Norbert Patent empfängt dramatischen Hilferuf

Von der Goethestraße aus leitete Norbert Patent die Rettungsaktion auf Kodiak ein.

MEINERZHAGEN ▪ „Mayday. We need help. We need a doctor!“ Als der Meinerzhagener Amateurfunker Norbert Patent am 23. Juli gegen 17.30 Uhr diesen Notruf in seinem Haus an der Goethestraße empfing, schrillten bei ihm sofort alle Alarmglocken.

 Das internationale Notrufsignal „Mayday“ gilt weltweit – es genießt höchste Priorität. In diesem Fall befanden sich die Absender auf der Insel Kodiak, südlich von Alaska im Pazifik gelegen. Und tatsächlich ging es am anderen Ende der Welt um Leben und Tod.

Die drei Russen Alexander Kuznetsov, Yuri Sushkin, Yuri Zaruba und ihr amerikanischer Amateurfunk-Kollege Merle Elson hatten Kodiak als Ziel einer „Expedition“ auserwählt. Hier wollten sie ihre mobile Funkstation aufbauen und einige Tage „auf Sendung gehen“. In Funkerkreisen ist so etwas üblich. Funkkontakte zu möglichst exotischen Orten sind begehrt, die Antwortkarten, die vom Betreiber der Station nach einem Kontakt zum jeweiligen Gesprächspartner verschickt werden, sind heiß begehrt.

An ihr Hobby dachten die vier Funker am 23. Juli jedoch nicht, als Expeditionsmitglied Merle Elson plötzlich über starke Schmerzen im Brustbereich klagte. Er hatte eine Herzattacke erlitten und benötigte dringend ärztliche Hilfe – und das mitten in der Wildnis.

Die drei Russen reagierten rasch und setzten dabei auf ihre einzige Hoffnung: Ihr Funkgerät. Sie richteten ihr „Mayday“ gezielt an Hilfskräfte aus Nordamerika – ohne zu wissen, dass die Funkbedingungen es am 23. Juli überhaupt nicht zuließen, eine Verbindung zu Funkern in ihrer Nähe aufzubauen. Doch einer hörte ihre verzweifelten Hilferufe: Norbert Patent von der Goethestraße. „Da saß ich dann und musste so schnell wie möglich handeln“, erinnert sich Patent noch genau an die Ereignisse. DG1NPM, so Patents Funkkennung, bestätigte zunächst den Empfang und versprach den vier Männern in Alaska Hilfe. Der Volmestädter kontaktierte sofort den amerikanischen Amateurfunkverband ARRL. Das geschah erst mit Hilfe der Radiowellen und später per E-Mail und Telefon. „Der ARRL hat ein großes Notfunknetz und steht ständig in Verbindung mit Polizei und Hilfsdiensten. Supervisor Steve Ewald war mein Gesprächspartner. Ihm habe ich den Notruf gemeldet“, erinnert sich Patent.

Was dann passierte, weiß der Meinerzhagener nicht ganz genau. Fakt ist jedenfalls, dass inzwischen auch andere Funker Kontakt zu den Hilfesuchenden auf Kodiak hatten und Steve Ewald eine Rettungsaktion einleitete. In einem Info-Brief auf seiner Homepage berichtet der Deutsche Amateur-Radio-Club, dass die amerikanische Küstenwache Merle Elson barg und ihn in ein Krankenhaus brachte. „Ihm soll es nach ärztlicher Behandlung wieder besser gehen“, heißt es weiter. Gerüchten zufolge, so Patent, habe Elson die Expedition sogar fortsetzen wollen. „Es wurde gesagt, dass seine Frau aber etwas dagegen hatte“, schmunzelt Patent. Der Volmestädter wollte seinen Einsatz eigentlich auch nicht „an die große Glocke hängen“. Dass es dem Opfer der Herzattacke aber inzwischen wieder gut geht und er selbst maßgeblichen Anteil an der Rettung eines Menschenlebens hat, freut Patent sehr: „Ein gutes Gefühl“, ist der Meinerzhagener zufrieden.

Kontakt zur ISS

Seit vielen Jahren betreibt Patent das Amateurfunk-Hobby – und das sehr intensiv. Dem Funk verdankt er auch einige außergewöhnliche Erlebnisse. So werden nur wenige Meinerzhagener wissen, dass ein Bürger dieser Stadt schon eine Funkverbindung zur internationalen Raumstation ISS hatte. Norbert Patent gelang dieses Kunststück bereits im Januar 2006. Beim Überflug über Europa öffnete sich ein „Funkfenster“ für die Dauer von etwa 15 Minuten. Patent funkte NA1SS an – Kommandant William McArthur antwortete und schickte Grüße an DG1NPM in Meinerzhagen. Die QSL-Antwortkarte, als Bestätigung für diesen außergewöhnlichen Kontakt, landete einige Wochen später im Briefkasten an der Goethestraße. „Damals hatte ich wirklich Glück. Zwar haben alle Astronauten eine Funkausbildung, doch McArthur ist begeisterter Hobby-Amateurfunker. Deshalb nutzte er seine Freizeit in der Station, um die Erde anzufunken“, freut sich Patent noch immer über die Stimme aus dem All. ▪ beil

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare