British Proms Night wird zu einem denkwürdigen Abend

+
Die ist immer wieder ein gern gesehener Gast in Meinerzhagen. - Foto: Krumm

Meinerzhagen - Britischer Humor und britische Musik hielten am Donnerstagabend Einzug in der Stadthalle. Zu Gast war die Philharmonie Südwestfalen unter der Leitung ihres britischen Dirigenten Russell Harris. Das Programm umfasste auch jene Stücke des Finales der britischen Promenadenkonzerte, die mittlerweile nicht nur in Großbritannien Kultcharakter haben. Und so wurde aus der „Last Night of the Proms“ die „British Proms Night“, die ahnen ließ, warum das Original so eine großartige Veranstaltung ist.

Russell Harris, der auch als ganz vorzüglicher Moderator des Abends auftrat, erinnerte an die Geschichte dieser sommerlichen Konzertreihe, die Sir Henry Wood um 1890 für jene Zuhörer erfand, die nicht so viel Geld haben. Wer das Original noch nicht erleben durfte, bekam in der Stadthalle einen guten Einblick, was an diesen Konzerten anders ist als sonst. 

„Let yourself go, have a nice time“, forderte Harris die Besucher auf, und die ließen sich nicht lange bitten: Es wurde gesungen, gesummt und gepfiffen. „Rule Britannia, Britannia rule the Waves“, klang es durch die Stadthalle, doch der Dirigent war eben der Dirigent, und der war nicht zufrieden mit dem deutsch-britischen Patriotismus. Also arbeitete das Publikum an Thomas Arnes „Rule Britannia“ und bekam für das atemberaubende Tempo des Finalsatzes von Henry Woods „Fantasy on British Sea Songs“ „eine zweite Chance“.

Die koreanische Sopranistin Hye Jung Lee war gefragt bei Hubert Parry’s ergreifendem Lied „Jerusalem“, das ebenfalls zum Proms-Zyklus gehört. Spätestens bei Edward Elgar „Pomp & Circumstance“ war es dann Zeit, die verteilten britischen und deutschen Flaggen im Dienste des „Land of Hope & Glory“ zu schwenken.

Vor diesem grandiosen Finale hatte das munter, präzise und bei den Wiederholungen geduldig aufspielende Orchester einen Rundgang durch die klassische Musik von weiteren vier europäischen Ländern und einen Ausflug in die USA gemacht: Hye Jung Lee sang ergreifende Arien aus Gaetano Donizettis „Maria Stuart“, Luigi Arditis Lied „Il Bacio“ und ein tieftrauriges Werk von Giacomo Puccini: Sie wolle sterben, bekennt Lauretta am Ende ihrer Arie aus der Oper „Gianni Schicchi“. 

Das passte nicht so recht zu dem eher humorigen Abend, doch es war schön gesungen von Hye Jung Lee, deren Koloraturen bei Bedarf wahrhaft perlten. Kunigundes „Glitter and be Gay“ aus Leonard Bernsteins Komödien-Oper „Candide“ gab ihr Gelegenheit, auch den gesungenen Wahnsinn in die höchsten Lagen zu treiben. Spaß machte auch Nikolai Rimsky-Korsakoffs „Neapolitanisches Lied“, besser bekannt als „Funiculi Funicula“. 

Ein rhythmisch gar nicht so einfaches Stück, wie Russell Harris erklärte. Auch der Spanier Gerónimo Giménez sorgte für flotte Rhythmen und ließ die Kastagnetten klappern. Wäre Charles Gounods Ballettmusik nach Goethes Faust nicht mit im Programm gewesen, wäre es ein Kulturabend ohne deutsche Programm-Beteiligung geworden. Doch das tat dem Vergnügen an diesem denkwürdigen Abend keinen Abbruch.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare