Frost und Schnee: Gewinner und Verlierer

Der Borkenkäfer-Bestand wird durch strengen Frost keineswegs dezimiert. Der kleine Schädling nimmt eher bei feuchtwarmer Witterung Schaden. - Archivfoto: Beil

Meinerzhagen - Die Wettervorhersagen sind relativ eindeutig: Es wird kalt. Das freut Klaus Lomnitz und seine Kollegen. Der Forstdirektor und Leiter des Regionalforstamtes Olpe weiß, dass tief gefrorener Boden beste Voraussetzungen bietet, um bestimmte Stellen im Wald mit schweren Maschinen zu erreichen, ohne den Boden zu verdichten: „Solche Wetterlagen sind sehr wichtig für uns, um bestimmte Arbeiten an Stellen vorzunehmen, die ohne Frost kaum zu erreichen wären.“

Lomnitz räumt in diesem Zusammenhang allerdings mit einem „Wetter-Vorurteil“ auf, was einen Baum-Schädling angeht: „Der Borkenkäfer kann sehr gut mit niedrigen Temperaturen umgehen. Schließlich kommt er sogar in Sibirien vor.“ Schlechter für den kleinen Käfer seien hingegen feuchtwarme Wetterlagen, so wie in den vergangenen Wochen. „Die Käfer verpilzen dann und sterben schließlich an Mykose.“ Eine Borkenkäfer-Plage ist demnach in diesem Jahr also kaum zu erwarten.

Generell sei der heimische Wald mitsamt seinen Lebensgemeinschaften an jede Wetterlage angepasst. Doch dabei gebe es auch Ausnahmen. Lomnitz nennt in diesem Zusammenhang beispielsweise die Greifvögel. „Die leiden unter hohem Schnee. Ihre Beute – wie die Maus – bewegt sich unter der Schneedecke und ist deshalb für die Vögel schwerer zu erreichen.“ Gleiches gilt auch für den Fuchs. „Doch der ortet die Beute oft noch mit seinem guten Gehör und springt sie dann auch durch die Schneedecke an“, erläutert der Forstdirektor.

Wildschweine sind in den Wäldern auch um Meinerzhagen herum keine Seltenheit. „Die Bachen frischen im Januar. Und dann stellt der gefrorene Untergrund die Tiere häufig vor große Probleme. Die Jungen liegen in einem Kessel dicht aneinander gekuschelt. Doch die Bachen haben keine Chance mehr, den Boden nach Nahrung zu durchwühlen. Sie müssen jetzt auf ihre Fettreserven bauen, die sie sich möglicherweise in besseren Zeiten angefressen haben“, erklärt Lomnitz.

Eichen und Buchen waren zuletzt häufig von der so genannten Komplexkrankheit betroffen. Lomnitz hatte in der Vergangenheit dabei ausdrücklich auch den Staatsforst rund um Meinerzhagen einbezogen. Schädigende Umwelteinflüsse können die Krankheit auslösen. „Saurer Regen und Stickstoffeinträge“ führte Lomnitz als Beispiele an. „Dadurch wird das Immunsystem der Bäume geschädigt. Das ist nicht gut, denn Schädlinge wie Käfer sind auf geschwächte Bäume angewiesen“, erklärt Lomnitz weiter. Kälte – so wie jetzt zumindest für ein paar Tage angekündigt – sei nun allerdings kein Nachteil, urteilt der Wald-Experte.

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