Ein bewegender Abschied

Nach fünfzehnjähriger Tätigkeit wurde Pastor Friedrich Tometten am Sonntag von der Gemeinde verabschiedet.

MEINERZHAGEN ▪ „Obwohl wir wissen, dass du dich auf die Aufgabe freust, die vor dir liegt“, begann Pfarrer Klaus Kemper-Kohlhase den Abschiedsgottesdienst für Pfarrer Friedrich Tometten. „Von hier aus gehst du nach Wuppertal und nach Indonesien, deinem zukünftigen Aufgabengebiet.“

Schon mit diesen Worten deutete sich an, dass es ein bewegender und emotionaler Abschied von Friedrich Tometten werden würde – nicht nur von seiner Gemeinde, seinen engsten Mitarbeitern, auch von seinen Kollegen.

Da sang der Kirchenchor, Andreas Koch spielte auf seiner Gitarre und die Musikgruppe „Gottesdienst mal anders“ gestaltete mit Friedrich Tometten mittendrin den Abschiedsgottesdienst.

„Vor 15 unvorstellbar langen Jahre wurde ich in dieser Kirche eingeführt“, begann Friedrich Tometten seine letzte Predigt in der Johanneskirche. „Der Spruch, der mir mit auf den Weg gegeben wurde, war damals: ‘Wisst ihr nicht, dass die, die in der Kampfbahn laufen, alle laufen, aber einer empfängt den Siegespreis’. Er stammt aus dem Buch der Korinther.“ Es war ein sportlicher Text, der besser zu einem Trainingsanzug, als zu einem Talar passte. Dennoch hatte er Tometten viel mitgegeben. „Dieser Satz sagte mir, dass ich im Training zu bleiben habe. Nur wer trainiert, kommt nicht aus der Übung. Ich kann ohne Übung das Beten verlernen, das Bibel lesen oder den vertrauten Umgang mit Gott.“

Sportlich blieb Friedrich Tometten aber nicht nur im übertragenen Sinn des Wortes. „15tausend Kilometer bin ich in diesen 15 Jahren durch die Gemeinde hindurchgeradelt“, erinnerte sich Tometten. „Und jetzt, nach all diesen Jahren begann ich mein Büro aufräumen. Beim Aufräumen fielen mir meine vielen Kalender in die Hand, die wollte ich erst entsorgen. Doch einige tausend Termine stehen in ihnen, auch viele von ihnen sind darunter und so hatte ich plötzlich nicht mehr das Bedürfnis, die Kalender wegzuwerfen.“

Viel ist gewachsen, in diesen letzten Jahren und Tometten tut es auch weh zu sehen. „Es gibt auch Dinge, für die ich mich schäme, die nicht so gelaufen sind, wie ich sie mir gewünscht hätte. Doch es gibt auch Dinge, an die ich gerne denke“, erinnerte sich Tometten. Es ist zum Beispiel den Tauschring, der ihm dabei einfällt, der Kreis der Trost spendenden oder das Entzünden von Kerzen für andere in einem Zeltlager.

Einen anderen Blick auf das Leben von Friedrich Tometten, warf Superintendent Klaus Majoress. Er hob heraus, dass Friedrich Tometten nach vier Semestern Studium der Theologie in Tübingen, zwei Semestern in Göttingen auch zwei Semester an der päpstlichen Hochschule in Rom studiert hatte. Nebenbei finanzierte er sich sein Studium als Geiger in einem Opernorchester und ging mit ihm sogar auf Konzertreisen. „Entpflichten“ nannten sich nun das, was Superintendent Klaus Majoress mit Pfarrer Friedrich Tometten an der Hand seiner Ehefrau Bärbel über sich ergehen lassen musste. Majoress segnete beide, dankte ihnen für ihre Arbeit vor Ort und gab beiden Gottes Segen auf den weiteren Lebensweg mit. Mit dem „Irischen Segensgruß“ verabschiedete sich dann der Musikreis „Gottesdienst mal anders“ von ihm, nahm ihn an die Hand und ließ den Gefühlen freien Lauf.

Viele Worte wurden auf dem anschließenden Kirchencafe noch gesprochen. Bürgermeister Erhard Pierlings gab ihm gute Wünsche sowie ein Buch über die bergischen und märkischen Gemeinsamkeiten mit auf seinen weiteren Lebensweg. Kindergartenleiterin Sylvia Wiesner überreichte ihm einen Apfelkern und einen Apfelbaum in der Hoffnung, dass beides mit seiner Pflege wachsen werde. Pfarrer Peter Wilhelm Keinecke schenkte Friedrich Tometten die Osterkerze der katholischen Gemeinde des letzten Jahres und Pfarrer Detlef Kühne überreichte ihm einen Kirchenroman „Acht Verse für ein Halleluja“ zum entspannen.

Viele Hände hatten Bärbel und Friedrich Tometten an diesem Nachmittag noch zu schütteln, und viele Menschen nahmen sie zum Abschied in den Arm. Für viele Meinerzhagener aber auch für die Familie Tometten war das ein Lebensabschnitt, der sie bereichert hatte und den sie noch lange in Erinnerung behalten werden.

Gertrud Goldbach

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