Neuer Apotheken-Notdienst gilt ab dem 1. Januar

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Christian Becker – ehemaliger Inhaber der Ihne-Apotheke – mit PTA Margret Sönnecken. ▪

MEINERZHAGEN ▪ Wenn am Jahresanfang der neue Apothekennotdienst in Kraft tritt (die MZ berichtete), werden das auch die Bürgerinnen und Bürger in Meinerzhagen und Kierspe zu spüren bekommen. Durch die Abschaffung der Notdienstbezirke und die dann geltende standortbezogene Regelung sind von den Hilfesuchenden unter Umständen längere Wege zu bewältigen.

Zuständig für diese Neuordnung ist die Apothekerkammer Westfalen-Lippe. Im Wesentlichen führen deren Verantwortliche zwei Beweggründe an, welche die Neuordnung notwendig gemacht haben. Zum einen sei es die erhebliche personelle und finanzielle Belastung der Apotheker durch den Notdienst und zum anderen die stetig zurückgehende Nachfrage durch die Kunden.

Aber auch die ständig sinkende Zahl der Apotheken selbst und die damit verbundene Verteilung der Notdienste spielen sicherlich eine Rolle. Insgesamt 2198 öffentliche Apotheken (das ist die niedrigste Zahl seit 1987) gibt es im Kammerbezirk Westfalen-Lippe, der die Regierungsbezirke Detmold, Münster und Arnsberg umfasst, derzeit noch.

Die bisher hier vorhandenen 95 historisch „gewachsenen“ Notdienstbezirke werden jetzt durch ein IT-gestütztes Gesamtsystem ersetzt, das alle Apotheken in Westfalen-Lippe berücksichtigt.

Über Westfalen-Lippe wird somit ein vollständiges Notdienstnetz gespannt. Vom Standort des Patienten wird im Umkreis von 15 Kilometern, quasi aus der Vogelperspektive, die nächstgelegene Apotheke festgelegt. Durch das neue Notdienstsystem verteile sich die Belastung künftig gleichmäßiger und das bei einer optimalen Flächenabdeckung, heißt es.

Die im Moment noch bestehende Schere zwischen Stadt-Apotheken (wenige Notdienste bei vergleichsweise erhöhter Patientenzahl) und Land-Apotheken (viele Notdienste bei vergleichsweise wenigen Patienten) soll sich damit deutlich verkleinern.

Für Kierspe und Meinerzhagen bedeutet der neue Plan im Januar insgesamt an sieben Tagen eine „ortsnahe“ Versorgung. An allen anderen Tagen des Monats, stehen im Nacht- und Notdienst für die Medikamentenbeschaffung beispielsweise Fahrten nach Attendorn, Lüdenscheid, Werdohl oder Plettenberg auf dem Plan.

„Eigentlich hätten wir aus unserer Sicht keine neue Regelung benötigt. Nach der Einführung des neuen ärztlichen Notdienstes mit den zentralen Notdienstpraxen an den Krankenhäusern, hat sich die Lage allerdings verändert“, erläutert Christian Becker. Becker war über 30 Jahre lang Inhaber der Ihne-Apotheke in Valbert.

„Wer als Notfall nach Lüdenscheid oder Attendorn fährt, wird sich verständlicherweise die zur Behandlung verordneten Medikamente auch in einer Notdienstapotheke am Standort besorgen“, so Christian Becker.

Als Notdienst-Kunden „übrig“ bleiben diejenigen, die ohne Rezept Arzneimittel benötigen. Im Verhältnis zu den „Rezeptkunden“ betrug deren Anteil in der Vergangenheit rund 60 Prozent.

Die Neuregelung des Apothekennotdienstes kann aber in bestimmten Fällen auch Vorteile mit sich bringen. Bisher wurden dem Hilfesuchenden bei der Notdienstsuche nur Apotheken in seinem Notdienstbezirk angezeigt, selbst wenn diese am anderen Ende der Stadt lagen.

Im Klartext bedeute dies: Der Patient aus Valbert musste sich unter Umständen auf den Weg zu einer Apotheke in Halver machen (rund 25 Kilometer). Im Rahmen der Neuregelung wird nunmehr auch eine Attendorner Apotheke für den Notfall benannt.

Ähnlich wie bei der Einführung des neuen ärztlichen Notdienstes Anfang 2011 (hier gab es zum Teil erhebliches Durcheinander), wird auch beim neuen Apothekennotdienst erst nach einer gewissen „Eingewöhnungsphase“ beurteilt werden können, wie sich die Veränderungen für die Betroffenen auswirken. Information über den Notdienst und den Notdienstplan selbst gibt es unter http://www.akwl.de/index.php im Internet.

Von Jochen Helmecke

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