Otto Fuchs trennt sich von bisherigem Partner

Otto Fuchs in Meinerzhagen ist weltweit einer der führenden Hersteller von Rädern.

MEINERZHAGEN ▪ Otto Fuchs übernimmt Standort Ungarn komplett. Bisheriges Joint-venture mit US-Unternehmen Superior beendet. Die Leichtradfertigung soll künftig vollständig im Betrieb in Tatabanya erfolgen.

Die Meinerzhagener Otto Fuchs KG hat das bisherige Joint-venture-Unternehmen in Ungarn zu ihrer hundertprozentigen Tochterfirma gemacht. Das bestätigte jetzt ein Firmensprecher. Die Suoftec Light Metals Production und Distribution Kft. mit Sitz in Tatabanya war 1995 gemeinsam mit dem börsennotierten US-amerikanischen Unternehmen Superior Industry Inc. (Van Nuys/Kalifornien) gegründet worden. Beide Partner hielten bislang jeweils 50 Prozent der Geschäftsanteile.

Im Zuge dieser Veränderung will Otto Fuchs die zurzeit noch in Meinerzhagen laufende Leichtrad-Fertigung verlagern und künftig am Standort Ungarn konzentrieren. Diese Maßnahme wird zwar in der Abteilung B 8 den Fortfall von Arbeitsplätzen zur Folge haben. Es kommt gleichwohl nicht zu Kündigungen. Die betroffenen Mitarbeiter können dank der aktuell guten Auftragslage in andere Betriebsabteilungen umgesetzt werden. Im Rahmen einer Abteilungsversammlung wurden die betroffenen Mitarbeiter am Dienstag über die Planungen informiert.

Betriebsrat zeigt Verständnis für die Maßnahme

Namens des Betriebsrates signalisierte dessen Vorsitzender Alfred Kreikebaum Verständnis für die strategische Neuausrichtung, durch die sich Otto Fuchs seine Marktposition in einem hart umkämpften Marktsegment sichern wolle. Man vertraue auf die Aussage der Unternehmensleitung, dass dadurch in Meinerzhagen keine Stammarbeitsplätze bedroht sein werden. Man werde die weiteren Umsetzungsmaßnahmen mit positivem Interesse begleiten, erklärte Kreikebaum gestern auch gegenüber unserer Zeitung.

Ziel der Joint-venture-Gründung in Ungarn war es seinerzeit, gemeinsam sowohl geschmiedete als auch gegossene Aluminiumräder für den europäischen Fahrzeugmarkt zu produzieren. Otto Fuchs hat mit Wirkung zum 1. Juli die Gesellschaftsanteile des amerikanischen Partners übernommen und wird das Unternehmen in Ungarn zukünftig unter dem Namen Otto Fuchs Hungary Kft. alleine weiter führen. Da die Marktbearbeitung auch bisher durch Otto Fuchs erfolgt war, ändert sich für die Kunden nichts.

Otto Fuchs brachte Mitte der 1990er Jahre das so genannte Schmiedeleichtrad auf den Markt, eine neue Rädergeneration, die als Basisausstattung in einem vereinfachten Herstellungsverfahren auch heute noch in hohen Stückzahlen für die verschiedensten Fahrzeugmodelle der großen Automobilfirmen produziert wird.

Wegen des in diesem Niedrigpreissegment herrschenden Wettbewerbs und zur Schaffung zusätzlicher Kapazitäten für die weltweite Nachfrage nach Leichtmetallrädern entschloss sich Otto Fuchs in den 1990er Jahren, zusammen mit dem US-amerikanischen Hersteller von gegossenen Leichtmetallrädern, Superior Industries Inc., Van Nuys, Kalifornien, USA, zur Gründung eines 50:50-Gemeinschaftsunternehmens für die Produktion von geschmiedeten und gegossenen Leichtmetallrädern unter der Firma Suoftec Light Metal Products Kft. in Tatabánya, einer Kleinstadt 50 Kilometer nordwestlich von der ungarischen Hauptstadt Budapest.

Nachdem schon einige Monate zuvor die Schmiedelinie in Betrieb gegangen war, wurde die neue Räderfabrik im Oktober 1997 durch den damaligen ungarischen Staatspräsidenten Àrpàd Göncz feierlich eröffnet.

Eröffnung durch ungarischen Ministerpräsidenten

Die Serienproduktion von Gussrädern lief im März 1998 an, nachdem auch die der Produktion nachgeschaltete Lackiererei ihren Betrieb aufgenommen hatte. Bereits 1999 konnte Suoftec rund 740 000 Schmiederäder und 290 000 Gussräder überwiegend im europäischen Automobilmarkt absetzen.

Für den US-amerikanischen Markt wurde im Jahre 2000 in großen Stückzahlen das so genannte „Light-Truck-Wheel“ gefertigt, ein Schmiedeleichtrad für die in den USA sehr beliebten Pick-Ups. Dieses wurde aufgrund seiner polierten Oberfläche ein großer Markterfolg. Im zehnten Jahr nach der Inbetriebnahme konnte Suoftec stolz auf die Produktion von 18 Millionen Rädern, davon 10 Millionen Schmiederäder, zurückblicken. Mit einem Jahresumsatz von rund 100 Millionen Euro in 2007 hatte sich Suoftec in nur einem Jahrzehnt als erfolgreicher Hersteller von geschmiedeten und gegossenen Leichtmetallrädern auf dem Automobilmarkt etablieren können.

Dem Trend zu größeren und komplexeren Leichträdern folgend, investierte Suoftec 2008 in eine zusätzliche 7 000-t-Schmiedepresse.

Die Meinerzhagener Räderfertigung spezialisierte sich in diesem Zeitraum immer mehr auf die so genannten Exklusiv-Schmiederäder als Sonderausstattung für die Premiumfahrzeuge der großen europäischen Automobilhersteller, allen voran Audi, BMW, Mercedes und Porsche.

Porsche-Felge kommt von Otto Fuchs in Meinerzhagen

Seit 2006 stattet Otto Fuchs unter anderem den Porsche 911 Turbo serienmäßig und weitere Modelle als Sonderausstattung mit 19’’-Rädern in Bicolor-Optik mit hochglanzpolierter Oberfläche aus.

Am 1. April 2009 hat Otto Fuchs das operative Geschäft des Lackierbetriebes Bothner GmbH & Co. KG in Leonberg bei Stuttgart mit 91 Beschäftigten übernommen. Otto Fuchs und Bothner verband eine 45-jährige partnerschaftliche Geschäftsbeziehung. Bereits das erste Schmiederad für Porsche wurde von Bothner lackiert. Als Spezialist für das Beschichten von Pkw-Rädern hatte Bothner erst 2005 in eine moderne Räderlackieranlage investiert. Als hundertprozentige Tochter firmiert der Lackierbetrieb heute unter dem Firmennamen Otto Fuchs Oberflächentechnik GmbH.

Im Jubiläumsjahr 2010 steht in der Otto Fuchs-Gruppe aktuell eine Fertigungskapazität von rund zwei Millionen Schmiederädern zur Verfügung, wobei sowohl Schmiedeleichträder für die Grundausstattung als auch Exklusiv-Schmiederäder und High-End-Räder für die Ober- und Luxusklasse zum Angebotsumfang gehören.

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