DLRG mahnt zur Vorsicht

Eine Talsperre ist kein Planschbecken

Mehr als 40 Leben konnten die Rettungsschwimmer der DLRG an der Lister schon retten, 2011 kam es jedoch zu einem Ertrinkungsunfall, der tödlich endete.
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Mehr als 40 Leben konnten die Rettungsschwimmer der DLRG an der Lister schon retten, 2011 kam es jedoch zu einem Ertrinkungsunfall, der tödlich endete.

„Wir haben schon einiges erlebt. Fünfjährige Kinder, die scheinbar allein auf einer Luftmatratze auf der Lister treiben und kleine Kinder, die offensichtlich unbeaufsichtigt im Wasser toben.“

Meinerzhagen – Peter Rogel ist Leiter der DLRG-Ortsgruppe Lüdenscheid. Die wiederum ist zuständig für den Rettungsdienst an der Listertalsperre. Stützpunkt an dem heimischen Gewässer ist die Station in Heiligenberg. Sobald das Wetter gut ist, schärfen die Frauen und Männer des Rettungsdienstes ihre Sinne. Denn: Aus Erfahrung wissen sie, dass es gerade an Talsperren schnell zu gefährlichen, sogar lebenbedrohlichen Situationen kommen kann. Und oft sind Kinder beteiligt.

Rettungsdienst an der Lister

In der Zeit zwischen Mai und September führt die DLRG Ortsgruppe Lüdenscheid an der Listertalsperre den Wasserrettungsdienst durch. Die Wachstation ist an jedem Wochenende Samstag von 14 bis 18 Uhr und Sonntag von 9 bis 18 besetzt. Und das aus gutem Grund: „Dann ist es oft so voll, dass man praktisch trockenen Fußes, von Luftmatratze zu Luftmatratze, über die Lister gehen kann. Und da kommt es nicht selten vor, dass wir die ein oder andere Person mit ihrer Schwimmhilfe mit unserem Boot wieder ans Ufer holen müssen“, berichtet Peter Rogel.

Talsperren sind keine Lehrschwimmbecken oder Planschbecken. Wer in den Stauseen badet, setzt sich einer gewissen Gefahr aus, das gilt besonders für unbeaufsichtigte Kinder. Peter Rogel: „Der Grund von Talsperren fällt an vielen Stellen auf einmal steil ab. Gerade kann ich noch stehen, schon bin ich über eine Abbruchkante in tieferes Gewässer gelangt. Da sollte der Betroffene dann schon gut schwimmen können. Es reicht nicht aus, nur die Bedingungen für das Seepferdchen-Abzeichen zu erfüllen. Ich sollte mich schon mindestens eine Viertelstunde schwimmend über Wasser halten und dabei eine Strecke von 200 Metern zurücklegen können, wie es das Schwimmabzeichen in Bronze fordert.“

Jahrgang ohne Schwimmkurse

Und gerade in diesem Punkt sieht Rogel durch die Pandemie und den Lockdown ein Problem auf Kinder, Eltern und die DLRG-Retter zukommen: „Wir haben jetzt einen Jahrgang, der ein Jahr ohne Schwimmkurse war. Und unsere Warteliste ist nun lang. In unserer Ortsgruppe stehen darauf zwischen 70 und 80 Kinder, die auf einen Kurs warten. Und das sieht anderswo sicherlich genauso aus.“

An die Eltern kann Rogel nur appellieren: „Bitte lassen Sie Ihren Nachwuchs an Talsperren wie der Lister nie aus den Augen, wenn sie ins Wasser gehen. Auch auf Luftmatratzen kann es gefährlich werden. Zwar gibt es in der Lister keine nennenswerten Strömungen, aber wenn der Wind auffrischt, beispielsweise wenn ein Gewitter aufzieht, ist man mit seiner Luftmatratze schneller weg, als man gucken kann.“ Außerdem fordert der DLRG-Retter: „Wenn Kinder mit ins Boot genommen werden, müssen sie unbedingt eine Rettungsweste anlegen. Das ist nicht immer so, wie wir selbst beobachtet haben.“ Es gebe sicherlich viele Erwachsene, die sorgfältig auf die Sicherheit ihrer jüngeren Begleiter achten würden, sagt Rogel. Dass bei allen das Bewusstsein für die Gefahren ausgeprägt ist, glaubt er aber nicht. „Das muss sich ändern“, fordert der DLRG-Funktionär.

Wasserpest kein großes Problem

Immerhin: Die Wasserpest, in der sich Schwimmer verfangen können und durch die es in der Lister schon zu gefährlichen Zwischenfällen gekommen ist, scheint momentan kein größeres Problem darzustellen. „Das Wachstum hält sich in Grenzen – und dennoch ist weiter Vorsicht geboten“, mahnt Peter Rogel.

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