Millionenprojekt wird im Ausschuss vorgestellt

Neue Straße (grau), Volmeplatz (hellgrün), neuer Kreisverkehr und freigelegte Volme. Detailplanung und Umsetzung: 2014/2015.

MEINERZHAGEN ▪ Das Jahrzehnte-Bauprojekt „Urbanität“ beschäftigte den städtische Ausschuss für Planung, Stadtentwicklung, Verkehr und Umwelt – und zwar so intensiv, dass das Gremium fast vier Stunden Zeit aufwendete, um sich mit den Details zu befassen.

Und die haben es in sich: Ein neues Verkehrskonzept rund um die Stadthalle mit dem Bau einer ganz neuen Straße parallel zur B 54, die Offenlegung der Volme im Bereich Stadthalle neben der Bundesstraße, der Bau eines Stadtplatzes zwischen Stadthalle und „Aldi-Dach“ und ein neuer Kreisverkehr an der Lindenstraße/Birkeshöhstraße/Teichstraße sind Kernpunkte der Planungen.

Zu jeder Einzelmaßnahme wurde am Dienstag ein Experte begrüßt, der – gemeinsam mit städtischen Baufachleuten – mit den Planungen beschäftigt ist. Das Planungsbüro Runge und Küchler aus Düsseldorf befasste sich mit dem gesamten Verkehrskonzept, die Ingenieure Bramey und Bünermann aus Dortmund und Schalksmühle haben die Offenlegung der Volme bearbeitet und Hans-Joachim Hamerla vom Büro Architektur, Stadtplanung, Stadtentwicklung Hamerla, Gruß-Rinck, Wegmann und Partner aus Düsseldorf beleuchtete die Gesamtmaßnahme in all ihren Zusammenhängen. Die Baumaßnahme ist Bestandteil des Strukturförderprogramms Regionale 2013 und gehört zum Projekt „Oben an der Volme“.

Vor dem Haupteingang der Stadthalle führt die vierspurige Straße „An der Stadthalle“ vorbei. Die soll, so die Planungen, komplett geschlossen werden. Auf dieser Fläche und im Bereich der Parkplätze an der Seite der Stadtbücherei entsteht der „Stadtplatz Volmemarkt“. Als Ersatz und Innenstadt-Anbindung soll eine neue Straße gebaut werden, mit einer Breite von 6,50 Metern. Die zweigt an der Einmündung Volmestraße/Hit-Markt ab und verläuft dann parallel zur B 54 bis zum neuen Kreisverkehr Birkeshöhstraße/Lindenstraße/Teichstraße/Hauptstraße. Verkehrstechnisch sei das die optimale Lösung, bescheinigte das Büro Runge und Küchler. Der „Knackpunkt“: An der Stadthalle fallen von insgesamt 360 Parkplätzen 100 weg. Hier sehen sowohl Teile des Einzelhandels als auch die CDU und Grüne/Bündnis 90 noch Beratungsbedarf.

Die Volme fließt am Rande des Stadthallen-Geländes unter der Erde durch Rohre. Auch das soll sich ändern. Sie wird an die Oberfläche geholt und „erlebbar“ gemacht – und zwar neben der neuen Straße. Eine komplette Renaturierung ist aus Platzgründen nicht möglich, zum Straßen-Neubau hin ist eine Trennwand nötig. Dennoch sollen die Böschungen und Bepflanzungen an den Ufern ein möglichst natürliches Bild vermitteln. Nicht einmal ein Geländer soll an der Stadthallen-Seite den Blick auf den Fluss stören. Für die Grünen ist das zwar eine Verbesserung, aber dennoch nicht optimal. Paolino Barone hätte gern so viel Raum für den Wasserlauf, dass er ganz frei fließen kann, ohne störende Stützmauer an der Seite zur Straße. „Nicht machbar, aus Platzgründen“, erläuterte der städtische Fachbereichsleiter Jürgen Tischbiereck.

Noch mehr Wasser soll das neue Zentrum einmal weiter aufwerten. Nach dem Vorbild der Freiburger „Bächle“ ist eine Rinne, gespeist aus dem Teich im Stadtpark, für den „Volmemarkt“ geplant. Bei Veranstaltungen oder dem Wochenmarkt, der hier ebenfalls stattfinden soll, könne der schmale Wasserlauf ohne großen Aufwand abgedeckt werden, befanden die Experten.

Große Pläne verursachen große Kosten – so auch im Fall des Innenstadt-Umbaus. So beträgt allein die „Gesamtsumme Städtebauförderung“ (inklusive Volmemarkt und neue Verkehrsführung) 2 179 000 Euro. Die „Offenlegung der Volme“ ist mit 1 332 000 Euro veranschlagt. Weitere kleinere Maßnahmen wie der Umbau der Volmestraße (172 000 Euro), die Herrichtung des Parkplatzes östlich Stadthalle (170 000 Euro) oder der Neubau der Haltestellen an der Stadthalle (100 000 Euro) kommen hinzu. Die Eigenmittel der Stadt für das Maßnahmenbündel zum Umbau des Stadthallenumfeldes betragen nach jetzigem Stand 1 331 000 Euro, der Rest soll aus Zuschüssen finanziert werden.

„Für die Stadt ist diese herausragende Maßnahme eine so große Chance, wie wir sie lange nicht gehabt haben“, freute sich Bürgermeister Erhard Pierlings über das Projekt. Zwar sehen CDU und Grüne/Bündnis 90 noch Beratungsbedarf bei Details, SPD und FDP freuen sich allerdings vorbehaltlos. Anke Wiebrock (UWG) hakte bei der Offenlegung der Volme und der Wasserrinne auf dem Volmeplatz nach. Die Gesamtmaßnahme wird in der nächsten Ratssitzung nun „nachberaten“, ein positives Signal konnte die Verwaltung jedoch bereits aus der Fachausschusssitzung mitnehmen. Und natürlich sollen auch die Bürger zu Wort kommen, ihnen werden die Maßnahmen zu einem noch nicht bestimmten Zeitpunkt vorgestellt.

Wenn ein positives Ratsvotum vorliegt, wovon seit Dienstag auszugehen ist, kann die Stadt das Projekt weiter vorantreiben, Förderanträge stellen und weitere Schritte und Planungen zur Umsetzung veranlassen. ▪ beil

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