Altarstein aus Sankt Peter wird zum Friedhofsstein

Den Altarstein aus der profanierten Kirche St. Peter am See in Hunswinkel segnete Pfarrer Torsten Rehberg. Er ließ ihn dadurch zu einem Friedhofsstein werden. - Fotos: Goldbach

Meinerzhagen - Für die Katholiken ist das christliche Fest Allerheiligen etwas Besonderes. Vielfach gehen Familien geschlossen zu den Gräbern ihrer Angehörigen, deren Grabstätten sie vorher mit Kränzen und Lichtern geschmückt haben. Doch nicht nur an sie wird gedacht. Ebenso wird an alle Heiligen erinnert, auch solche, die nicht heilig gesprochen worden sind.

Schon im Lauf der ersten christlichen Jahrhunderte wurde es wegen der steigenden Zahl von Heiligen zunehmend unmöglich, jedes einzelnen Heiligen an einem besonderen Tag zu gedenken. Jährliche Gedenktage für Verstorbene gab es bereits im antiken Christentum.

In der Westkirche weihte Papst Bonifatius IV. am 13. Mai 609 oder 610 das heidnische römische Pantheon in Rom – das zuvor das Heiligtum der antiken Götterwelt war – der Jungfrau Maria und allen Märtyrern und ordnete eine jährliche Feier an, zunächst am Freitag nach Ostern. Papst Gregor III. weihte über hundert Jahre später eine Kapelle in der Basilika St. Peter allen Heiligen und legte daher für die Stadt Rom den Feiertag auf den 1. November.

Ende des 8. Jahrhunderts begann man an diesem Tag das Fest vor allem auch in Frankreich zu feiern, und der Termin verbreitete sich allmählich in der gesamten Westkirche, bis Papst Gregor IV. im Jahr 835 Allerheiligen für die gesamte Westkirche auf den 1. November festlegte.

Auch in Meinerzhagen wird diese Tradition gepflegt und viele Katholiken trafen sich am Sonntagnachmittag auf dem katholischen Friedhof.

Während sonst die Andacht am Kreuz des katholischen Friedhofes gehalten wurde, fand sie dieses Mal an einem anderen Ort statt. Inmitten der Gräber war in den vergangenen Tagen der Altarstein aus der 2011 profanierten Hunswinkler Kirche St. Peter am See aufgestellt worden. Der Bildhauer Joachim Esslinger hatte ihn auf Wunsch der katholischen Pfarrei bearbeitet und ergänzt.

„Was wir waren, seid ihr. Was wir sind, werdet ihr sein.“ Dieser Spruch aus der vorrömischen Zeit wurde noch um einen Satz ergänzt, der den Altarstein damit zu einem christlichen Friedhofsstein werden lässt: „Doch Gottes Liebe überwindet den Tod.“

In goldenen Buchstaben wurden die Worte „Gottes Liebe“ geschrieben. Sie sollen deutlich machen, dass diese Liebe etwas Besonderes ist und den Menschen hilft, zum ewigen Leben zu gelangen. So sind auch hinter dem Wort „überwindet“ drei Symbole eingefügt, eine Familie mit einem Neugeborenen, drei Kreuze auf einem Hügel und ein Durchgang, der den Übergang zum ewigen Leben symbolisieren soll.

„Was hinter dieser Tür ist, das wissen wird nicht“, beschrieb Pfarrer Torsten Rehberg das letzte Symbol – spekulieren mochte er darüber nicht.

„Allerheiligen ist ein Tag, an dem wir uns der Würde von uns Christen bewusst werden“, so Rehberg. „Etwas Besonderes ist, dass wir diesen Stein auf dem Friedhof haben und er auf den ersten Blick wie ein Grabstein aussieht. Dieser Stein erinnert jedoch nicht an einen Toten, er bringt aber die Gedanken aller Verstorbenen ins Wort. Er soll helfen, mit Gott Zwiesprache zu halten.“

Musikalisch umrahmt wurde die Andacht auf dem Friedhof von den Meinhardusmusikanten. Nach dem offiziellen Teil der Andacht segnete Pfarrer Torsten Rehberg auch Gräber der Verstorbenen, deren Angehörige das wünschten.

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