Peter Regali: „Ich bin immer gern ein Pädagoge gewesen“

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Nach 32 Jahren Realschule wird Peter Regali in der kommenden Woche in den Ruhestand gehen. ▪

MEINERZHAGEN ▪ Da steht er in seinem Schulleiterbüro, hinter sich eine Bildcollage, die ihm kürzlich einige Schülerinnen und Schüler des aktuellen Entlassjahrgangs zur Erinnerung geschenkt haben.

Und er macht aus seiner zwiegespaltenen Gefühlslage keinen Hehl. In der kommenden Woche wird nun auch für ihn der wirklich allerletzte Schultag gekommen sein. Er ist am Ende einer langen Dienstfahrt angelangt, die ihn durch den nicht immer überschaubaren Dschungel deutscher Schul- und Bildungslandschaft geführt hat. Zuletzt saß er selbst mit am Steuer, trug fünf Jahre lang als Chef einer Schule mit rund 550 Schülerinnen und Schülern und einem 32-köpfigen Kollegium Verantwortung. „Da waren vor allem Manager-Qualitäten gefragt“, erklärt er und macht keinen Hehl daraus, dass ihm seine eigentliche Arbeit als Pädagoge bis zuletzt sehr viel mehr bedeutet hat.

Peter Regali, der Leiter der Städtischen Realschule Meinerzhagen, wird mit einer vom Kollegium unter Mitwirkung von Schüler- und Elternschaft für ihn vorbereiteten Abschiedsfeier am kommenden Mittwoch offiziell in den Ruhestand verabschiedet.

Er geht mit der Gewissheit, eine gute aufgestellte, in der öffentlichen Wahrnehmung bestens akzeptierte und geschätzte Schule zu verlassen. „Das war immer auch meine Schule“, betont er und unterstreicht damit seine von Engagement und Leidenschaft geprägte Berufsauffassung in nun insgesamt 32 Jahren an der SRM. Was er sich dabei gewünscht hätte, was aber übergeordnete und auch dem wechselnden politischen Willen anheim gestellte Zuständigkeiten nicht ermöglichten, wäre deutlich mehr Kontinuität und Verlässlichkeit hinsichtlich der vorgegebenen Rahmenbedingungen gewesen. Die Realität sah und sieht ganz anders aus: „Reformen und Veränderungen hat es nahezu im Jahrestakt gegeben“, erinnert er. Und mit der gerade auf den Weg gebrachten gravierenden Veränderung der bislang dreigliedrigen Meinerzhagener Schullandschaft durch die geplante Einführung einer Sekundarschule geht für ihn persönlich auch ein schmerzlicher Verlust einher. „Die städtische Realschule, wie wir sie alle gekannt und geschätzt haben, wird es dann nicht mehr geben und das ist sehr schade“, macht er aus einem Herzen keine Mördergrube.

Peter Regali hatte sich aus voller Überzeugung für die Schulform Realschule entschieden, als er 1981 von der Gesamtschule Kierspe zur städtischen Realschule in Meinerzhagen wechselte.

Geboren am 12. November 1948 in Bockum-Hövel, einer damals vom Bergbau geprägten Stadt, heute zu Hamm gehörig. Der Vater war hier tätig, allerdings „über Tage“. Berufsbedingt zog die Familie ins benachbarte Waltrop, wo Peter Regali zunächst die Volks-, danach die Realschule besuchte. Nach dem mittleren Abschluss erfüllte er die Voraussetzungen, um ans mathematisch-naturwissenschaftliche Einstein-Gymnasium im Dortmunder Norden zu wechseln und hier 1967 das Abitur ablegen zu können.

Nach dem Grundwehrdienst bei der Bundeswehr nahm Regali ein Studium für das Lehramt an Realschulen in Dortmund mit den Fächern Mathematik, Sport und Englisch auf. Als Referendar kam er 1973 zur vier Jahre zuvor neu eingerichteten Gesamtschule Kierspe und wurde hier mit seiner Frau und der Familie, zu der die heute 33-jährige Tochter und der 30-jährige Sohn gehören, auch heimisch.

Nach dem zweiten Staatsexamen blieb Regali zunächst an dieser Schule, begleitete einen Jahrgang bis zur Schulentlassung und wechselte 1981 zur Realschule in der Nachbarstadt Meinerzhagen. Die wurde seinerzeit noch von Willi Müller geleitet. Walter Haverkamp war dessen Stellvertreter. Und nach seinem Ausscheiden aus dem Schuldienst übernahm Peter Regali 1995 die Funktion des stellvertretenden Schulleiters. Als 2007 Albrecht Renner als Schulleiter in den Ruhestand ging, entschied sich die Schulkonferenz nach vorheriger Stellenausschreibung dann einmütig für Peter Regali als dessen Nachfolger.

„Mir hat immer sehr die Stärkung und Hebung des Niveaus der Schule am Herzen gelegen“, betont Regali in der Rückschau. Und so hat er aktiv an zahlreichen Neuerungen und Verbesserungen im schulischen Angebot mitgewirkt. Die Einrichtung eines bilingualen Zweigs (durchgehend deutsch-englischer Unterricht in allen Fächern) gehörte ebenso dazu wie die Kontaktpflege zur heimischen Wirtschaft mit zielgerichteter Hinführung der Schülerschaft in die Berufswelt. So wurde 2008 ein Kooperationsvertrag mit dem größten heimischen Arbeitgeber, den Metallwerken Otto Fuchs, abgeschlossen, der zur beiderseitigen Zufriedenheit bis heute erfolgreich mit den unterschiedlichsten Projekten und Angeboten mit Leben erfüllt wird. Auch das soziale Engagement der Schülerschaft wurde geweckt – über ein 2005 nach einem Auslandsaufenthalt in dem afrikanischen Entwicklungsland Ghana ins Leben gerufenes Hilfsprojekt zur Unterstützung einer dortigen Oberschule. Und noch eines war und ist dem scheidenden Schulleiter bis heute wichtig: Die Förderung und Pflege der sozialen Grundkompetenzen im Umgang zwischen Schülerschaft, Lehrerkollegium und den Eltern – kurz gesagt: „Ein guter Ton!“

Was sich Regali für die Zukunft an der Schule wünscht, „wäre mehr Ruhe und mehr Stetigkeit für den Schulalltag“, so wörtlich. Schließlich seien Kinder keine „Versuchskaninchen“, unterstreicht er. Für ihn selbst geht jetzt eine überaus wechselvolle, sehr spannende und letztlich aber immer auch durch positive Rückmeldungen befriedigende, schöne Zeit an der Realschule Meinerzhagen zu Ende. Da wird es mehr Zeit fürs Reisen geben, für das Engagement im Partnerschaftsausschuss der Stadt Kierspe und viele Dinge mehr, für die der stressige Job eines Schulleiters am Ende kaum noch Zeit und Muße finden ließ. ▪ -fe

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