Niederschläge lassen Genkeltalsperre überlaufen

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Martin Lichtinghagen (von links), Reinhard Schleicher und Hubert Scholemann vom Aggerverband an der Kante der Hochwasserentlastung an der Genkeltalsperre.

Meinerzhagen/Gummersbach - Die Sturmnacht auf Mittwoch hat die Genkeltalsperre zum Überlaufen gebracht. Seitdem fließen anderthalb Kubikmeter oder 1500 Liter pro Sekunde zur Aggertalsperre ab. Anlass zur Besorgnis ist das allerdings nicht. Ein Überlaufen der Trinkwassertalsperre alle paar Jahre ist eingeplant.

„Wir liegen 15 Zentimeter über Vollstau“, sagt Martin Lichtinghagen, stellvertretender Talsperrenmeister an der Genkel. Der Vollstau – das heißt, wenn die Talsperre randvoll ist – liegt bei einer Höhe von 327,50 Metern über dem Meeresspiegel. Über Nacht fielen 20 Zentimeter Niederschlag, sodass das Vollstau-Niveau um 15 Zentimeter übertroffen wurde. Irgendwann in der Nacht, vermutlich gegen 23 Uhr, begannen die Wassermengen über die Kante der Hochwasserentlastung zu fließen und durch den Kanal Richtung Tosbecken zu schießen und von dort aus weiter zur Aggertalsperre.

Die Niederschläge der letzten Zeit hätten eine Rolle beim jetzigen Überlaufen der Genkeltalsperre gespielt, sagt Hubert Scholemann, Abteilungsleiter Talsperren und Fließgewässer beim Aggerverband. „Gravierender ist aber, dass der Boden total gesättigt ist.“ Alles, was an Niederschlag falle, fließe also ab, da die Böden nichts mehr aufnehmen könnten. „Der Schwamm ist voll.“

Dadurch seien viele Bäume bereits umgestürzt oder drohten entwurzelt zu werden. „Seit heute Morgen haben wir Anrufe im Minutentakt“, berichtet Scholemann. 18 Mitarbeiter seien im Gebiet des Aggerverbands, der für 3000 Kilometer an Gewässern verantwortlich ist, voll im Einsatz. „Sie müssen zum Beispiel Bäume aus Gewässern bergen, damit sie nicht abgetrieben werden und vor Brücken oder Durchlässen hängen bleiben und dort für Stauungen sorgen.“

Das letzte Überlaufen der Trinkwassertalsperre liegt etwa vier Jahre zurück, sagt Scholemann. „Da ist es nur drüber getropft. In dieser Größenordnung haben wir das circa alle zehn Jahre.“

Ein Betriebsplan, der 2005 für Agger und Genkel aufgestellt wurde, sehe vor, dass die Genkeltalsperre möglichst immer gut gefüllt sei, erläutert Scholemann. „Man geht damit das Risiko ein, dass sie mal überläuft.“ Das fange aber die darunter gelegene Aggertalsperre auf.

Die beiden Talsperren haben unterschiedliche Zwecke. Die Genkeltalsperre habe keine Hochwasserschutzaufgaben, sondern nur Trinkwasseraufgaben. Etwa 250 Liter pro Sekunde werden zur Trinkwasseraufbereitung abgeleitet. Da die Genkel aktuell so viel Wasser führt, fließen weitere 295 Liter pro Sekunde durch die Turbinenanlage, um Strom zu erzeugen.

Die Aggertalsperre dagegen diene dem Hochwasserschutz für die darunter gelegenen Ortschaften, sodass man die Pegel immer im Blick behalten müsse. In Rebbelroth sei laut Scholemann zwischenzeitlich die erste von drei Warnmarken (80 Zentimeter) übertroffen worden. Die Agger abwärts in Overath liege der Pegel mit 233 Zentimetern knapp unter der zweiten Warnmarke. Noch wird die Entwicklung der Pegel abgewartet. Die Wasserabgabe aus der Aggertalsperre wurde gestoppt. „Wir werden in den nächsten Tagen die Wasserabgabe wieder beginnen“, sagt Reinhard Schleicher, Betriebsingenieur für Talsperren beim Aggerverband.

Ein Überlaufen der Agger sei aber nicht zu befürchten, sagt Scholemann. Dort seien noch 4,5 Millionen Kubikmeter Platz, das Wasser stehe noch etwa vier Meter unterhalb der Hochwasser-Entlastungsanlage. Das letzte Überlaufen liege bereits einige Jahrzehnte zurück und nach dem neuen Betriebsplan, erklärt Scholemann, laufe sie rechnerisch nur noch alle 256 Jahre über.

Genkeltalsperre

Die über die Zuflüsse Genkel und Grotmicke gespeiste reine Trinkwassertalsperre liegt sowohl auf Meinerzhagener als auch Gummersbacher Stadtgebiet. Sie wurde 1954 in Betrieb genommen. Sie hat ein Speichervolumen von 8,2 Millionen Kubikmetern. Ist sie randvoll gefüllt, liegt der Wasserpegel in einer Höhe von 327,50 Metern über dem Meeresspiegel. Die Genkeltalsperre fließt in die Aggertalsperre ab. Die Agger speist die Sieg, die wiederum in den Rhein mündet.

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