogramm wog das Schaltschrankpaket auf dem Gabelstapler, das am 19. Mai vergangenen Jahres in einer Meinerzhagener Firma ins Wanken geriet. Mutmaßlich mit dem Ziel, die Ladung aufzuhalten, stellte sich ein polnischer Lkw-Fahrer davor.

Der 32-Jährige hatte keine Chance – das fast eine Tonne schwere Paket begrub den Mann unter sich. Kurz darauf erlag der 32-Jährige im Krankenhaus seinen Verletzungen. Unter anderem waren mehrere Rippen gebrochen und einzelne Organe gerissen.

Der Fahrer des Gabelstaplers musste sich jetzt wegen fahrlässiger Tötung im Amtsgericht Meinerzhagen verantworten. Er soll die Ware trotz Warnung nicht mit einem Kran, sondern mit dem Stapler abgeladen haben.

Der Verteidiger des 51-Jährigen erklärte, sein Mandant bedaure das Geschehen zutiefst. Er leide sehr darunter und sei in psychologischer Behandlung. Zur Tatzeit war der Lüdenscheider als Leiharbeiter im Lager des Meinerzhagener Unternehmens tätig.

„Ich bin Fachlagerist“, so der Angeklagte. Der polnische Lkw habe mehrere Europaletten mitgebracht. Die mit den Schaltschränken sei die letzte gewesen. Er habe sie mit dem Stapler von der Ladefläche gehoben und in eine separate Halle gefahren. Dort habe er sie verstaut, dann aber festgestellt, dass sie noch etwas verrückt werden müsste. Also habe er das getan. Dabei sei das Paket gekippt.

Plötzlich habe er den Lkw-Fahrer bemerkt. Das habe ihn sehr überrascht, weil Betriebsfremde keinen Zutritt zur Halle hätten. Während des gesamten Prozesses konnte nicht geklärt werden, woher der später Verstorbene gekommen war. Zeugen bestätigten aber, dass Schilder eindeutig klarmachen, dass nur Mitarbeiter Zutritt haben. Zudem seien sämtliche Türen nur von innen zu öffnen und das Tor gehe nur hoch, wenn der Stapler durchfahre.

Ein Mitarbeiter gab an, dass der Durchlauf der Angestellten unregelmäßig sei. Mal betrete kein einziger Mitarbeiter am Tag die Halle, mal könnten es aber auch zehn sein. Bezüglich des Rates, das Paket mit dem Kran abzuladen, gab der Angeklagte an, ein anderer Leiharbeiter hätte ihm dazu geraten. Der Mann sei aber Bäcker und er gelernter Fachlagerist.

Letztlich bestätigten alle Befragten, dass das Abladen mit dem Stapler nicht sorgfaltswidrig, also erlaubt war. Und das Abladen an sich hatte ja auch funktioniert. Ein Fahrlässigkeitsvorwurf blieb letztlich aber: Der Angeklagte hätte sich in dem Moment, als er das Paket zum Verrücken bewegt hatte, vergewissern müssen, dass niemand in der Nähe und damit in Gefahr war.

Bislang hat sich der 51-Jährige strafrechtlich nichts zu Schulden kommen lassen. Der Dienstag endete für ihn mit einer vorläufigen Einstellung. Zahlt der Angeklagte 1200 Euro an die Staatskasse, wird das Verfahren endgültig eingestellt.

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