Pilgern im Zeichen der Jakobsmuschel

Die Jakobsmuschel ist das Symbol der Pilger. Sie dient ganz praktisch als Trink- und Schöpfgefäß. - Foto: Beil

MEINERZHAGEN - Mehr als zwölf Millionen Fernsehzuschauer verfolgten am Sonntag und Montag die Verfilmung des Iny Lorentz-Romanes „Die Pilgerin“ im ZDF – darunter sicherlich auch viele Meinerzhagener. Was vielleicht nicht alle Volmestädter wissen: Eine der deutschen Teilstrecken des Jakobsweges, auf denen auch die Hauptfiguren der packenden Sendung zeitweise pilgerten, verläuft über Meinerzhagener Stadtgebiet.

Von Jürgen Beil

Der Valberter Ortsvorsteher Fred Oehm beschäftigt sich seit Jahren mit der so genannten Heidenstraße, die am Fuße des Ebbegebirges bei Spädinghausen entlangführt. Die Jakobsmuschel, Symbol der Pilger ins spanische Santiago de Compostela, ziert Bäume am Rand dieses Weges – so auch oberhalb von Spädinghausen. Die Heidenstraße selbst war jahrhundertelang allerdings kein reiner Pilgerweg. Truppen und Händler mit Fuhrwerken nutzten die für mittelalterliche Verhältnisse bestens ausgebaute Route ebenfalls.

„Die Heidenstraße hatte einst vergleichbare Aufgaben wie eine moderne Autobahn. Pferdegespanne, Kutschen und Soldaten zogen mit ihren Gerätschaften und Waren von West nach Ost oder entgegengesetzt. Dazu gesellten sich Pilger mit dem Ziel Köln“, weiß Fred Oehm. Hinweise auf diese Zeit gibt es laut Oehm auch heute noch: „Fuhrknechte kamen beispielsweise in der Valberter Hültekanne unter. Hier waren Messer und Gabeln aus Holz, Bier tranken die Gäste aus hölzernen Kannen. Die gaben der Herberge dann auch ihren Namen: Hültekanne.“

"Heidenstraße wie eine moderne Autobahn"

Wer heute Reste der Heidenstraße sucht, muss schon genau hinsehen und auf die Jakobsmuschel achten, die als Symbol zum Beispiel an Bäumen angebracht wurde. Bei Spädinghausen wurde ein Teil der Heidenstraße vor Jahrzehnten sogar asphaltiert. Dennoch lässt sich erkennen, dass der Straßenaufbau bereits vor Jahrhunderten genau durchdacht war: „Die Kronenbreite der gut erhaltenen Heidenstraße in Spädinghausen beträgt 14 Meter. Der Weg wurde so breit gebaut, dass Fuhrwerke, die sich an der kaum einzusehenden Gefällstrecke begegneten, ausweichen konnten. Und am Rand standen Galgen. Da Valbert damals eine eigenen Gerichtsbarkeit hatte, konnten dort Urteile vollstreckt werden. Die Gehängten dienten im Mittelalter auch dazu, Reisenden vor Augen zu führen, was ihnen bei Verfehlungen drohte“, erläutert Oehm.

Kapelle Grotewiese als Zwischenstation

Der Ortsvorsteher nimmt die Verfilmung der „Pilgerin“ und das große öffentliche Interesse an diesem Thema zum Anlass, auf eine ganz besondere Möglichkeit hinzuweisen, um mit Jakobspilgern in Kontakt zu kommen: „Ab März beginnt die neue Pilgersaison. Die Kapelle in Grotewiese werden dann wieder viele von ihnen als Zwischenstation nutzen und dort rasten. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass diese Menschen dann auch gern Auskunft über alle Themen geben, die mit dem Pilgern zu tun haben. Eine gute Gelegenheit, sich selbst ein Bild zu machen.“

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