Orchester des Kreises Ahrweiler überzeugt im Haus Nordhelle

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Das Orchester des Kreises Ahrweiler gab am Samstag ein Konzert im Haus Nordhelle.

Meinerzhagen - Zum Abschluss seines Probenwochenendes im Haus Nordhelle gab das Orchester des Kreises Ahrweiler am Samstag ein Konzert, das zeitgenössische Musik mit der Klassik und Musik der Lutherzeit verband.

Unter Leitung von Dirigentin Susanne Harig präsentierte sich das Orchester, dessen Anfänge im Jahr 1910 liegen, in bester Spiellaune. Seit 2001 ein eingetragener Verein, ließen die Musiker ihre Zuhörer, die ein stilistisch abwechslungsreiches Konzert erlebten, an ihrem einstudierten Programm teilhaben. Höhepunkt des Abends: Ludwig van Beethovens „Symphonie Nr. 1 C-Dur op. 21“, die in voller Länge erklang.

Mit Tilo Medek (1940-2006), der in Jena geboren wurde und später im Kreis Ahrweiler lebte, widmete das Orchester einem zeitgenössischen Komponisten sein Augenmerk. „Vor 20 Jahren hat das Orchester das Stück im Kurpark von Bad Neuenahr uraufgeführt“, erklärte Dr. Ulrich Nickel, 1. Vorsitzender des Vereins „Orchester des Kreises Ahrweiler“, vorab. Damals habe Medek das Stück persönlich mit dem Orchester einstudiert. In Ausschnitten aus dem „1. Nonett – Passacaglia, Bagatelle und Cakewalk“ zeigte das Orchester den Komponisten als Grenzgänger zwischen Klassik und Moderne.

Mit Georg Philipp Telemann gelang dem Orchester ein geschmeidiger Sprung in die Barockzeit. Beim „vermischten Stil“ des Barockmeisters, der das Beste aus der Musik seiner Zeit – italienische, französische und deutsche Einflüsse – zu galanter Musik eigenständiger Prägung zusammenfügte, waren die Musiker ebenso zu Hause wie zuvor bei Tilo Medek und seiner eingängigen, einprägsamen Tonsprache. Aus der g-Moll-Ouvertüre erklangen die Sätze „Les Irresoluts“ (Die Unentschlossenen), „Les Capricieuses“ (Die Launischen) und „Gasconnade“ (Prahlerei), deren Stimmungen das Orchester ausdrucksvoll aufgriff.

In die Zeit der Renaissance, als es noch keine Unterscheidung von Dur und Moll gab und die Komponisten in Kirchentonarten komponierten, entführten die Musiker mit Werken von Claudin de Sermisy und Martin Luther. Dem tieftraurigen Sermisy-Stück „Qui se pourroit plus desoler et palandre que moi?“ (Wer könnte sich mehr betrüben und klagen als ich?) als Ausdruck von Herzschmerz und Liebesleid folgte mit dem kurzen vierstimmigen Luther-Satz „Non moriar sed valem“ (Ich werde nicht sterben, sondern leben) über eine gregorianische Melodie ein ganz persönlicher Beitrag des Orchesters zum Luther-Jahr.

Ein großer Wurf gelang den Musikern mit Beethovens erster Sinfonie, die – zumindest von der Instrumentation her – noch an die Vorbilder Mozart und Haydn anknüpft, in ihrer kühnen, originellen Tonsprache den Anbruch einer neuen Zeit indes deutlich erkennen lässt. Ein frischer Wind wehte mit dem berühmten Werk, mit dem sich Beethoven eindrucksvoll als Meister der Sinfonie zu Wort meldete, durchs Haus. Als Zugabe gönnte das Orchester den Zuhörern einen Marsch aus der Feder Beethovens.

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