Probleme durch den Lockdown

Fahrschulen sind erneut verwaist

Das geht in heutigen Zeiten nicht mehr, dass Fahrschullehrer und Fahrschülerin ohne Maske gemeinsam im Auto unterwegs sind.
+
Das geht in heutigen Zeiten nicht mehr, dass Fahrschullehrer und Fahrschülerin ohne Maske gemeinsam im Auto unterwegs sind.

Während der Arbeit eine FFP2-Maske zu tragen, ist Deutschlands Fahrlehrern längst in Fleisch und Blut übergegangen.

Meinerzhagen – Lüften und Desinfizieren gehört in Pandemie-Zeiten ebenfalls zum Standardprogramm, und dass die Atemschutzmaske auch für den Fahrschüler Pflicht ist, versteht sich von selbst. Der neuerliche Lockdown hat Alltag und Einnahmesituation der heimischen Fahrschulen aber wieder signifikant verändert.

Verwaiste Räume

Weil die Fahrschulen nun gemäß Corona-Schutzverordnung geschlossen sind, sind die Räume, in denen bis vor einigen Wochen unter den einschlägigen Hygieneauflagen noch Theorie-Unterricht stattfand, verwaist. „Stattdessen bieten wir Online-Unterricht an“, erzählt Hüseyin Aksoy, der an den Standorten Meinerzhagen, Gummersbach und Bergneustadt eine Fahrschule betreibt. Bis zu 25 Teilnehmer schalten sich dabei über das Video-Tool Zoom zu einer virtuellen Fahrschulklasse zusammen.

Das Praxis-Segment hingegen liegt in weitesten Teilen brach. Hinters Steuer dürfen nur noch Schülerinnen und Schüler, die bereits „prüfungsnah“ sind, wie es im schönsten Amtsdeutsch heißt. Als „prüfungsnah“ gelten Absolventen, die bereits mehr als die Hälfte ihrer praktischen Pflichtstunden hinter sich gebracht haben. Diesen Fahrschülern ist es gestattet, ihre Ausbildung abzuschließen – die finale Prüfung inklusive, für die Hüseyin Aksoy seit Jahren mit dem TÜV Rheinland zusammenarbeitet, den er ausdrücklich für dessen Engagement in dieser schwierigen Zeit lobt. Darüber hinaus darf lediglich noch die Ausbildung von Berufskraftfahrern wie gewohnt stattfinden.

Erhebliche Einbußen

Dass aus den Corona-Schutzvorgaben erhebliche finanzielle Einbußen für die Fahrschulen resultieren, liegt auf der Hand. „Jeder Fahrlehrer kommt im Monat auf 160 bis 200 Fahrstunden, und der Großteil davon entfällt auf Fahranfänger, die derzeit nicht unterrichtet werden dürfen“, gewährt Hüseyin Aksoy einen Einblick und stellt für sich selbst fest: „Glücklicherweise bin ich schon etwas länger im Geschäft.“ Soll heißen: Dank vorhandener Rücklagen wird die Fahrschule Aksoy die Corona-Krise überstehen. Für Existenzgründer, sprich: erst seit recht kurzer Zeit bestehende Fahrschulen, könnte es dagegen problematisch werden, zumal derzeit noch völlig ungewiss ist, wann wieder Normalität einkehren wird.

Lockdown als Problem

Für Hüseyin Aksoys Betrieb, der neben ihm selbst vier weitere Fahrlehrer sowie drei Büroangestellte umfasst, könnte die Einführung von Kurzarbeit kurz- bis mittelfristig zwar zum Thema werden. Doch der Blick des Fahrschulinhabers geht schon jetzt in die Zukunft: „Das eigentliche Problem sehe ich nach dem Lockdown“, sagt er.

Dann nämlich dürfen auch wieder Fahranfänger hinters Steuer, und weil diese momentan in der Warteschleife sind, wird die Zahl der Neu-Schüler dementsprechend hoch sein. „Wartezeiten dürften da unausweichlich sein“, lautet Hüseyin Aksoys Einschätzung. Denn die Zahl der Praxis-Stunden, die ein Fahrlehrer täglich geben darf, ist gedeckelt – Überstunden sind da nicht drin.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare