Online-Petition gegen Sekundarschule gestartet

Schulform stößt auf Kritik: Rückkehr zur Realschule?

Sekundarschule Meinerzhagen
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Erst Real-, seit 2013 Sekundarschule: Vor acht Jahren startete das neue Schulmodell in Meinerzhagen, nachdem vor allem an der Hauptschule immer weniger Schüler angemeldet worden waren.

Sie ist eigentlich Geschichte, aber längst nicht vergessen: Die Realschule Meinerzhagen sorgt bei vielen ehemaligen Schülern immer noch für Wehmut. Seit 2013 wurde sie von der Sekundarschule abgelöst. Das gefällt aber nicht jedem.

Meinerzhagen - 2013 war das Jahr des Umbruchs – und eines, das die Schullandschaft Meinerzhagens grundlegend ändern sollte: Mit der Einschulung der ersten Mädchen und Jungen in die fünfte Klasse begann die Sekundarschule, das bis dahin getrennte Modell von Hauptschule (Genkeler Straße) und Realschule (Rothenstein) abzulösen. Doch acht Jahre später regt sich Unmut über die Entscheidung von damals. In einer Petition fordert ein Meinerzhagener die Rück-Umwandlung der Sekundar- in eine Realschule.

Initiator der Aktion ist Walter Matwich. Der 33-Jährige hat selber vier Kinder und macht sich – wie wohl alle Eltern – viele Gedanken um ihre schulische Laufbahn. „Ich muss zugeben, mich lange nicht damit beschäftigt zu haben. Jetzt sind meine zwei Ältesten aber im Grundschulalter und es gilt, für sie die richtige Schulform zu finden. Da bin ich leider auf immer größere Skepsis gegenüber der Sekundarschule gestoßen“, sagt der Familienvater.

Die Schule war sehr angesehen.

Walter Matwich, Initiator der Online-Petition

So komme eine gymnasiale Laufbahn für seinen eher handwerklich geschickten Sohn kaum infrage, „aber wir haben hier in Meinerzhagen eben nur zwei Möglichkeiten“, bedauert Matwich, der selbst auf die Realschule Meinerzhagen gegangen ist und sich an den guten Ruf der Einrichtung erinnert. „Die Schule war sehr angesehen, man hat gute Ausbildungen bekommen – rückblickend ist es für mich einfach gut gelaufen“, erinnert sich der 33-Jährige, der ein solches Image bei der Sekundarschule aber nicht erkennen kann.

Initiator von Feedback überrascht

„So eine Petition schmeißt man nicht einfach in den Raum. Ich habe mir einfach Gedanken gemacht, wie man etwas an der aktuellen Situation verbessern kann und will damit auch erst einmal ein Feedback sammeln. Über die vielen Reaktionen zu dem Thema war aber auch ich überrascht“, sagt Walter Matwich, dessen Online-Petition am 16. Februar startete und noch bis zum 15. April läuft.

Aber was sind seine größten Kritikpunkte an der Schule am Rothenstein? Matwich sagt: „Bekannte, die ihre Kinder dort zur Schule bringen, berichten, dass sie aufgrund des Ganztagsunterrichts kaum etwas von der schulischen Entwicklung ihres Kindes mitbekommen. Was wiederum auch am Ganztagskonzept liegt. Die Kinder machen dann in der Schule Hausaufgaben, obwohl sie vielleicht nur zwei Straßen entfernt wohnen. Dazu bleibt keine Zeit mehr für Hobbys.“ Weitere Berichte gebe es von schlechter Stimmung unter den Schülern, die auch aufgrund der unterschiedlichen schulischen Fähigkeiten entstehe.

Mehr als 200 Unterstützer aus Meinerzhagen

Kritikpunkte, die auch auf der Petitionsseite Matwichs (Link am Ende des Textes) in 75, nicht nur anonymen, Kommentaren laut werden. Allerdings kommen dort bislang nur die Unterzeichner zu Wort. 264 waren es am Dienstag, wobei es sich zum allergrößten Teil um Meinerzhagener handelt (207), die sich Matwichs Forderung nach einer Rückkehr zur Realschulform anschließen. Daneben haben unter anderem 28 Kiersper ihre digitale Unterschrift geleistet. „Ich weiß nicht, wie viel ich mit der Petition bewegen kann, aber ich wollte diese Sache jetzt ins Rollen bringen, um als nächsten Schritt mit der Schulleitung oder auch den zuständigen Politikern im Schulausschuss zu sprechen“, sagt Matwich.

Schulleiterin ist gesprächsbereit

Für ein klärendes Gespräch steht Sekundarschulleiterin Christiane Dickhut in jedem Fall zur Verfügung, wie sie im Gespräch mit der MZ erklärt. Auf die Petition angesprochen bedauert sie, dass der Initiator nicht zuvor bereits den Dialog gesucht hat. „Wir schlagen niemandem die Türe zu“, betont Dickhut, die insbesondere die Vorbehalte bezüglich des Ganztagsunterrichts kennt. „Dass wir die Kinder zum Beispiel mittags nicht einfach nach Hause schicken können, war manchmal ein Thema, an dem sich einige Eltern gestoßen haben“, sagt die Schulleiterin. Aber sie sagt auch: „Rechtlich sind uns da einfach die Hände gebunden.“

Es gibt leider immer noch Vorbehalte gegenüber der Sekundarschule, gegen die wir zu kämpfen haben.

Christiane Dickhut, Leiterin der Sekundarschule

Dass Ganztagsunterricht nicht bei allen Familien unbeliebt sei, zeige sich zudem im Zulauf an der Kiersper Gesamtschule, die Dickhut neben dem Evangelischen Gymnasium als stärkste Konkurrenz um Schüler in der Region sieht. „Es gibt leider immer noch Vorbehalte gegenüber der Sekundarschule, gegen die wir zu kämpfen haben“, sagt sie. Man befinde sich im Wettbewerb mit bekannten, alteingesessenen Schulen – auch in Attendorn – die einen guten Ruf besitzen. Die seit 2013 rückläufigen Anmeldezahlen (siehe Info-Kasten) seien aber auch eine Folge der generell sinkenden Gesamtschülerzahlen.

Schulleiterin: Ruf in der Nachbarschaft ist besser als vor Ort

Den unterschiedlichen Fähigkeiten der Schüler begegne man mit dem besonderen Modell der Erweiterungs- und Grundkurse, Abschlüsse seien weiterhin bis zur Qualifikation für die gymnasiale Oberstufe möglich. Am Ende sei es allein die fehlende Sekundarstufe II, die die Meinerzhagener Sekundarschule von einer Gesamtschule unterscheidet, betont Christiane Dickhut. Und sie stellt fest, dass ihre Schule in der eigenen Stadt längst nicht das Renommee hat wie in Nachbarstädten. „Es fällt schon auf, dass wir in der Region einen guten Ruf genießen – nur in Meinerzhagen selbst nicht. Das ist natürlich sehr schade, aber wir tun alles dafür, dass sich das ändert.“

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