Trotz der Pandemie

Pflegefachkraft - ein Traumberuf

Pascal Rüger, Christina Werschnitzky (Mitte) und Nadine Handke im Garten des Langemann-Hauses. Hier, so hoffen sie, sollten bald wieder gemeinsame Veranstaltungen stattfinden können – in großer Runde.
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Pascal Rüger, Christina Werschnitzky (Mitte) und Nadine Handke im Garten des Langemann-Hauses. Hier, so hoffen sie, sollten bald wieder gemeinsame Veranstaltungen stattfinden können – in großer Runde.

„Wir sind Menschen, keine Maschinen. Und ja, man nimmt den Job ein Stück weit auch mit nach Hause. In der Schule lernt man, das nicht zu tun. Aber das funktioniert wirklich nicht immer.“

Meinerzhagen – Christina Werschnitzky sagt das. Sie ist 39 Jahre alt und Pflegefachkraft. Die junge Frau arbeitet, genau wie Pascal Rüger (25) und Nadine Handke (32), als Pflegefachkraft im Wilhelm-Langemann-Haus an der Mühlenbergstraße. Alle drei sind sich einig: „Durch Corona sind wir als Team noch enger zusammengerückt. Und wir sind jeden Tag gerne zur Arbeit gekommen, auch in der harten Zeit der Pandemie.“

Tag der Pflege

An diesem Mittwoch ist internationaler Tag der Pflege. In diesem Jahr, dem zweiten, in dem das Corona-Virus weltweit grassiert, hat er eine noch größere Bedeutung. Nicht nur in Meinerzhagen, sondern weltweit leisten Pflegekräfte Schwerstarbeit, stoßen psychisch und physisch oft an ihre Grenzen. Nadine Handke denkt allerdings zuerst an die Senioren in der Einrichtung der Perthes-Stiftung, die sie durch diese schlimmen Zeiten begleitet: „Die größten Belastungen haben aber doch die Bewohner. Für sie war die Einsamkeit das Schlimmste. Ich habe sogar Sätze wie diesen gehört: ,Ich würde lieber am Virus sterben, als ganz alleine’. Das ist hart.“

Angst vor Ansteckungen?

In den schlimmsten Zeiten, als im November und Dezember bis zu 46 Covid-19-Infektionen bei Mitarbeitern beziehungsweise Bewohnern des Langemann-Hauses gezählt wurden, war die Wahrscheinlichkeit, sich selbst anzustecken, alles andere als gering. War die Angst vor Ansteckungen damals groß? „Die Leitung des Hauses hat auch in dieser Phase alles getan, um uns zu schützen. Da haben wir die Angst jeden Tag in den Hintergrund geschoben“, sagt Christina Werschnitzky. Und Nadine Handke ergänzt: „Ich bin nie zur Arbeit gegangen mit der Angst, mich anzustecken. Aber das alles hatte schon Folgen, auch für unser Privatleben. Damals habe ich bewusst auf Kontakte auch außerhalb des Hauses verzichtet, um nicht nur mich, sondern auch die Bewohner zu schützen. Ich habe meine Familie drei Monate nicht gesehen, aus Angst, das Virus zu übertragen.“ Der Satz, den die Pflegefachkraft dann sagt, ist erstaunlich: „Jetzt arbeite ich fast noch lieber als früher in meinem Beruf. Ans Aufgeben habe ich nie gedacht. Die Bindung zu den Bewohnern ist enger, sie bringen einem noch mehr Vertrauen entgegen.

Pflegen, zuhören, Zuwendung schenken. In der Pandemie schlüpften die Pflegerinnen und Pfleger auch in Rollen, die vorher eigentlich nicht zu ihren Kernkompetenzen gehörten: Sie alle mussten und müssen ein Stück weit die Familien der Senioren ersetzen. „Wir sind zu echten Bezugspersonen geworden“, bestätigen alle drei.

Arbeit ist intensiver geworden

Weil die Pflegefachkräfte noch enger als früher mit Bewohnern und deren Angehörigen zusammenarbeiten, ist die Arbeit intensiver geworden. Und ein wenig anspruchsvoller. „Die Bewohner haben sich in der Pandemie nur wenig verändert. Aber deren Familien sind teilweise skeptischer und ängstlicher. Das ist auch verständlich, denn durch das zeitweilige Besuchsverbot fehlte ihnen die Kontrolle, der Kontakt zu ihren Angehörigen im Haus“, berichten Christina Werschnitzky und Nadine Handke. Pascal Rüger fügt hinzu: „Wir erleben aber auch sehr viel Dankbarkeit.“

Impfungen nehmen Druck

Alle drei in der Einrichtung der Perthes-Stiftung angestellten Pflegefachkräfte sind inzwischen, wie viele Kolleginnen und Kollegen und fast alle Bewohner, zweimal gegen Covid-19 geimpft. Das hat viel Druck genommen. Dass es in Deutschland allerdings ein so aktives Lager der Impfgegner gibt, stößt bei den drei Pflegenden auf geringes bis gar kein Verständnis: „Für mich ist diese Haltung absolut unverständlich. Ich würde diese Leute gerne einmal mit zur Arbeit nehmen“, sagt Nadine Handke. Pascal Rüger denkt ähnlich: „Es ist nur schwer nachzuvollziehen, wie man auf solche Gedanken kommt, wie diese Leute. Dabei finde ich eine eigene Meinung zu Impfungen noch völlig okay, solange sich alle an die geltenden Regeln halten.“

„Viele Fakeseiten“

Nadine Handke bringt in diesem Zusammenhang eine persönliche Erfahrung ins Spiel: „Im Internet gibt es so viele Fakeseiten, die sich mit dem Thema Impfungen beschäftigen. Es ist schwierig, dagegen in Aufklärungsgesprächen anzukommen.“

Dass die Pandemie bisher spurlos an ihnen vorübergegangen ist, können alle drei Pflegefachkräfte nicht behaupten. Pascal Rüger hat festgestellt: „Man wird zur Persönlichkeit. Gerade unter den erschwerten Arbeitsbedingungen.“

Anspruchsvolle Ziele

Sie werden in ihrem Traumberuf weitermachen, das steht für alle drei fest. Und sie haben sich anspruchsvolle Ziele gesetzt: Christina Werschnitzky möchte Palliativ-Care-Fachkraft werden, Pascal Rüger Pflegedienstleiter und Nadine Handke will ihr Wissen als Mentorin an den pflegenden Nachwuchs weitergeben. Was sie dabei antreibt, beschreibt sie so: „Man schöpft Kraft aus dem Lächeln des Bewohners, wenn man morgens die Tür zu seinem Zimmer aufmacht.“

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