Offener Brief

Ortsverband der Grünen hakt nach: Offener Brief an Stadt und Landesbetrieb

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Der Kahlschlag an der Oststraße sorgt auch bei den Grünen für Unmut.

Meinerzhagen - Der Ortsverband von Bündnis 90/Die Grünen erneuert in einem offenen Brief an den Landesbetrieb Straßen.NRW und die Stadt seine Kritik an der „sinnfreien Abholzung am Autobahnzubringer B54/Oststraße“.

In dem vom Ingolf Becker und Karl Hardenacke unterzeichneten Schreiben erinnern die Grünen an ihre „Protestnote“ vom 1. März (die MZ berichtete) und an „mannigfach, überwiegend negative Reaktionen“ in der Bevölkerung. Und auch die Überraschung seitens der Verwaltung angesichts der massiven Abholzung wird deutlich. 

„An dieser Ausfallstraße mit hohem Verkehrsaufkommen und Anstieg herrscht eine Belastung durch Feinstaub, der gefährdet die Gesundheit, insbesondere der Atemwege. Gegen die aggressiven Partikel helfen, so haben Forscher herausgefunden, ausgewachsene Bäume. Dass sich solche aus den übrig gebliebenen Baumstümpfen entwickeln, muss angezweifelt werden“, schreiben Becker und Hardenacke. Bäume könnten Schadstoffe aus der Luft binden und hätten auch die Fähigkeit, Co2 aus der Atmosphäre zu entfernen. Wie viel ein Baum zur guten Luft beitragen kann, hänge vor allem vom Durchmesser seiner Krone ab. „Ein alter Baum kann so zum Beispiel 1,7 Kilogramm Sauerstoff pro Stunde produzieren, damit können 50 Menschen eine Stunde lang atmen“, heißt es in dem offenen Brief weiter. Außerdem sorgten Bäume für Schatten und verringerten das Aufheizen von versiegelten Flächen, sorgten für Wasserspeicherung und kontrollierten Verdunstung. 

„Die von Baumbewuchs befreite Straße wirkt jetzt subjektiv breiter und verleitet zu noch schnellerem Fahren, was die negativen Einflüsse erhöht und die Unfallgefahr vergrößert.“ Die Richtlinien zum passiven Schutz an Straßen lassen die Grünen als Rechtfertigung nicht gelten. Vielmehr würden die Empfehlungen zum Schutz vor Unfällen mit Aufprall auf Bäume (ESAB) aus dem Jahr 2006 gelten, die ein gestuftes Verfahren vorsehen, bei dem in auffälligen Bereichen Maßnahmen zu ergreifen seien. Das Entfernen von Bäumen sei nur als „Ultima Ratio“ zu sehen. 

Und so fordert der Ortsverband die Aufforstung an der B54/Oststraße „zum Schutz der angrenzenden Wohnbebauung, des nahe liegenden Kindergartens Rappelkiste und der Sport- und Freizeiteinrichtungen Skater-Platz, Freibad und Fußball-Stadion und als allgemeinen Beitrag zur Klimaverbesserung“. Für diese Aufforstung schlagen Becker und Hardenacke heimische, frostharte Baumarten vor, wobei immergrüne Gehölze besonders effektive Feinstaub-Neutralisatoren seien. „Straßen-NRW und die Verantwortlichen der Stadt sind gefordert, für die Zukunft eine Gesprächsebene zu finden, bei der auch die Belange der Kommune und Bürger Berücksichtigung finden und in Umsetzung von Maßnahmen einfließen“, heißt es – wohl auch in Anlehnung an eine Äußerung der Verwaltung in der Haupt- und Finanzausschusssitzung, in der eine bessere Kommunikation unter den Behörden angestrebt wurde.

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