Telefonzellen werden zu Raritäten

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Angesichts der Verbreitung von Smartphones sind Telefonzellen auf dem Rückzug. Eine der wenigen Telestationen in Meinerzhagen befindet sich in der Derschlager Straße.

Meinerzhagen - So wie in den eigenen vier Wänden kaum noch jemand ein – vielleicht sogar moosgrünes – Telefon mit Wählscheibe verwendet, so sind im öffentlichen Raum die Telefonzellen im Gelb der Bundespost zu einer Rarität geworden.

Um heutzutage noch eine solche alte Telefonzelle zu finden, muss man entweder sehr lange suchen oder braucht einfach Glück. Doch in Zeiten von Smartphones sind nicht nur die Uralt-Fernsprecher immer seltener geworden, sondern Telefonzellen an sich.

Die Scherben eines eingeschlagenen Seitenfensters liegen auf dem Boden der Telefonzelle, im Fußbereich wurde die Verkleidung aufgerissen, das Herzstück – das Telefon – fehlt. Rund um das alte gelbe Telefonhäuschen an der Mühlenbergstraße stehen grüne Papiermülltonnen. Das Bild hat etwas Symbolisches, denn viele öffentliche Fernsprecher gibt es in Meinerzhagen nicht mehr. 

In der Innenstadt steht beispielsweise noch eine Telestation, also eine Telefonsäule, in der Derschlager Straße. An der Stadthalle gab es auch eine solche Säule, die jedoch im Zuge der Baumaßnahmen entfernt wurde. Nach MZ-Informationen wurde diese aber nicht ersatzlos gestrichen. Vor Betten Lienenkämper soll Ersatz geschaffen werden, das Fundament ist schon gegossen. Am Gesamtbefund – dem Rückzug der Telefonzelle – ändert das jedoch nichts. 

„Die Bedeutung der Telefonzelle hat mit dem Siegeszug des Handys abgenommen“, sagt Andre Hofmann, Pressesprecher bei der Deutschen Telekom. „Statistisch gesehen hat jeder Deutsche mindestens ein Handy. Die Notwendigkeit für öffentliche Telefonzellen nimmt dementsprechend ab.“ 

Es gebe aber immer noch Orte mit einer hohen Nutzung von Telefonzellen, etwa Flughäfen oder Bahnhöfe. Regionale Zahlen zur Versorgung mit Telefonzellen würden nicht veröffentlicht, teilt das Kommunikationsunternehmen mit. Bundesweit betreibt die Deutsche Telekom bundesweit noch rund 20 000 Telefonzellen. Darüber hinaus gebe es noch Alternativanbieter, wie die Telekom mitteilt. 

Dass das Unternehmen sein Netz an öffentlichen Fernsprecher zurückbaut, hat auch finanzielle Gründe, denn der Unterhalt einer Telefonzelle kostet Geld, etwa für Strom, Standortmiete und Wartung. Mit der Bundesvereinigung der kommunalen Spitzenverbände habe die Telekom aus diesem Grund vereinbart, dass sie Städte und Gemeinden wegen eines Abbaus ansprechen darf, wenn auf deren Gebiet extrem unwirtschaftliche öffentliche Fernsprecher mit einem Umsatz von weniger als 50 Euro pro Monat stehen. 

„Der Umsatz ist ein klares Indiz dafür, dass der Wunsch nach einer Grundversorgung durch die Bevölkerung an dieser Stelle offensichtlich nicht mehr besteht“, sagt Telekom-Sprecher Hofmann. „Der Kunde ist der Architekt des Telefonzellen-Netzes.“ 

Wenn die Gemeinde trotzdem an einem Standort festhalten wolle, werde über eine kostengünstige Alternative wie etwa ein Basistelefon gesprochen. Die Gemeinden würden immer von der Telekom informiert, es werde nichts einfach so „über Nacht“ abgebaut, sagt der Telekom-Sprecher. 

Alte Telefonstationen werden fachgerecht entsorgt, beziehungsweise Ersatzteile daraus gewonnen. Es gibt allerdings auch die Möglichkeit, eine alte Telefonzelle von der Telekom zu kaufen. Informationen über Preise und Konditionen gibt es unter info@telekom.de.

Die Redaktion möchte in diesem Zusammenhang die ehemaligen Telefonzellen im Stadtgebiet einmal in Erinnerung rufen. Wer kann sich denn noch an die alten Standorte in Meinerzhagen und Valbert erinnern? Gab es auch Fernsprecher in den Außenbezirken? Wenn ja, wo standen sie? Wer verbindet sogar besondere Erlebnisse mit den gelben Telefonhäuschen in seiner Heimat? Und falls jemand eine ausrangierte Telefonzelle erworben hat, wie wird diese genutzt? Per Telefon 0 23 54/92 71 40 oder per E-Mail an mz@mzv.net sammelt die Redaktion die Erinnerungen der Leser.

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