Patientenverfügung aus christlicher Sicht

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Mit einem Präsent bedankte sich Rolf Puschkarsky bei Sigrid Hille-Majoress für einen informativen und zum Nachdenken angeregten Vortrag. ▪

MEINERZHAGEN ▪ Seit Ende der 1970er Jahre erlangte auch in Deutschland die Patientenverfügung immer mehr an Bedeutung. Mit ihr dokumentiert der Einzelne seinen Willen für den Fall, das er sich nicht mehr äußern und sein Selbstbestimmungsrecht in Gesundheitsangelegenheiten nicht mehr wirksam ausüben kann.

Die Kirchen haben eine Patientenverfügung entwickelt, die sich in besonderem Maße dem christlichen Glauben verpflichtet weiß, denn in den letzten 20 bis 30 Jahren hat sich das Rettungswesen und die Medizin rasant weiter entwickelt. Die Möglichkeiten bei Operationen konnten erweitert werden, punktgenau könne auch im Bereich der Chemo- und Strahlentherapie verfahren werden. Nach Reanimationsmaßnahmen müssen die Patienten oft mit Behinderungen weiterleben. Wie schwierig es für die Angehörigen ist, Entscheidungen zu treffen, darüber informierte die Theologin Sigrid Hülle-Majoress in ihrem Vortrag am Dienstag im Bürgerzentrum „Mittendrin“. Rolf Puschkarsky begrüßte dazu rund 20 interessierte Besucher.

Sigrid Hülle-Majoress arbeitet seit 22 Jahren als Krankenhausseelsorgerin am Plettenberger Krankenhaus. Anhand der Christlichen Patientenverfügung, die mit Vorsorgevollmacht und Betreuungsverfügung ausgestattet ist und von der deutschen Bischofskonferenz und des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland in Verbindung mit den weiteren Mitglieds- und Gastkirchen der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in Deutschland herausgegeben wurde, erläuterte die Referentin die Vorgehensweise. Mit Hilfe einer Patientenverfügung kann jeder schon jetzt bestimmen, welche medizinischen Verfahren angewendet werden sollen und damit den Verlauf seiner letzten Lebensphase mitbestimmen. So könne jeder dafür sorgen, dass in der letzten Phase seines Lebens die eigenen Vorstellungen und der Wunsch nach menschenwürdiger und körperlich erträglicher medizinischer Behandlung und qualifizierte Pflege entsprochen wird.

Im ersten Teil ihres Vortrages informierte sie die Zuhörerinnen und Zuhörer über die rechtlichen Voraussetzungen. An einem Fallbeispiel zeigte sie auf, wie schwierig die Rechtslage oft ist, wenn Angehörige bei der ärztlichen Behandlung den Willen des Patienten durchsetzen wollten. Erst ein Urteil, das der Bundesgerichtshof 2009 fällte, sorgte dann aber für Rechtssicherheit. Da wurde entschieden, dass sich ein Arzt an die Patientenverfügung halten muss. „Wenn Sie ihren Kindern einen Gefallen tun möchten, dann legen Sie fest, was Sie möchten“, riet die Theologin den Anwesenden. Solange die Menschen bei klarem Verstand sind, sei ja alles kein Problem. Die Patientenverfügung tritt jedoch dann ein, wenn man dazu nicht mehr in der Lage ist. Wenn keine Patientenverfügung vorliegt, sei die Ermittlung des Willens eines Betroffenen sehr schwer. Doch mit einer Patientenverfügung kann der eigenen Wille durchgesetzt werden. Wie im Besonderen mit der Christlichen Patientenverfügung zu verfahren ist und wo ein Exemplar für eine Vertrauensperson zu hinterlegen ist, darüber erhielten die Anwesenden wertvolle Tipps. ▪ bel

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