Die Forellenseuche ist auf dem Vormarsch

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Forellen sind in Flüssen, Seen und Teichen von der Krankheit bedroht.

Meinerzhagen/Kierspe - Die Forellenseuche ist eine Virusinfektion. Und sie scheint auf dem Vormarsch zu sein. Noch hat die „Virale Hämorrhagische Septikämie“ den Märkischen Kreis allerdings wohl nicht erreicht.

Denn: Im Lüdenscheider Kreishaus wurden noch keine Fälle der Erkrankung, die vornehmlich Regenbogenforellen befällt, gemeldet. Und das wäre Pflicht, sollte ein Angler oder Teichbesitzer ein krankes Tier bemerken. Glotzaugen und dunkle Färbung – daran lässt sich die Seuche in der Regel gut erkennen. 

Torsten Scheider ist Besitzer der Forellenzucht Wehetal. Auch er ist besorgt und tut alles, um die Seuche von seinen Fischen fernzuhalten. Scheider verkauft auch Jungfische. Im Becken seines Bruthauses schwimmen etwa 60 000 kleine Forellen, in den Teichen zusätzlich ungefähr 20 000 größere Exemplare. Immer dann, wenn er Besatzfische an andere Gewässer ausliefert, ist danach Desinfektion angesagt. „Das betrifft Transportbehälter, Geräte wie Kescher und Kleidung.“ Und wenn Kundschaft in seine Anlage in der Schnörrenbach kommt, dürfen keine mitgebrachten Utensilien wie Eimer benutzt werden. 

Betroffen von der Forellenseuche waren seine Tiere noch nie. Wenn das so käme, wäre das für ihn der „Supergau“: „Die Fische sind nicht zu heilen und die Überlebenden sind Virusträger. Und die Teiche und Becken müssten geleert und desinfiziert werden“, weiß er. Hendrik Klein ist Pressesprecher des Märkischen Kreises. Er berichtet, dass auch dann eine Gefahr besteht, wenn sich die Seuche in einem Teich mit Setzlingen ausbreite. „Diese Fische werden an Zuchtbetriebe verkauft – und so verbreitet sich die Krankheit.“ Da ein Forellenteich einen Zu- und Ablauf habe, könne das Virus so in andere Gewässer gelangen.

Experten des Landes-Fischereiverbands Westfalen-Lippe (LFV) machten bei einem Informationsaustausch mit Angler- und Fischereigenossen im Soester Kreishaus auf die Gefahr aufmerksam. Journalist Björn Winkelmann sprach mit Dr. Michael Möhlenkamp, Geschäftsführer des LFV, über Risiken und Vorsichtsmaßnahmen.

Herr Möhlenkamp, was ist die Forellenseuche, und wie äußert sie sich?

Michael Möhlenkamp: Es handelt sich um eine Virusinfektion, die vor allem bei Salmoniden und dort besonders bei Regenbogenforellen auftritt. Typische Symptome sind unter anderem eine Dunkelfärbung sowie hervortretende Augen, sogenannte Glotzaugen. Im weiteren Verlauf kann es zu Blutungen in der Muskulatur kommen. Aber auch einige innere Organe können betroffen sein. Die Erkrankung führt zu hohen Verlustraten in den Forellenzuchtbetrieben.

Woher stammt das Virus, und wie wurde es eingeschleppt?

Möhlenkamp: Im Friedrich-Loeffler-Institut versucht man das gerade genau herauszufinden. Eine Vermutung ist, dass es über Fische aus dem Ausland zu uns gelangt ist. Sie waren infiziert und sind auf dem Handelsweg zu uns gekommen. 

Welche Bestände sind besonders gefährdet?

Möhlenkamp: Besonders problematisch ist das Virus für Bestände in den Forellenzuchtanlagen. Dort leben die Forellen dicht beieinander – für eine Übertragung ideal. Aber auch Wildfische können betroffen sein, müssen aber nicht erkranken. Zum Teil sind sie nur Träger des Virus und verbreiten es weiter. Das gilt auch für andere Fischarten, die Träger sein können, ohne dass die Krankheit ausbricht.

Auf welche Weise läuft eine Infektion ab?

Möhlenkamp: Zum einen durch direkten Kontakt der Tiere untereinander. Zum anderen durch Wasser beziehungsweise feuchte Stiefel, Netze und Kescher. Deshalb ist es sehr wichtig, dass die Materialien vor Verwendung in einem anderen Gewässer gut durchgetrocknet werden, um eine Übertragung zu unterbinden. Gerade jetzt steht die Besatzsaison bevor. Wichtig ist, dass Vereine ihre Fische von Züchtern beziehen, zu denen sie ein Vertrauensverhältnis haben. Sie sollten sich nach Möglichkeit ein aktuelles Gesundheitszeugnis zeigen lassen. Entscheidend ist, dass die Fische in den Betrieben selber erzeugt wurden und nicht zugekauft und über lange Strecken transportiert wurden. So ist die Sicherheit am höchsten, dass gesunde Tiere mit guter Kondition in die Gewässer besetzt werden.

Besteht durch das Virus eine Gefahr für Menschen?

Möhlenkamp: Nein, auf keinen Fall. Sogar erkrankte Tiere dürfen noch geschlachtet und vermarktet werden. Dies ist allerdings nur möglich, wenn das Stadium der Einblutungen in die Muskulatur noch nicht erreicht ist.

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