Kindergartenplätze in Meinerzhagen knapp

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Am Kindergarten „Korallenriff“ gibt es jetzt sechs weitere U-3-Betreuungsplätze. ▪

MEINERZHAGEN ▪ Es ist ein Phänomen, dessen Ursache der verantwortliche Jugendhilfeplaner beim Kreisjugendamt noch nicht ergründen kann.

Matthias Sauerland spricht jedenfalls von einem Novum, „das wir in dieser Form nicht erwartet haben“: Für das offiziell am 1. August begonnene Kindergartenjahr melden alle neun Meinerzhagener Kindergärten Vollbelegung. Die insgesamt 528 Plätze sind besetzt. Dabei hatte man eigentlich erwartet, dass es als Konsequenz aus dem Geburtenrückgang zu sinkenden Anmeldezahlen und damit auch einer Platzreduzierung an den Einrichtungen kommen könnte.

„Es waren zuletzt vor allem Auswärtige, die sich bei uns ausdrücklich nach freien Kindergartenplätzen in Meinerzhagen erkundigt haben“, erläutert Sauerland. Es sei aber letztlich noch gelungen, in Zusammenarbeit mit den Trägern der Kinderbetreuungseinrichtungen in Meinerzhagen für jedes angemeldete Kind noch einen Platz zur Verfügung stellen zu können. Allerdings habe nicht immer dem Wunsch nach der Unterbringung in einem ganz bestimmten Kindergarten entsprochen werden können. So berichtet beispielsweise Annegret Benger, die bei der Evangelischen Kirchengemeinde Meinerzhagen als Presbyteriumsmitglied für Kindergartenangelegenheiten zuständig ist, „dass es für unsere Kindergärten mehr Anfragen gab als wir Plätze zur Verfügung stellen konnten.“

Auch bei der Stadt Meinerzhagen kann man sich die aktuelle Entwicklung nicht so recht erklären. Als der Ausschuss für Soziales, Jugend und Familie sich im vergangenen Oktober mit den Prognosezahlen für die Kindergärten beschäftigte, waren zu diesem Zeitpunkt 68 Plätze nicht besetzt. Für das Kindergartenjahr 2014/15 wurde aufgrund der Prognosezahlen mit einem Überhang von 139 Plätzen gerechnet.

Für die Stadt Meinerzhagen, die über kein eigenes Jugendamt verfügt, ist der Märkische Kreis für den Bereich Jugendhilfe und somit auch für die Kindergarten-Angelegenheiten zuständig. Dass man jetzt in der Volmestadt sozusagen „auf Kante“ arbeiten muss, bereitet den dortigen Verantwortlichen einiges Kopfzerbrechen – zumal für Meinerzhagen eine weitere Besonderheit festzustellen ist. Für die sogenannte U-3-Betreuung mit Krippenplätzen weist Meinerzhagen mit einer aktuellen Versorgungsquote von nur 7,9 Prozent kreisweit den mit Abstand schlechtesten Wert auf. Bezogen auf den Zuständigkeitsbereich des Kreisjugendamtes liegt diese Quote bei 17,4 Prozent. Für das gesamte Kreisgebiet, also einschließlich der größeren Städte mit eigenen Jugendämtern, liegt die U-3-Versorgungsquote bei 18,5 Prozent – jeweils bezogen auf ein Platzangebot in Höhe von 35 Prozent aller Kinder zwischen 0 und 3 Jahren.

In absoluten Zahlen sieht es für Meinerzhagen so aus: Es gibt momentan 494 Kinder, die für eine U-3-Betreuung in Frage kommen würden. Zur Verfügung stehen an den heimischen Kindertagesstätten aber derzeit nur 39 Plätze. Genutzt werden können darüber hinaus bei elf aktiven Kindertagesmüttern noch weitere 13 U-3-Plätze. Dadurch erhöht sich die Versorgungsquote aber auch nur auf 10,5 Prozent.

Eingerechnet sind in diese Zahlen bereits die sechs Plätze, die für das neue Kindergartenjahr am DRK-Kindergarten Korallenriff geschaffen wurden. Weitere sechs Plätze sollen für das Kindergartenjahr 2013/14 am Katholischen Kindergarten St. Martin eingerichtet werden.

Ab 2013 besteht ein Rechtsanspruch auch für Eltern von U-3-Kindern auf einen Betreuungsplatz. Ob diesem dann in jedem Einzelfall in Meinerzhagen entsprochen werden kann, scheint zumindest fraglich.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund Region Ruhr-Mark hat vor dem aktuellen Hintergrund gerade einen verbindlichen Ausbauplan für Krippenplätze gefordert. In einer Pressemitteilung dazu heißt es unter anderem: „In einem Jahr soll für jedes Kind ein Krippenplatz zur Verfügung stehen. Im MK-Kreis gibt es derzeit für die 10 315 Kinder unter 3 Jahren 1 915 Plätze. Eine Versorgungsquote von 18,5 Prozent. Dies geht aus Zahlen der Landesregierung hervor. Um die Vorgaben des Bundes mit 35 Prozent zu erfüllen, fehlen noch 1 696 Plätze. Im Bundesgebiet fehlen 230 000 um die selbstgesteckten Ziele in Bund, Land und Kommunen zu erfüllen. Der DGB fordert daher einen verbindlichen Ausbauplan. „Die Quote von 35 Prozent ist noch lange nicht ausreichend um jedem Kind einen Krippenplatz zu gewährleisten. Aber selbst von diesem Ziel sind die Kommunen weit entfernt. Die Jugendämter im MK-Kreis wollen bis zum nächsten Jahr weitere 237 Plätze schaffen. Das reicht lange nicht aus, ist aber für die Städte und den Kreis ein finanzieller Kraftakt, der Respekt verdient,“ so DGB-Regionsvorsitzender Michael Hermund.

So oder so – die U-3-Betreuung stellt alle Verantwortlichen vor große Herausforderungen. In Meinerzhagen dürften sich die Verantwortlichen ganz besondere Gedanken machen, ob die zum neuen Kindergartenjahr eingetretene Entwicklung nur ein vorübergehendes Phänomen bleibt. „Es könnte wirklich sehr eng werden, wenn sich das so fortsetzen sollte“, konstatiert Matthias Sauerland vom Kreisjugendamt. Deshalb werde man weiter in engem Kontakt mit den freien Trägern der vorhandenen Einrichtungen sowie der Stadt Meinerzhagen bleiben, kündigte er an. ▪ -fe

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