Allgemeinmediziner im Multimedicum

Neuer Mediziner soll Ärzte-Not lindern

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Das Team des Multimedicums nahm den „Neuen“ gestern in die Mitte: Marc Theissen (3. von links) unterstützt ab sofort Daniel Babczynski, Barbara Frieling und Claudius Bertram (von rechts). Froh über den zusätzlichen Allgemeinmediziner sind auch Oliver Drenkard von der MBG (links) und Bürgermeister Jan Nesselrath.

Meinerzhagen - Die Ärztelandschaft in Meinerzhagen beschäftigt viele Bürger, aber auch Kommunalpolitik und Stadtverwaltung seit Langem. Einzelne Fachrichtungen sind nicht vertreten, viele Allgemeinmediziner gehen in absehbarer Zeit in den Ruhestand. Da sind positive Nachrichten willkommen.

Die Gemeinschaftspraxis von Daniel Babczynski und Claudius Bertram im Multimedicum bekommt weiteren medizinischen Zuwachs: Neben Barbara Frieling wird ab Oktober auch Marc Theissen Patienten als Allgemeinmediziner zur Verfügung stehen. 

Der 49-jährige Lüdenscheider hat 20 Jahre als Chirurg in Attendorn und Kirchen (Sieg) gearbeitet, sich nach gesundheitlichen Problemen aber für den Quereinstieg in die Allgemeinmedizin entschieden. Eine richtige Entscheidung, wie er am Freitag bei seiner Vorstellung betonte. „Ich hätte das schon vor zehn Jahren machen sollen. Die Arbeit macht mir sehr viel Spaß“, betont Theissen, der – Ordnung muss in Deutschland sein – im Juli 2020 seine Weiterbildung beendet haben muss. 

Als Arzt steht Marc Theissen den Patienten des Multimedicums aber bereits ab 1. Oktober zur Verfügung. „Die Genehmigung traf erst vor zwei Stunden ein“, sagte Claudius Bertram am Freitagmittag erleichtert – wenngleich er entsprechende positive Signale schon vorher von den zuständigen Stellen erhalten hatte. 

Bertram ist sicher, dass die Erweiterung des Ärzteangebots im Multimedicum eine lohnende Investition in die Zukunft ist, denn: „Es gibt in Meinerzhagen viele ältere Kollegen, die bald in den Ruhestand gehen. Aber die Nachbesetzung von Landarztstellen ist eine Herausforderung. Mit Arbeitszeiten wie einst, als die ,Saurier‘ unserer Branche 80 Wochenstunden gearbeitet haben, kann man junge Kollegen nicht motivieren, sich hier anzusiedeln“, sagt der Allgemeinmediziner. 

Und so sei die demografische Entwicklung nicht nur auf Patienten-, sondern auch auf Medizinerseite eine Aufgabe, die es zu bewältigen gelte. „Die Patienten werden älter, zugleich bedeutet die Qualitätssteigerung der Medizin auch mehr Arbeit. Und auch der Verwaltungsaufwand erhöht sich.“ So sei das Modell der Gemeinschaftspraxis, wie es an der Volmestraße seit Anfang 2013 praktiziert wird, ein Modell mit vielen Möglichkeiten – die längst nicht ausgeschöpft sind. 

Sowohl Bertram als auch Bürgermeister Jan Nesselrath, der bei der Vorstellung des neuen Allgemeinmediziners am Freitag ebenfalls vor Ort war, wissen um die „Versorgungslücken“ in Meinerzhagen. Stichwort: Augen- oder HNO-Ärzte. 

Beide Fachrichtungen sind in Meinerzhagen nicht vertreten, da es laut Kassenärztlicher Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) in der Region keine Unterversorgung in diesem Bereich gibt. „Da genügt dem Gesetzgeber, wenn der 82-jährige Patient per Bus nach Lüdenscheid fahren kann – und sei es in eine Praxis, in die er mit dem Rollator gar nicht hineinkommt“, erklärt Claudius Bertram die bürokratischen Hürden. 

An Lösungen, um eventuell doch noch eine andere Fachrichtung im Ort anbieten zu können, arbeite man aber. Mehr verriet er gestern nicht. Doch die Unterstützung seitens der Stadt und der Meinerzhagener Baugesellschaft (MBG), die Eigentümer der Immobilie an der Volmestraße 2b ist, scheint ihm sicher. „Wir stehen Gewehr bei Fuß und helfen, wo wir können“, sagten Bürgermeister Jan Nesselrath und MBG-Geschäftsführer Oliver Drenkard gestern.

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