Millioneninvestition der Otto Fuchs KG

Empfehlung für USA, kaum Chancen für Meinerzhagen

+
Meinerzhagens größter Arbeitgeber, die Otto Fuchs KG, wird die neue Großpresse aller Voraussicht nach nicht in Meinerzhagen, sondern in den USA bauen lassen.

MEINERZHAGEN - Wenngleich die endgültige Entscheidung noch aussteht, scheinen die Würfel gefallen: Die Geschäftsleitung der Otto Fuchs KG wird den Gesellschaftern und dem Beirat empfehlen, die geplante Großpresse nicht in Meinerzhagen, sondern am Standort der US-amerikanischen Tochtergesellschaft Weber Metals in Kalifornien zu bauen.

Von Frank Zacharias  

Lesen Sie dazu auch:

Otto Fuchs KG kauft 50.000-Tonnen-Presse

Das Investitionsvolumen beläuft sich nach früheren Angaben des Unternehmens auf über 100 Millionen Euro. In einer Mitteilung der Geschäftsleitung an alle Mitarbeiter betont der persönlich haftende Gesellschafter Dr.-Ing. Hinrich Mählmann, dass diese Entscheidung auf einem ausführlichen Standortvergleich beruhe, in dem die jeweiligen Vor- und Nachteile abgewogen wurden. „Den Ausschlag haben nicht zuletzt wirtschaftliche Gründe gegeben, die für die neue Großpresse, aber auch für die gesamte Unternehmensgruppe von langfristiger und wesentlicher Bedeutung sind“, heißt es.

Strategische Vorteile für den US-amerikanischen Standort 

Ende Oktober hatte das Unternehmen erklärt, dass die Energiekosten in Meinerzhagen für Strom um 47 Prozent und für Gas um 104 Prozent über den jeweiligen Kosten in den USA liegen. Nun hätten sich zudem maßgebliche Kunden der Otto-Fuchs-Gruppe eindeutig für den US-amerikanischen Standort ausgesprochen. Dessen strategische Vorteile seien in den vergangenen Wochen noch deutlicher geworden – etwa hinsichtlich der Nähe zu „langfristigen Wachstumsmärkten“, der erheblich niedrigeren Energiekosten sowie der „Vermeidung von Währungsrisiken durch eine Produktion im Dollar-Raum“. Der US-Dollar sei schließlich die Leitwährung für die Luftfahrt.

IG Metall bedauert die Empfehlung der Fuchs-Geschäftsleitung

Während die Firmenleitung betont, dass die anstehende Millionen-Investition auch der Absicherung des Meinerzhagener Standorts dient, äußerte Bernd Schildknecht, 1. Bevollmächtigter der IG Metall im Märkischen Kreis, am Donnerstag im Gespräch mit der MZ sein Bedauern über die Empfehlung der Geschäftsleitung. Denn bis zuletzt sei man an einem so genannten investitionsbegleitenden Tarifvertrag interessiert gewesen, der dem Unternehmen eine Entscheidung pro Meinerzhagen hätte erleichtern können.

Höhere Energie- und Personalkosten

Hintergrund: Neben den Energiekosten waren von der Unternehmensführung auch die Personalkosten ins Feld geführt worden. Diese würden im Meinerzhagener Werk um 67 Prozent höher liegen als am Standort der US-Tochter Weber Metals. Wie Bernd Schildknecht erklärte, habe er gemeinsam mit Vertretern des Betriebsrats in Kontakt zur Geschäftsleitung gestanden, um in diesem Bereich Lösungen zu erörtern. Zu konkreten Gesprächen kommt es nun allem Anschein nach nicht mehr, denn: „Wir können nur Verhandlungen führen, wenn wir wissen, worüber wir reden“, betonte Schildknecht. Erst Anfang Februar sollte ein Gutachten vorliegen, das den Arbeitnehmervertretern als Grundlage für die Gespräche dienen sollte. „Doch nun ist das offenbar alles hinfällig“, zeigte sich der IG-Metall-Bevollmächtigte von der aktuellen Entwicklung enttäuscht.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare