Zehn Jahre "Grüne" in Meinerzhagen

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Der Fumberg als „Wallstreet“: Herbe Kritik äußerten die Grünen im ersten Jahr ihres Bestehens an der Schallschutzwand entlang der Südumgehung. Bei einem Ortstermin entstand dieses Bild.

Meinerzhagen - „Ich bin entschlossen, über mehrere Jahre hinweg politisch tätig zu werden.“ Das sagte Paolino Barone am 20. September 2008 gegenüber der Meinerzhagener Zeitung anlässlich der Pläne, in Meinerzhagen eine Ortsgruppe von Bündnis 90/Die Grünen zu gründen. Mehr als zehn Jahre ist das nun her. Und Barone hat Wort gehalten.

Er ist immer noch in der Kommunalpolitik aktiv – und die Grünen haben sich in der heimischen Parteienlandschaft etabliert. Keine drei Monate nach der Ankündigung war es so weit: Mit der Gründung eines Ortsverbandes samt Doppelspitze wollte der damals 38-jährige Barone gemeinsam mit seinen Mitstreitern ein vermeintlich großes, brach liegenden Potenzial an grünen Überzeugungen zu neuem Leben erwecken. 

„Der harte Kern wird noch ausgeweitet“, zeigten sich die Protagonisten zuversichtlich, rechtzeitig zu den Kommunalwahlen im Juni 2009 gut aufgestellt zu sein. Prominente Unterstützung fanden die Meinerzhagener bereits: Zur Gründungsversammlung war Arndt Klocke, damaliger Landesvorsitzender der Grünen, ins Gasthaus „Zum Winzenberg“ gekommen.

"Strickzeug hatte keiner dabei"

„Fuß fassen“ wollte man in Meinerzhagen laut erstem MZ-Bericht, in dem die Autorin übrigens nicht versäumte, tief in die Klischee-Schublade zu greifen: „Strickzeug hatte keiner dabei“, hieß es gleich im ersten Satz. Doch von diesen Vorstellungen aus den Anfangszeiten der Grünen-Bewegung in den 1980er-Jahren wollten sich die Meinerzhagener Grünen schnell lösen. 

„Wir wollen ein Wahlprogramm mit Sachthemen, wollen auf die Menschen zugehen, wollen unser eigenes Profil schärfen“, sagte Paolino Barone damals. Und das gelang etwa durch die Gründung des Stammtisches, den es bis heute gibt und der allen Interessierten offensteht. 

Zwei Sitze nach der ersten Kommunalwahl

Doch Politik lebt nicht zuletzt von Ergebnissen – und die werden zunächst bei den Wahlen deutlich. Denn nach der Europawahl im Juni stand im September 2009 die erste Kommunalwahl für die Meinerzhagener Grünen an. Von null schafften sie es auf sieben Prozent – gleichbedeutend mit zwei Sitzen im Stadtrat. Neben Paolino Barone gehörte fortan Ingolf Becker dem höchsten politischen Gremium in der Volmestadt an. 

2009: Kritik an der „Wallstreet“

Und es gibt in der Folge vielen Themen, die angepackt wurden. Auf Bundesebene beteiligen sich die Meinerzhagener Grünen an vielen Demonstrationen gegen Kernkraft. Lokal haben sie die Lärmschutzwand am Fumberg für sich entdeckt: Die „Wallstreet“ wird auch als „in Beton und Asphalt gegossener Albtraum“ bezeichnet, der sogar den NRW-Umweltminister auf den Plan ruft. 

Doch die größte Aufmerksamkeit erregt Ingolf Beckers Initiative zum Ratsbürgerentscheid, der die Umgestaltung des Stadthallenumfelds verhindern soll. Allein: Das Quorum, also die erforderliche Zahl an Wählern, wird nicht erreicht. Der Entscheid, an dessen Ende sich ohnehin eine Mehrheit für die Pläne der Stadtverwaltung aussprach, wäre also ohnehin ohne Folgen geblieben.

"Kreativ, anpackend und bissig"

Im Mai 2014 dann der nächste Meilenstein: Bei der Kommunalwahl erhielten die Grünen 7,54 Prozent der Stimmen, ein Anstieg um 0,57 Prozent, die einen weiteren Sitz im Stadtrat bedeuteten. Fortan ist Benjamin Kretschmer neben Paolino Barone und Ingolf Becker Ratsherr. Im Februar gibt Kretschmer jedoch sein Mandat ab. Ihm folgt Karl Hardenacke, der mittlerweile auch Sprecher er Ortspartei ist. 

Mittlerweile sind die Grünen im Stadtrat angekommen. Dass sie seit ihrem Einzug in das Gremium im Jahr 2009 das eine oder andere Zeichen gesetzt haben, hat manch andere Fraktion bereits zu spüren bekommen. Getreu dem Charakterzug, den Fraktionsmitglied Ingolf Becker anlässlich des zehnjährigen Bestehens beschrieben hat: „Wir sind zwar, gemessen an der Mitgliederzahl, nicht der größte Ortsverein, dafür aber kreativ, anpackend und bissig.“

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