Ohne Winterreifen geht gar nichts

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Lange Staus sind die Folge, wenn mit Sommerreifen ausgerüstete Fahrzeuge sich festgefahren haben. ▪

MEINERZHAGEN ▪ „Winterbereifung vorgeschrieben“ – viele staugeplagte Fahrzeugführer würden sich diese Beschilderung vor dem Autobahn-Aufstieg zwischen Hagen und Lüdenscheid-Nord wünschen.

Denn: So wie am Montag sorgen immer wieder Lastwagen und Autos mit Sommerreifen für ein Verkehrschaos und kilometerlange Staus, sobald die ersten Schneeflocken im Sauerland gefallen sind.

„Keine Seltenheit.“ Der Kommentar von Polizeihauptkommissar Michael Stumpe, dem Leiter der Meinerzhagener Polizeiwache, fällt kurz aus, wenn es um das Thema „falsche Bereifung im Winter“ geht. Nicht nur auf den Autobahnen, auch auf Bundes- und Landstraße bereiten vor allen Dingen Lastwagen Probleme, wenn Eis oder Schnee die Fahrt behindern. Eigentlich sind von November bis Mitte April Winterreifen an mindestens einer angetriebenen Achse bei Lastern vorgeschrieben. „Die Problematik mit Staus, die Fahrzeuge mit Sommerreifen verursacht haben, kehrt aber jedes Jahr wieder“, berichtet Stumpe. Und nicht nur das: „Wenn dann ein Lastwagen liegen geblieben ist, versuchen andere oft, ihn zu überholen – und bleiben ebenfalls liegen“, hat Stumpe nicht nur einmal beobachtet. In so einem Fall geht anschließend gar nichts mehr – so wie am Montag auf der A 45. Stumpe bittet deshalb dringend: „Achten Sie auf korrekte Bereifung. Auch für Lastwagenfahrer muss gelten: Winterreifen von Oktober bis April. Und vor allen Dingen: Lastwagenfahrer sollten liegengebliebene Fahrzeuge nicht links überholen.“

Dass auch der Bereich Meinerzhagen mit Höhenlagen von 350 bis 600 Metern bei winterlicher Witterung hohe Anforderungen an die Bereifung stellt, sollte hinlänglich bekannt sein. „Die Strecke über die Nordhelle beispielsweise wird von Lastwagen immer wieder als kostenlose Alternative zur mautpflichtigen Autobahn genutzt“, hat Stumpe beobachtet. Wer hier im Winter mit Sommerreifen unterwegs ist, bleibt liegen und gefährdet überdies seine Gesundheit und die anderer Verkehrsteilnehmer. Wie der „Sommerreifen-Fraktion“ allerdings beizukommen ist – da hat auch der Meinerzhagener Polizeichef kein Patentrezept. „Wir kontrollieren immer wieder und auch der Verkehrsdienst, unsere Lastwagen-Spezialisten, tun das oft“, berichtet Stumpe. Dass dabei nur Stichproben gemacht werden, ist allerdings klar. „Man muss sich aber auch davor hüten, alle Lastwagenfahrer zu verteufeln“, warnt Stumpe.

Bei der Spedition Wunderer in Valbert beispielsweise wissen die Verantwortlichen, wie wichtig Winterreifen jetzt sind. Disponent Michael Kluth: „Wir ziehen im Oktober bereits Winterreifen auf. Unsere Fahrten führen nicht nur durch das Sauerland, sondern auch ins Erzgebirge oder in den Schwarzwald. Da ist so eine Maßnahme natürlich unerlässlich. Und wir achten außerdem darauf, dass die Reifen mehr als nur die gesetzliche Mindestprofiltiefe aufweisen“, fügt Kluth hinzu.

Er kennt auch Gründe, warum sich scheinbar nicht alle Kollegen so vernünftig verhalten: „Die hohen Maut- und Treibstoffpreise sind sicherlich ein Grund dafür, dass nicht alle auf Winterreifen wechseln. Der Preisdruck ist in unserer Branche enorm.“ Außerdem ist Kluth der Ansicht, dass der stetig anwachsene Verkehr ein weiterer Faktor ist, der zu Staus führt, erst recht im Winter: „Die Straßen reichen ja bei trockenem Wetter kaum aus.“ ▪ beil

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