Der Pastor ein Lügner und Hurenbock?

Hoch her ging es in früheren Zeiten im Ebbedorf Valbert. Da wurde sogar in der Kirche geprügelt.

VALBERT ▪ Spannende Einblicke in bewegte Geschichte. Die Geschichtswerkstatt des Heimatvereins Valbert befasste sich mit „Valberter Köpfen“. Der Pastor ein Lügner und Hurenbock?

„Wenn ein Mensch stirbt, verbrennt eine ganze Bibliothek.“ Mit diesen Worten und dem dringenden Appell, vor allem an die älteren Valberter Bürger, ihre Erinnerungen in schriftlicher Form festzuhalten, begrüßte der Vorsitzende des Heimatvereins, Christian Voswinkel, kürzlich die Gäste der Geschichtswerkstatt, die diesmal in der „Hültekanne“ geöffnet war. „Valberter Köpfe“ standen diesmal im Mittelpunkt, und im Laufe der Veranstaltung, bei der bekannte und bedeutende Altvordere des Ebbedorfes vorgestellt wurden, zeigte sich, wie wahr diese Worte sind. Denn die spannenden Geschichten über die, die annodazumal in Valbert lebten und wirkten, ließen trotz der noch vorhandenen Dokumente und Bilder, die Voswinkel zusammengetragen hatte, immer wieder interessante Fragen unbeantwortet.

War der Pastor Gottlieb Glaser wirklich ein Schelm, ein Lügner und ein Hurenbock mit unehelichen Kindern, wie es um 1743 von Johann-Peter Plate behauptet wurde? Plate kam aus Herberg, wo die Familie ein Anwesen, das zum Kloster Drolshagen gehörte, gepachtet hatte. Er war für die Armenkasse zuständig und bekannt dafür, aufbrausend und jähzornig zu sein und kein Blatt vor dem Mund zu nehmen. Als Nachfolger von Pastor Westhoff hätte er sich dessen Sohn Theodor gewünscht. Als stattdessen Gottlieb Glaser diesen Posten bekam, kam es schon bei der Antrittspredigt in der Kirche zum Eklat, als Plate seinem Zorn mit deutlichen Worten, begleitet von Stockschlägen auf die Kirchbank, Luft machte und dem „Pfaffen“ die Stirn bot. In der Folge lieferten sich die rivalisierenden Parteien häufiger Schlägereien in der Kirche, der Pastor wurde vom Altar gerissen, seine Habe geplündert und Tote, darunter auch ein Kind Plates, ohne kirchlichen Beistand begraben. Auch sonst ließ der Herberger kein gutes Haar an dem neuen Mann, der ihn schließlich beim Meinerzhagener Richter Wever anzeigte. Der jedoch hatte keinen Zugriff auf Plate, da der der Gerichtsbarkeit des Erzbischofs, wahrgenommen von Richter Joanvahrs in Attendorn, unterstand. Wever wartete, bis Plate sich auf das Territorium der Grafen von der Mark begab und ließ ihn von Schützenoberst Johann-Peter Alte festnehmen und nach Meinerzhagen schaffen, wo er im „Schichtdienst“ von Valberter Schützen bewacht wurde, bis ihm die Flucht gelang. Erst als Theodor Westhoff als Vikar nach Bochum ging, beruhigte sich die Lage.

Einen schweren Stand hatte auch der Pastor Anton Junker, der um 1607 im Zuge der Gegenreformation, die immer wieder zu Hauen und Stechen führte, unter der wiederholten Verfolgung und Anschuldigung durch Johann Pelkenius, Mönch und geistlicher Kommissar des Kölschlandes in Attendorn, zu leiden hatte, der sich durch besonderen Fanatismus und Intolerlanz auszeichnete. Valbert war übrigens die erste Gemeinde, die sich schon 1550 geschlossen zu den 1517 veröffentlichten Thesen der Reformation bekannte. Kierspe folgte 1568, Meinerzhagen erst 1573.

Nur 40 Jahre alt wurde Friedrich Hase, Sohn eines Reidemeisters aus Mühlhofe. Der Vater ermöglichte ihm den Besuch einer weiterführenden Schule in Dortmund. Anschließend studierte er die Jurisprudenz in Helmstedt und anschließend in Basel, wo er 1589 promovierte und unterrichtete. 1592 ging er als Professor zurück nach Helmstedt, wo er in jedem Jahr ein Buch mit juristischen Abhandlungen veröffentlichte, bis er 1599 an der Ruhr erkrankte und starb.

Rund 200 Jahr später veröffentlichte Simon Peter Turck aus Elminghausen ebenfalls ein Büchlein, in dem er die Ursachen der Armut beleuchtete und Anregungen gab, wie der Wohlstand wiederherzustellen sei. Truck entstammte einer Familie, die über erheblichen Landbesitz mit mehreren Gütern verfügte, und war außerdem als Besitzer zahlreicher Hammerwerke der größte Arbeitgeber und auch Wohltäter der Region. Er hatte in Köln und Mühlheim studiert und war „Mitglied auswärtiger Gesellschaften“. „Verheiratet eure Kinder nicht zu früh. Lasst sie bei auswärtigen Handwerkern lernen, damit sie ihr Wissen und Können anschließend in ihrer Heimat zum Wohle der Allgemeinheit einsetzen können. Ihr habt zuviele Kühe für eure mageren Weiden. Freilaufende Ziegen schaden durch ihren Verbiss dem Baumbestand.“ Diese praktischen Ratschläge finden sich neben dem Hinweis auf Tonvorkommen bei Blomberg, die zum Pfeifenbau geeignet wären oder auf ein stillliegendes Schieferbergwerk, das erneut in Betrieb genommen werden könnte.

1809 wurde der Besitz von Simon Peter Truck versteigert. Auch die Gründe dafür verlieren sich leider in der unbekannten Vergangenheit.

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