Kritik an Meinerzhagen: "Am A... der Welt"

Piraten-Versammlung sorgt für "Shitstorm"

MEINERZHAGEN - Die Entscheidung des Landesvorstand der Piraten-Partei in NRW für Meinerzhagen als Veranstaltungsort der Aufstellungsversammlung am 26. und 27. Januar für die Bundestagswahlen 2013 hat zu einem regelrechten „Shitstorm“ im Internet geführt. Massenhafte Reaktionen der Empörung von Parteimitgliedern und Sympathisanten sind zu verzeichnen.

Von Horst vom Hofe 

 „Während auf hoher See bei Wind und Wetter gesegelt wird, bekommt man in NRW offenbar nasse Füße beim Gedanken an schlechtes Wetter“, wird im Netz hämisch ein Antrag zur „Neubewertung des Orts Meinerzhagen“ für die Versammlung im Januar kommentiert, der folgenden Wortlaut hat: „Meinerzhagen im Januar birgt die Gefahr, dass potentielle KandidatenInnen auf Grund der Wetter-/Verkehrslage nicht oder nicht rechtzeitig zur Vorstellung erscheinen könnten.“ Andere Piraten kommentieren es drastischer, sprechen im Zusammenhang mit dem Veranstaltungsort Meinerzhagen von „Pampa“ oder gar „A.. der Welt“.

„Alle Infos sind bei den Piraten grundsätzlich öffentlich, was gelegentlich dazu führt, dass man auch das ‘Gegrummel’ im Hintergrund öffentlich macht“, bewertet diese Form der Diskussion der Meinerzhagener Pirat Peter Szymanski gegenüber der MZ mit einiger Gelassenheit. An die Adresse der Kritiker gerichtet, stellt er fest: „Ihr könnt sicher sein, dass die Kritik im Vorfeld für uns Piraten im Märkischen Kreis ein Ansporn sein wird, eine noch bessere Veranstaltung zu machen.“

Der Landesvorstand der Piraten sah sich nach Einsetzen einer Welle von negativen Stimmen und Reaktionen zur Entscheidung für den Veranstaltungsort Meinerzhagen zu einer ausführlichen Rechtfertigung im Internet veranlasst. Gleichzeitig wurde durch einen neuerlichen Beschluss die Festlegung auf Meinerzhagen aber noch einmal ausdrücklich bekräftigt.

Das freut auch den Meinerzhagener Andreas Friebe, der als aktives Mitglied des Piraten-Stammtischs Märkischer Kreis vom Landesvorstand zugleich formell zum verantwortlichen Organisationsbeauftragten für die Großveranstaltung im Januar bestellt worden ist. „Das ist für uns natürlich eine große organisatorische und logistische Herausforderung. Aber wir werden alles tun, um einen reibungslosen Ablauf in jeder Weise zu gewährleisten“, kündigt er im Gespräch mit der MZ an.

Erwartet werden zum zweitägigen Aufstellungsparteitag der Kandidaten für die Bundestagswahl rund 700 Piraten aus ganz NRW. Da könnte es beispielsweise knapp mit Übernachtungsmöglichkeiten im Umkreis werden. „Wir haben deshalb die Jugendherberge mit ihren 140 Betten schon für diesen Termin blocken lassen“, so Andreas Friebe.

Ein weiteres technisches Problem, das gerade für eine Piraten-Veranstaltung allerhöchste Priorität hat, will man ebenfalls lösen: Der Zugang ins Internet soll durch Installieren einer entsprechenden Leitungskapazität in der Stadthalle Meinerzhagen für alle Teilnehmer sichergestellt werden. Derzeit werde mit dafür in Frage kommenden Telekommunikations-Anbietern verhandelt, informiert Andreas Friebe.

Der Landesvorstand der Piratenpartei hatte für den Aufstellungsparteitag eine offizielle Ausschreibung veröffentlicht. Bis zum Stichtag 30. September waren fünf Bewerbungen eingereicht worden – darunter auch die des Piraten-Stammtischs Märkischer Kreis für den Veranstaltungsort Stadthalle Meinerzhagen. Weitere Bewerbungen gingen ein für Bonn, Pulheim, Hennef und Hagen.

Nach offener Aussprache und Bewertung aller möglichen Kriterien fiel die Wahl des Landesvorstandes per einstimmigem Votum auf Meinerzhagen.

Begründet wird diese Entscheidung nach einsetzender geballter Kritik unter anderem wie folgt: „Die Kosten für die Halle waren für uns am attraktivsten und die Bewerber haben den Zeitraum eingehalten, in dem wir die Veranstaltung stattfinden lassen werden... Wir haben den Eindruck, dass das Meinerzhagener Team sehr engagiert ist und sich bereits gut um eure Bedenken gekümmert hat“.

Speziell zur vielfach aufgeworfenen Frage der Erreichbarkeit heißt es: „Wir haben schon gehört, dass sich viele von euch Sorgen machen, wie ihr die Halle erreicht. Auch die Veranstalter haben diese Bedenken mitbekommen und sich eine gute Lösung dafür überlegt: Es wird Linienbusse geben, die euch in Dortmund oder Köln einsammeln. So könnt ihr sicher sein, dass ihr ohne nasse Füße bis zur Halle kommt und auch die Rollstuhlfahrer unter Euch nicht an kleinen Bahnhöfen Probleme bekommen werden. Wir finden, das ist ein sehr gutes Angebot an Euch, zumal euch die Busse auch Abends wieder zurück fahren! Ihr werdet keine Probleme haben nach Hause zu kommen, denn von so großen Bahnhöfen fahren sicherlich auch Züge in Eure Richtung. Fakt ist also auch, ihr müsst nicht unbedingt mit dem Auto anreisen, weil ihr diesen tollen Service nutzen könnt. Im Schneechaos werdet ihr mit dem Auto nicht feststecken müssen.“

Andreas Friebe von den Märkischen Piraten ist überzeugt, dass am Ende auch alle jetzigen Bedenkenträger überzeugt werden können, „dass die Stadthalle Meinerzhagen ein geeigneter Standort für die wichtige Versammlung ist.“ Er freut sich zudem darüber, dass auch der Bundesvorstand der Piraten seine Präsenz für die aus Sicht der NRW-Piraten wegweisenden Tage in Meinerzhagen signalisiert hat

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