Wertminderung der Häuser und Einschränkung der Lebensqualität befürchtet

Pläne zu Fuchs-Neubau an Derschlager Straße erregen Missfallen der Anwohner

+
Walburga (links) und Carla Burkard blicken von ihrer Wohnung aus aufs Fuchs-Gelände. Sie befürchten, dass durch den geplanten Neubau bald kein Licht mehr bei ihnen hineinfällt.

Meinerzhagen - Die Pläne der Firma Otto Fuchs, einen Neubau auf ihrem Gelände an der Derschlager Straße zu errichten, stoßen den dortigen Anwohnern sauer auf. Sie befürchten eine Wertminderung ihrer Häuser und eine Einschränkung ihrer Lebensqualität, wenn Fuchs ihnen, wie geplant, das siebenstöckige „Technikum“, in dem die Bereiche Forschung und Entwicklung gebündelt werden sollen, vor die Nase setzt.

 „Ich bin auf 350“, sagt Jutta Knebel-Bräucker. Zu beiden Seiten verengen Häuser den Blick aus ihrem Fenster auf einen schmalen Streifen, in dem man auf das Fuchs-Gelände sehen kann. Neben dem von Fuchs-Mitarbeitern genutzten Parkplatz sind immerhin noch ein paar Bäume zu sehen. Wird dort das neue 27 Meter hohe Gebäude errichtet – laut Fuchs befinde man sich noch in der Planungsphase –, ist auch dieses letzte bisschen Aussicht fort.

Mit Einschränkungen arrangiert

Wie die Anwohner, darunter auch Knebel-Bräucker, bereits in ihrem Leserbrief schildern, ist ihnen die Bedeutung der Firma Fuchs für den Wirtschaftsstandort durchaus bewusst. Mit gewissen Einschränkungen als Nachbarn eines Industrieunternehmens haben sie sich arrangiert. Etwa, dass das Licht aus der Werkshalle nachts in die Wohnungen strahlt oder dass die Anwohner keinen Wecker brauchen, weil die Werksgeräusche sie früher allmorgendlich weckten.

Lesen Sie: Für Neubau von Otto Fuchs muss neuer Bebauungsplan her

Und es war nicht nur der Lärm. „Das Presswerk hörte man nicht nur, man spürte es“, sagt Walburga Burkard. Die Risse in den Häusern mehrerer Anwohner stammen, so die Vermutung, von den vielen Erschütterungen von gegenüber, mit Sicherheit wissen sie es nicht. An all das hat man sich gewöhnt, aber das 27 Meter hohe „Technikum“, einer der geplanten Neubauten, will man nicht einfach so hinnehmen.

Die Haltung der Stadt gegenüber dem Bauvorhaben sorgt auch für Missfallen: In einer Pressemitteilung war davon die Rede, dass das hohe Gebäude einen neuen Orientierungspunkt in der Stadtsilhouette setze, „der das bisherige Bild positiv ergänzt“. Das könne fast nur als Zynismus verstanden werden, wie die Anwohner in ihrem Leserbrief schreiben.

„Positiv ergänzt? Das fügt sich hier gar nicht ein. Das ist ein Fremdkörper“, sagt Carla Burkard. Das einzige hohe Gebäude sei das dreieinhalbgeschossige Haus mit dem Kiosk auf der Ecke Derschlager/Genkeler Straße.

In die Erdgeschosswohnung der Burkards fällt schon jetzt wenig Tageslicht. Der Fuchs-Neubau würde auch den Blick auf das letzte bisschen Himmel vollends verstellen. „Wir werden kein Licht mehr im Wohnzimmer haben“, sagt Carla Burkard. Zudem werde das Gebäude den Straßenlärm zurückwerfen und dadurch verstärken, sagt ihre Mutter Walburga Burkard.

Anwohner befürchten Wertminderung

„Man muss mal die Kirche im Dorf lassen“, sagt Friedrich Rothaar, Fachbereichsleiter Stadtplanung, zu den Vorbehalten gegen den Neubau. Das siebenstöckige Gebäude wäre zwar eine markante Landmarke, aber nicht übermäßig hoch. Der Bau werde nicht direkt an der Derschlager Straße stehen, sondern ein Stück dahinter. Die Anwohner fürchten neben der Einschränkung ihrer Lebensqualität auch eine Wertminderung für ihre Häuser. „Finden Sie mal in 10 oder 20 Jahren einen Käufer dafür“, sagt Dennis Knebel. Und Kirsten Lorenz befürchtet, auf ihrer Terrasse künftig im Schatten des Fuchs-Gebäudes zu sitzen. Sie ärgert sich: „Dann hätte ich vor dreieinhalb Jahren das Haus nicht gekauft.“

Doch nicht nur das Bauvorhaben an sich missfällt den Anwohnern, sondern auch die Art, wie es kommuniziert wurde. „Wir waren alles andere als begeistert, als wir davon aus der Zeitung erfahren haben und dass wir als Anwohner nicht vorab informiert worden sind“, sagt Dennis Knebel. Er und weitere Anwohner stören sich auch an dem beschleunigten Verfahren für die Aufstellung des Bebauungsplans. Man fühlt sich überrumpelt.

Öffentliche Auslegung nach Ratsbeschluss

Eine Bürgerbeteiligung werde – wie im Baugesetzbuch vorgegeben – stattfinden, versichert Fachbereichsleiter Rothaar. Allerdings könne dies erst geschehen, wenn der Rat am 19. Februar auch die Aufstellung eines Bebauungsplans beschließt, wovon allerdings auszugehen sei.

Es gebe zwei Möglichkeiten, wie diese Beteiligung aussehen kann. Die Betroffenen können direkt angeschrieben werden, wobei es nicht immer klar sei, wer alles als Betroffener gelte, sagt Rothaar. Deswegen werde man auf die zweite Option, die öffentliche Auslegung setzen. „Einen Monat lang hat dann jeder die Möglichkeit, die Pläne einzusehen und sich dazu zu äußern“, sagt der Fachbereichsleiter. Nicht nur die Bürger, sondern auch Behörden wie etwa der Kreis würden beteiligt und könnten sich im Rahmen der öffentlichen Auslegung äußern. Dass im Übrigen Fuchs als Begünstigter die Kosten für die Aufstellung des Bebauungsplans trägt, sei nichts Ungewöhnliches, erklärt Rothaar, sondern entspreche der Regel.

Jutta Knebel-Bräucker blickt durch eine Häuserlücke aufs Fuchs-Gelände. Wird dort ein siebengeschossiges Gebäude hochgezogen, befürchtet sie, gar keine Aussicht mehr zu haben.

Aus dem Ausschuss

Die Zuschauerreihen im Ratssaal waren zur Sitzung des Ausschusses für Planung, Stadtentwicklung, Verkehr und Umwelt am Mittwochabend bis auf den letzten Platz gefüllt. Neben Vertretern der Firma Fuchs waren vor allem zahlreiche Anwohner anwesend. Sowohl Volkmar Rüsche (CDU) als Fachbereichsleiter Friedrich Rothaar verwiesen darauf, dass es in der Sitzung des Planungsausschusses lediglich darum gehe, dem Rat die Aufstellung eines Bebauungsplans zu empfehlen. Das Votum des Ausschusses war einstimmig, womit am 19. Februar der Rat die Aufstellung eines Bebauungsplans beschließen könnte. Das Verfahren beginne dann erst, erklärte Rothaar. Nach der Erarbeitung eines Bebauungsplans würde dieser öffentlich ausgelegt. Die Öffentlichkeit sowie Behörden könnten dann Stellungnahmen abgeben.

Bereits in der Stunde der Öffentlichkeit schilderten die Anwohner dem Ausschuss ihre Befürchtungen von einer Sichtbeeinträchtigung bis zum Wertverlust ihrer Häuser. Die Einladung an die Ausschussmitglieder, sich bei einem Ortstermin selbst ein Bild zu machen, begrüßte der Ausschussvorsitzende Rolf Puschkarsky (SPD). Er appellierte zugleich an die Anwohner, sich im Rahmen der Bürgerbeteiligung weiterhin einzubringen. Auch die Firma Fuchs will auf die Anwohner-Anliegen eingehen. „Ich plädiere unbedingt für eine Bürgeranhörung“, sagte Architekt Jürgen Christ. In dessen Rahmen solle den Bürgern unter anderem durch einen Film gezeigt werden, wie sich das geplante Gebäude in die Topografie einfüge, wie es von allen Seiten wirke, wie der Schattenwurf sei. „Wir müssen unsere Hausaufgaben machen“, sagte er.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare