Karfreitag und Ostern haben den Menschen immer noch etwas zu sagen

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Das Kreuz steht Karfreitag im Mittelpunkt. Auch Pastor Peter Winterhoff wird in der Evangelischen Kirche Valbert an den Feiertagen traditionell auf aufwendige Dekorationen wie Blumenschmuck verzichten. Das ist zu Ostern üblich.

Meinerzhagen - Es geschah vor fast 2000 Jahren: Jesus wurde ans Kreuz geschlagen. Der qualvolle Tod von Gottes Sohn ist Anlass, dass Christen in aller Welt an Karfreitag an diesen Tag denken.

Doch hat der hohe kirchliche Feiertag den Menschen heute noch etwas zu sagen? Gibt es Verbindungen, die bis in den Alltag im Jahr 2018 hineinreichen?

„Ja“, meint Pfarrer Thorsten Rehberg. Der katholische Geistliche ist der festen Überzeugung: „An der Bedeutung hat sich nichts geändert, heute wie vor 1000 Jahren. Und das Osterfest ist noch aktueller geworden.“ Das begründet Rehberg auch mit dem seiner Ansicht nach gestiegenen Unrechtsbewusstsein in der Bevölkerung – im Zusammenhang mit dem Mord an Jesus Christus. „Selbst bei zu Recht Verurteilten wie dem ehemaligen katalonischen Regionalpräsidenten Puigdemont heulen die Leute heute auf“, hat er festgestellt. 

Gründonnerstag und Karfreitag sind für den Geistlichen Paradebeispiele für eine These, die Rehberg so formuliert: „Man kann kein guter Mensch sein, ohne Böses zu erleiden.“ Die Entscheidung zwischen dem Gewissen und Erfolg spielt für Rehberg da eine große Rolle: „Wer nur sein Fähnchen in den Wind dreht, hat auf Erden vielleicht Erfolg. Aber er verliert aus dem Blick, worum es wirklich geht.“ Auch in der Welt von Internet und Globalisierung zieht der katholische Seelsorger der heimischen Gemeinde St. Maria Immaculata durchaus Konkretes aus der Ostergeschichte: „Das Fest hält der Gesellschaft den Spiegel vor. Ein Beispiel: Ich bin hip, wenn ich alle zwölf Monate ein neues Handy kaufe. Doch beachte ich dabei auch, dass für diese Handys Kinder in Afrika in Gruben geschickt werden, um seltene Erden abzubauen. Oder dass dort, wo die Geräte gebaut werden, chinesische Arbeiter wegen der katastrophalen Arbeitsbedingungen Selbstmord begehen?“ Für Rehberg bleibt außerdem eines im Mittelpunkt von Karfreitag: „Die Erlösung. Du bis nämlich nicht gezwungen, das alles mitzumachen.“ 

Pastor Peter Winterhoff von der evangelischen Gemeinde Valbert sieht im Karfreitag und dem Sterben Jesu einen ganz besonderen Aspekt: „Gott brauchte kein grausames Opfer. Das wäre eine Fehlinterpretation. Wichtig ist stattdessen die Hingabe bis zum Tod – aus Liebe.“ Ostern ist für Winterhoff der „Dreh- und Angelpunkt christlichen Glaubens“. „Hoffnung stiften, Mut machen zum Leben“, das bedeutet für den Geistlichen Ostern. „Wir müssen schauen, wo der Mensch dem Tod in die Hände arbeitet. Und wo Leiden und Sterben herrschen. Wir müssen dort Hoffnung machen, sind als Freunde des Lebens gefragt und aufgefordert, für gute, gerechte Verhältnisse zu sorgen. Wir müssen aufstehen, wo dem Tod zugearbeitet wird und für das Leben einstehen. Unabhängig von Personen. Wir müssen auch all denen ein würdevolles Leben ermöglichen, die vor Tod und Verderben geflohen sind.“

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