Wildunfälle werden zum "Tagesgeschäft"

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Wildunfälle beschäftigen Polizei und Jagdpächter.

Meinerzhagen – Der Herbst ist da. Es wird früher dunkel und später hell. Das bedeutet: Autofahrer müssen sich auf das fehlende Tageslicht einstellen, die Zahl der Wildunfälle wird steigen, gerade im ländlichen Raum und abseits der Stadtzentren.

Auf weiten Teilen des Meinerzhagener Stadtgebietes ist also Vorsicht geboten.

Rainer Barre ist Leiter des Hegeringes Meinerzhagen-Valbert. Und so traurig es ist: Angefahrene Wildtiere sind für ihn und seine Jagd-Kollegen beinahe Tagesgeschäft: „Das gehört zum tagtäglichen Brot eines Jagdpächters beziehungsweise Jagdausübungsberechtigten.“ Barre muss, wie alle Jäger, durchaus damit rechnen, dass er nachts aus dem Bett geklingelt wird, um durch Fahrzeuge verletztes oder getötetes Wild entweder zu ver- oder zu entsorgen. Verwertbar sei deren Fleisch dann übrigens aufgrund der Verletzungen nicht mehr, weiß Barre. 

Kommt es zu einem Wildunfall, ist auch die Polizei involviert. Hauptkommissar Marian Kosanke von der Wache an der Oststraße weiß aus Erfahrung, dass es über das ganze Jahr verteilt in Meinerzhagen häufig zu Zusammenstößen zwischen Fahrzeugen und Tieren kommt. „In letzter Zeit ist das gefühlt öfter der Fall, wobei die Örtlichkeiten variieren“, sagt er. Der Beamte berichtet außerdem, dass er und seine Kollegen durchaus auch selbst zur Waffe greifen, wenn angefahrenes und schwer verletztes Wild von seinem Leiden erlöst werden muss. „Dazu suchen wir dann einen geeigneten Ort auf, wo das gefahrlos geschehen kann“, erläutert Kosanke. Durch diese Maßnahme soll auch die Gefahr abgewendet werden, dass schwer verletzte Tiere erneut auf die Fahrbahn laufen. Im Zusammenhang mit Wildunfällen hat Marian Kosanke eine Bitte an die Bürger: „Nach einem Unfall sollte auf jeden Fall die Polizei informiert werden. Das gilt auch für den Fall, dass verendete Tiere entdeckt werden. Wenn am betreffenden Ort kein Mobilfunknetz vorhanden ist, kann die Wache aufgesucht werden.“ Totes Wild einfach mitnehmen, das geht übrigens nicht. Marian Kosanke: „Ein solches Verhalten wäre strafbar. Es handelt sich dabei um Eigentum des Jagdpächters.“

Seit Sonntag gilt die Winterzeit, die Lage auf den Land- und Kreisstraßen wird dann noch kritischer. Das weiß auch die Märkische Kreisjägerschaft: „Das Schalenwild – Reh, Hirsche und Wildschwein – ist in dieser Zeit häufig während des Berufsverkehrs unterwegs. Deshalb bitten Jagdverbände und Jäger um erhöhte Vorsicht. Da die Uhr auf Winterzeit umgestellt wurde, sind Pendler wieder in der Dämmerung unterwegs, während das Wild vermehrt auf Nahrungssuche ist. Das Risiko eines Zusammenstoßes ist in der Zeit zwischen 6 und 8 Uhr besonders hoch.“ 

Der Deutsche Jagdverband bittet die Autofahrer deshalb, in dieser Zeit besonders umsichtig zu fahren und gerade an Wald- und Feldrändern die Geschwindigkeit zu verringern. „Wildtiere orientieren sich an ihrer inneren Uhr, deshalb Augen auf und Fuß vom Gas. Wenn ein Wildtier die Straße quert, ist besondere Vorsicht geboten, denn im Regelfall kommen weitere Tiere hinterher“, informiert die Kreisjägerschaft, die einige Grundregeln aufgestellt hat, wenn Wildtiere die Fahrbahn kreuzen: Lenkrad festhalten, geradeaus lenken, abbremsen, keine Ausweichmanöver – die enden meist am nächsten Baum. 

Sollte dennoch ein Unfall passieren, hat die Kreisjägerschaft des Märkischen Kreises folgende Verhaltenstipps: Der Vorfall sollte umgehend der Polizei gemeldet werden – und, wenn bekannt, beim entsprechenden Jagdpächter angezeigt werden, damit dieser verletzte Wildtiere notfalls von den Unfallfolgen erlösen kann oder mit einer Nachsuche erkranktes Wild erlegen kann. Außerdem sollte sich der Betroffene eine Bescheinigung für die Teilkaskoversicherung ausstellen lassen.

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