Verfechterin des Qualitätsjournalismus

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Petra Gerster, Hauptmoderatorin der heute-Nachrichten, gab in der Stadthalle einen Einblick in die Mechanismen der Medien und erläuterte unter anderem, nach welchen Kriterien die Auswahl der Meldungen erfolgt.

Meinerzhagen - Seriös, souverän und ein wenig unnahbar: So kennen die Zuschauer Petra Gerster als Hauptmoderatorin der heute-Nachrichten im ZDF – und so trat sie auch am Montagabend in der Stadthalle auf. Die Sparkasse Kierspe-Meinerzhagen hatte die mehrfach ausgezeichnete Journalistin eingeladen und wollte gemeinsam mit mehr als 230 Zuhörer wissen: „Werden wir richtig informiert?“ Die Antwort: Ja – und nein.

Von Frank Zacharias 

So vielfältig sich die Medienlandschaft gestaltet, so vielfältig ist auch das Nachrichtenangebot, auf das die Zuschauer, Zuhörer und Leser zurückgreifen können. Dass Gerster die Werte der öffentlich-rechtlichen Sender hoch hielt und bewarb, überraschte da kaum. Und doch konzentrierte sich die 59-Jährige weder auf Kritik an den privaten Mitbewerbern, noch übte sie sich in der Zuschauerschelte: Sie gewährte den Anwesenden viel mehr einen Blick hinter die Kulissen der Nachrichtenredakteure, die eigentlich eher „Schleusenwärter“ seien.

Denn: Wenn eine Neuigkeit es in die Fernsehnachrichten oder die Zeitung schafft, hat sie eine Vielzahl von Filterprozessen und Konferenzen hinter sich. Welche Kriterien in der heute-Redaktion Anwendung finden, welche Rolle der „Common Sense“ (Gemeinsinn) der Medien bei der Gewichtung der Nachrichten spielt und dass sich die Redakteure durchaus ihrer Rolle als Themensetzer (Stichwort „Agenda-Setting“) bewusst sind, all das zeigte Petra Gerster auch anhand von Fallbeispielen auf: Der Umgang mit Terrorakten der IS sei schwierig, aber eindeutig. „Natürlich fragen wir uns mit der Veröffentlichung von Nachrichten zu Enthauptungen, ob wir uns zum Büttel der Terroristen machen. Aber das Berichten ist unser Auftrag – nicht mehr und nicht weniger. Es ist nicht unser Auftrag, die Welt zu verbessern.“ Zudem würde die Welt durch die Online-Medien ohnehin von den Taten erfahren und eine Nichtberücksichtigung dieser Meldungen zu einem Vertrauensverlust bei den Zuschauern führen.

Als weitere Beispiele für einen zeitlich sich wandelnden und nicht immer sensiblen Umgang der Medien mit einzelnen Themen nannte Gerster die Fälle Edathy, Steinbrück und Wulff. „Das Thema Kindesmissbrauch war vor 1990 gar keines.“ Offenbar müsse die Zeit für einzelne Themen wie den Fall Edathy reif sein – dabei spiele womöglich auch die stärkere Rolle von Frauen in den Redaktionen eine Rolle.

Der Fall des Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück wiederum verrate viel über den aktuellen Drang vieler Medien zur schnellen Berichterstattung über Banalitäten (Vortragshonorare, „klare Ansagen“), die den genauen Blick auf die Ziele eines möglichen Kanzlers Steinbrück verdrängten. Dazu trage, dazu kam Petra Gerster später ebenfalls zu sprechen, auch die Konkurrenz im Online-Bereich bei. „Qualität braucht Zeit“, betonte die heute-Moderatorin. Der einstige Bundespräsident Christian Wulff wiederum sei sicher auch an sich selbst und nicht nur aufgrund der Medien gescheitert.

Petra Gerster gewährte einen intensiven Blick in den Redaktionsalltag und auf die Arbeit der „Schleusenwärter“, die tagtäglich auch in den Zeitungshäusern ihrer Arbeit nachgehen – in einem Umfeld, das aufgrund der Neuen Medien stetem Wandel unterworfen ist. Und so warb sie auch für Verständnis – etwa dafür, dass Medien vor allem über schlechte Entwicklungen berichten. „Werfen Sie uns das nicht vor. Denn nur so wird das Schlechte bekannt. Medien in Demokratien berichten hauptsächlich Negatives, Medien in Diktaturen hauptsächlich Positives.“

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