Der „weiße Tod“ reist mit Schiffen aus China an

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Ein Mitarbeiter des Landesbetriebes auf der Suche nach gesunden Eschen.

Meinerzhagen - Er kommt aus China und reist per Schiff oder Flugzeug. In Deutschland angekommen, beginnt er sein zerstörerisches Werk. Auch auf Meinerzhagener Stadtgebiet bringt er inzwischen den Tod.

Und dabei klingt der Name des Übeltäters eigentlich harmlos bis niedlich: „Falsches weißes Stengelbecherchen“. Hinter dieser Bezeichnung verbirgt sich ein Pilz, der einem Baum besonders übel mitspielt: der Esche.

Klaus Lomnitz, Leiter des Regionalforstamtes Kurkölnisches Sauerland, bringt die dramatische Situation des Laubbaumes mit einem Satz auf den Punkt: „Die Esche ist akut vom Aussterben bedroht.“ Dafür sorgt das weiße Stengelbecherchen, indem es den Wasserfluss von der Wurzel bis zur Krone unterbricht. Für den Landesbetrieb Wald und Holz NRW fasst Revierförster Michael Wessel die Situation so zusammen: „Es kommt zum typischen Eschentriebsterben. Ruhende Knospen schlagen unterhalb der abgestorbenen Äste büschelartig aus. Auf diese Weise wird versucht, die Blattverluste auszugleichen.“ Es fällt den Förstern somit nicht schwer, infizierte Bäume zu entdecken. Die buschigen Austriebe in den trockenen und stark ausgelichteten Wipfeln sind schon aus der Ferne zu erkennen. „Man sieht, dass die Bäume eine Sekundärkrone bilden“, erklärt Wessel dieses Abwehrverhalten und fügt hinzu: „Ein Kampf ums Überleben, bei dem der Pilz meist stärker ist.“

Besonders in Bachtälern ist die Esche laut Lomnitz in heimischen Gefilden vorzufinden. „Inzwischen sind die meisten Eschen vom weißen Stengelbecherchen befallen. Der Pilz ist mit Holzprodukten und pflanzlichem Material eingeschleppt worden. Zwar kontrolliert unser pflanzensanitärer Dienst die Importe auch aus China – alles zu entdecken, ist aber nicht möglich“, erläutert der Forstamtsleiter.

Angesichts der prekären Situation der Eschen ist es laut Landesbetrieb Wald und Holz nun die Aufgabe forstlichen Handelns, „unter den vielen kranken die unbeschadeten, augenscheinlich gesunden Bäume ausfindig zu machen“. „Wir sind auf der Suche nach den vitalen Eschen, denen es gelingt, dem Pilz zu trotzen“, berichtet Förster Wessel zuversichtlich und folgt damit den Empfehlungen der Schwerpunktaufgabe Waldschutzmanagement von Wald und Holz NRW. Finden, Markieren und Fördern resistenter Eschen in durchseuchten Beständen, lautet auch die Vorgabe des Leiters der Schwerpunktaufgabe Waldschutz Dr. Mathias Niesar, der schon seit Jahren die biotischen Gefahren des Waldes erforscht.

Zur Verjüngung geschwächter Bereiche werden jetzt die befallenen Bäume entnommen. Unter Nutzung des hohen Verjüngungspotenzials intakter Muttereschen soll deren Widerstandsfähigkeit auf die jungen Sämlinge übertragen werden. Wald und Holz: „Eine immune Nachkommenschaft ist erklärtes Ziel. Also was tun, wenn die Esche stirbt? Hilfe zur Selbsthilfe.“

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