Paukenschlag: Awo zieht sich aus OGS zurück

+
Die Arbeiterwohlfahrt hat sich nicht an der Ausschreibung zur Offenen Ganztagsschule in Meinerzhagen beteiligt.

Meinerzhagen - Überraschende Wendung in der Diskussion um den Offenen Ganztag in Meinerzhagen: Der Unterbezirk Hagen-Märkischer Kreis der Arbeiterwohlfahrt teilte am Dienstag mit, sich als Träger des Ganztags ab Sommer 2020 nicht beworben zu haben.

Die offene Ganztagsbetreuung in Meinerzhagen ist seit Jahren eng mit der Arbeiterwohlfahrt verbunden: Sie ist es, die den Betrieb in den Grundschulen Auf der Wahr, am Kohlberg und in Valbert seit Jahren sichert, Personal zur Verfügung stellt. Doch die Ergebnisse des Arbeitskreises, der im vergangenen Jahr die Grundlagen für eine Neuausschreibung der Trägerschaft schuf, stoßen bei der Awo-Geschäftsführung auf große Kritik, wie am Dienstag in einer Stellungnahme deutlich wurde. 

Zwar habe man im April 2019 eine Neuausschreibung und die Anpassung der Qualitätsstandards in Meinerzhagen begrüßt. Doch sei man bei der Überprüfung der Ausschreibung zu dem Ergebnis gekommen, dass diese dem Anspruch der Awo – mit Blick auf Umfang und Qualität der Betreuung – nicht entspreche. 

„Die hinterlegten Personalschlüssel und Qualifikationen liegen unter den pädagogischen Mindeststandards der Arbeiterwohlfahrt“, heißt es in einer Pressemitteilung, die Awo-Unterbezirks-Geschäftsführerin Birgit Buchholz und ihr Stellvertreter Johannes Anft unterzeichnet haben. Auch die in der Ausschreibung angebotene Finanzierung sei „nicht auskömmlich“. 

Awo: Finanzierung "nicht nachvollziehbar"

„Der Hinweis der Stadt, dass sich der kommunale Anteil der OGS-Finanzierung zukünftig haushaltsabhängig auch noch verringern könnte, ist angesichts der angekündigten Bundesmittel für Ganztagsbetreuung in der Grundschule auch nicht nachvollziehbar und lässt eine Trägerschaft mit gesamter Personalverantwortung zusätzlich viel zu risikoreich erscheinen“, betonen Buchholz und Anft. Daher habe man sich an der Ausschreibung, deren Frist am Dienstagvormittag um 10 Uhr endete, nicht beteiligt. 

Zuletzt hatte es in der Ratssitzung am 2. Dezember eine Debatte um die künftige Ausrichtung des Ganztags gegeben. SPD-Fraktionsvorsitzender Rolf Puschkarsky kritisierte die Ergebnisse des Arbeitskreises und musste seinerseits heftige Kritik für sein „Manöver“ (Thorsten Stracke, CDU) einstecken. Zuvor hatte der Arbeitskreis auch im Beisein von Petra Freudenreich, Vorsitzende und Bürgermeisterkandidatin der SPD Meinerzhagen, getagt. Die von Puschkarsky genannten Kritikpunkte treffen aber auch den Kern der Awo-Stellungnahme. 

Für die 23 Mitarbeiter, die derzeit für die OGS-Standorte in Meinerzhagen aktiv sind, erhofft sich die Awo-Geschäftsführung eine Übernahme durch den neuen Träger. Zudem habe man Bürgermeister Jan Nesselrath, der ebenfalls am Dienstag vom Verzicht der Awo erfahren haben soll, zugesagt, dass man den Mitarbeiterinnen möglichst einen anderen Arbeitsplatz im Awo-Verband anbieten wolle.

Bürgermeister "nicht überrascht"

Grund zur Panik besteht bei der Stadtverwaltung aufgrund der Awo-Absage aber nicht. Bürgermeister Jan Nesselrath (CDU) zeigte sich im Gespräch mit der MZ „nicht überrascht“ von der Mitteilung aus Iserlohn. „Diese Möglichkeit wurde mir schon vor einiger Zeit angekündigt“, sagte das Stadtoberhaupt auf Anfrage der Redaktion. 

Kommentieren wollte er die Absage der Arbeiterwohlfahrt, weiterhin als OGS-Träger zu fungieren, nicht. „Dieser Entscheidung liegen interne Gründe zugrunde, die ich nicht bewerten kann“, sagte Nesselrath, der besorgten Eltern aber eine für sie gute Nachricht überbringen konnte: Auch ohne Awo lägen der Stadt mehrere Bewerbungen potenzieller neuer OGS-Träger vor.

„Dieses Signal, dass der Ganztagsbetrieb auch künftig gesichert ist, ist mir ganz wichtig“, betonte der Bürgermeister, der auch die Ergebnisse des Arbeitskreises lobte. Dessen Beschlüsse zur finanziellen Ausstattung würden offenbar noch genügend andere Träger für auskömmlich genug halten, um sich zu bewerben, erklärte Nesselrath. 

Für alle Zukunft verabschieden möchte sich die Arbeiterwohlfahrt aber nicht: Bei zukünftigen Änderungen der Förderbedingungen des Offenen Ganztags in Meinerzhagen stehe man durchaus weiterhin als Träger zur Verfügung, heißt es abschließend in dem Schreiben des Unterbezirks Hagen-Märkischer Kreis.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare