Freudenreich-Wahl zur Bürgermeister-Kandidatin: Reaktionen aus den Fraktionen

+
Petra Freudenreich stellte sich selbst und ihre politischen Schwerpunkte bei der SPD-Mitgliederversammlung im Awo-Treff vor.

Meinerzhagen - Petra Freudenreich will Bürgermeisterin in Meinerzhagen werden. Im Rahmen einer SPD-Mitgliederversammlung wurde sie am Donnerstag zur Kandidatin der heimischen Sozialdemokraten gewählt. Damit bekommt Amtsinhaber Jan Nesselrath (CDU) Konkurrenz.

Und was halten die Ratsfraktionen von der Entscheidung der heimischen SPD?

Als einen „normalen demokratischen Vorgang“ bezeichnete es Thorsten Stracke, Vorsitzender des CDU-Stadtverbandes und der CDU-Ratsfraktion, dass die SPD mit Petra Freudenreich eine eigene Kandidatin für die Bürgermeisterwahl aufstellt. Vor sechs Jahren war das noch anders, damals hatten die Sozialdemokraten Jan Nesselrath als gemeinsamen Kandidaten unterstützt. Die Hinweise, dass es bei der diesjährigen Wahl anders sein würde, hätten sich schon lange verdichtet. „Denkt man an die letzten Sitzungen im Rathaus zurück, wurde da schon der Vorwahlkampf eingeläutet“, so Stracke. Die Kandidatur der SPD-Ortsvereinsvorsitzenden habe ihn letztlich nicht überrascht. „Der Name ist schon gefallen“, sagte er zu möglichen Spekulationen. Ob Freudenreich die bessere Kandidatin für das Amt sei, „darüber sollen die Bürger entscheiden“, mochte sich Stracke nicht auf weitere Einschätzungen einlassen. „Wir sind der Meinung, wir haben die bessere Alternative“, sagte er. In den vergangenen sechs Jahren sei mit dem derzeitigen Amtsinhaber gute Arbeit geleistet worden. „Eigentlich sagt das ja auch Frau Freudenreich, wenn man sich ihre Bewertung der derzeitigen Situation in der Stadt anschaut.“ Stracke wies in seiner Stellungnahme darauf hin, dass „95 Prozent alle Beschlüsse im Rat“ einstimmig gefallen seien, was wenig Schlüsse für eine Alternative zum derzeitigen Bürgermeister zulassen würde. Es sei daher Aufgabe der SPD, zu erklären, warum sie einen eigenen Kandidaten aufstelle. „Die Demokratie lebt vom Wettbewerb.“

Karl Hardenacke, Sprecher von Bündnis 90/Die Grünen in Meinerzhagen, begrüßt grundsätzlich, dass es jetzt zwei Kandidaten für das Amt des Stadtoberhauptes gibt. Dass von der SPD mit Petra Freudenreich eine Frau nominiert wurde, findet er besonders gut. Die heimischen Grünen hätten auch selbst überlegt, eine Kandidatin oder einen Kandidaten ins Rennen zu schicken, erläutert er. „Uns war es wichtig, dabei keine Luftnummer aufzustellen, also eine Frau oder einen Mann, die oder der von Anfang an chancenlos gewesen wäre. Einen Kandidaten von außerhalb dafür zu gewinnen, das wäre möglich gewesen. Aber wir hätten uns lieber für jemanden aus den eigenen Reihen hier in Meinerzhagen entschieden. Letztlich haben wir dann aber doch darauf verzichtet“, sagt Hardenacke. Man werde jetzt Gespräche mit beiden Kandidaten führen, um Schnittmengen auszuloten. Von den ersten Schwerpunkten, die Petra Freudenreich in ihrer Rede am Donnerstag gesetzt hat, erfuhr Hardenacke durch den MZ-Artikel. „Dabei habe ich eines vermisst: die Klimapolitik. Aber auch das werden wir hinterfragen“, kündigt er an. Mit der Person Petra Freudenreich, so der Grünen-Politiker weiter, habe er, was die Sympathie angehe, überhaupt keine Probleme. Allerdings spiele für ihn die Ausrichtung nach Inhalten und nicht Sympathie die wichtigste Rolle. Zu den Chancen der Kandidatin ließ er sich nur so viel entlocken: „Man wird sehen.“

 „Zunächst einmal möchte ich Frau Freudenreich herzlich zu ihrer Wahl gratulieren“, sagt Christian Schön, Vorsitzender des FDP-Ortsverbandes Meinerzhagen. Die FDP Meinerzhagen begrüße die demokratische Vielfalt und die Wahlmöglichkeit für alle Bürgerinnen und Bürger der Stadt. Schön fügt hinzu: „Ich persönlich freue mich in jedem Fall auf einen interessanten und spannenden Wahlkampf nach der mit insgesamt sechs Jahren doch extrem langen Kommunalwahlperiode von 2014 bis 2020.“ Die Freien Demokraten aus der Volmestadt würden sich nun die Zeit nehmen und die neue Situation ausführlich beraten, um zu einer Aufstellung der eigenen Kandidaten für den Stadtrat und gegebenenfalls auch für das Amt des Bürgermeisters zu gelangen, fügt Schön hinzu. „Hierfür wird allerdings in jedem Fall unser Ortsparteitag im Februar abzuwarten sein“, kündigt er an.

Er könne es eigentlich mit einem Satz beantworten, entgegnete Raimo Benger, Fraktionsvorsitzender der Unabhängigen Wählergemeinschaft (UWG), als er nach seiner Einschätzung zur Kandidatur von Petra Freudenreich angesprochen wurde: „Wettbewerb belebt die Demokratie.“ Er freue sich, sagte der UWG-Vorsitzende weiter, dass es einen zweiten Kandidaten beziehungsweise eine Kandidatin für die Wahl gebe. Die UWG werde keinen eigenen Bewerber ins Rennen schicken, stellte er außerdem klar und gab einen Ausblick zur politischen Arbeit seiner Partei: „Wir werden im Rat weiterhin das Korrektiv sein.“ 

„Ich finde es gut, dass sich eine Frau für das Amt bewirbt“, lautete gestern die Reaktion von Susanne Follert, Fraktionssprecherin von Linke/Piraten. Petra Freudenreich sei kompetent. Wenn sie genügend Unterstützung bekomme, könne sie sich durchaus Chancen bei der Wahl am 13. September ausrechnen, so die Einschätzung Follerts. Bürgermeister Jan Nesselrath war am Freitag im Rathaus für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare