Organspende: Arzt aus MK schreibt Brandbrief - und erhält schnelle Antwort

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Infomaterial gibt es im Bürgerbüro schon jetzt: Doch nach der Reform der Organspende in Deutschland sollen die Bürger künftig bei jeder Beantragung und Abholung ihres Personalausweises mit dem Thema konfrontiert werden – und sich entscheiden.

Meinerzhagen - Ein Gesetz spaltet die Nation: Die Neuregelung zur Organspende stößt bei vielen Medizinern auf Kritik. Auch in Meinerzhagen. Der Allgemeinmediziner Dr. Holger Reimann hat seinem Ärger nun auch in einem persönlichen Brief an die Initiatorin der Neuregelung, die Grünen-Politikerin Annalena Baerbock, Luft gemacht. Und die antwortete schnell.

Es waren immer dieselben Zahlen, die vor der entscheidenden Abstimmung im Bundestag durch die Medien gingen: Mehr als 9000 Menschen stehen derzeit laut der Deutschen Stiftung Organspende in Deutschland auf der Warteliste für ein lebensrettendes Organ. 

Allein im Jahr 2018 wurden etwa 4500 Menschen neu auf die Warteliste aufgenommen, 901 Wartende verstarben in dem Jahr. Das allerdings, so weiß auch der Meinerzhagener Allgemeinmediziner Dr. Holger Reimann, sind eben nur Zahlen. Er selbst hat – wie viele seiner Kollegen – nicht Zahlen, sondern den Menschen im Blick, um den es geht. „Und natürlich will man seinem Patienten die schnellstmögliche Hilfe bieten“, sagt Reimann im Gespräch mit der MZ.

Der Meinerzhagener Arzt ist aber davon überzeugt, dass die Ablehnung der von Gesundheitsminister Jens Spahn favorisierten Widerspruchslösung diese Hilfe verhindert. „Wir brauchen einfach mehr Organspender. Der Spahn-Entwurf hätte zweifellos zu einem größeren Aufkommen geführt als der jetzt beschlossene Gesetzesentwurf“, sagt Holger Reimann. Deutschland müsse sich zu sehr auf den Service der Stiftung Eurotransplant verlassen, die verantwortlich ist für die Zuteilung von Spenderorganen in acht europäischen Ländern.

Dr. Holger Reimann schrieb einen Brief an Annalena Baerbock.

„Alleine in Deutschland könnten wir den Bedarf noch weniger decken“, sagt der Mediziner, der daher nach dem Bundestagsbeschluss auch eine deutliche E-Mail an Annalena Baerbock (Grüne) geschickt hat. Sie war Initiatorin des Gegenentwurfs zu Spahns Idee (siehe unten). „Als Arzt kenne ich viele Patienten, die auf ein Organ warten und sterben“, sagt Reimann.

„Ob Lungen, Nieren, Leber oder Herz – der Arzt kennt viele Patienten, die händeringend auf ein Spenderorgan warten. Auf das Prinzip der Überzeugungsarbeit zu setzen, hält er für falsch. Was den Meinerzhagener indes überraschte: Bereits am Tag nach seinem Brandbrief an Baerbock erhielt er eine ausführliche Antwort auf seine Kritik. 

Darin wiederholt die Grünen-Abgeordnete ihre Argumente der körperlichen Unversehrtheit und befürchtet auch eine Art der „Nötigung“, wenn Menschen grundsätzlich als Organspender gelistet seien. Und: „Manche Menschen (sei es aus psychischen oder intellektuellen Gründen) wären gar nicht in der Lage, aktiv Nein zu sagen. In vielen anderen Bereichen, zum Beispiel beim Datenschutz, wurde zurecht durchgesetzt, dass man für die Datenweitergabe aktiv zustimmen muss. 

Das darf bei einer so grundsätzlichen Frage wie der körperlichen Unversehrtheit nicht anders sein. Die Widerspruchsregelung legt ein Schweigen als Zustimmung aus. Wir wollen ein aktives Ja in diesem höchstpersönlichen Bereich.“ Und so kam es zu jener Regelung, die auch den Hausärzten eine aktivere Rolle bei der Beratung potenzieller Organspender zuspricht. „Diese Rolle nehmen wir aber natürlich schon jetzt ein“, betont Holger Reimann. 

Eine zentrale Rolle bei der Neuregelung der Organspender-Abfrage erhält das Bürgerbüro. Dort, im Erdgeschoss des Rathauses an der Bahnhofstraße, liegen Infomaterialien sowie Organspendeausweise bereits jetzt aus – bewusst abgefragt wird indes nicht. In welcher Form das nach Inkrafttreten des neuen Gesetzes jedoch geschehen soll, sei noch nicht bekannt, heißt es aus dem Rathaus

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