Schützen wütend: „Ignorante Holzköpfe“

Die Valberter Schützenvögel sind zwölf bis 14 Zentimeter dick – sie müssen wohl „abspecken“. ▪ Archivfoto: Schüller

MEINERZHAGEN/VALBERT ▪ „Ignorante Holzköpfe!“ Dominik Busch, Vorsitzender des Valberter Schützenvereines, kocht vor Wut. Ursache für den Gefühlsausbruch ist eine neue Verordnung aus dem Bundesinnenministerium in Berlin.

Die „Schießstandrichtlinie“ besagt unter anderem, dass der Rumpf von Schützenvögeln künftig höchstens 80 Millimeter dick sein darf.

Drohen an Volme und Ihne also künftig Königsschießen auf die Schützenflunder? Immerhin misst der Rumpf des Aars in Valbert zwischen zwölf und 14 Zentimeter. Wird künftig auf das Achtzig-Millimeter-Scheibchen – das auch noch aus Weichholz gefertigt sein muss – mit großkalibriger Munition angelegt, könnte es schnell vorbei sein mit dem Wettkampf um die Königswürde.

„Dann kann ich gleich mit einer Flitsche auf einen Styroporvogel schießen“, ereifert sich Busch, dem nach eigener Aussage der Kragen platzte, als er von der Neuerung aus der Bundeshauptstadt hörte. „Der Sauerländer Schützenbund hat mehr als 300 Mitgliedsvereine. Noch niemals ist dort bei Königsschießen irgendetwas passiert. Diese Sesselpupser saugen sich etwas aus den Fingern, nur um Schikane zu betreiben“, ist Busch davon überzeugt, dass die Neuregelung absolut überflüssig ist.

Doch was ist nun zu tun? Da ist auch Dominik Busch noch relativ ratlos. Einige Kreisschützenbunde seien bald „zur Audienz“ ins Bundesinnenministerium geladen um dort auch darzulegen, mit welcher Munition sie schießen und worauf genau. Vielleicht ergeben sich dann auch Gespräche zwischen allen Beteiligten, die einen Schritt weiterführen. „In diesem Zusammenhang appelliere ich an den gesunden Menschenverstand. Diese Leute sehen doch Probleme, wo keine sind“, hofft Busch auf Nachbesserungen. Seiner Meinung nach gibt es im Land dringendere Anliegen: „Die sollten sich Gedanken darüber machen, dass die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander klafft oder über die Pflegeversicherung. Stattdessen wird einem hier aber auch alles vorgeschrieben und die Mündigkeit der Bürger in Frage gestellt.“

In einem Gespräch mit der zuständigen Sachbearbeiterin „Schießstände“ bei der Polizei hat Stefan Schneider von der Schießkommission der Meinerzhagener Schützengesellschaft inzwischen folgendes erfahren: „Offiziell abgenommene Schießanlagen genießen Bestandsschutz bis zur nächsten Prüfung. Alle vier Jahre erfolgt eine solche Abnahme, wir haben also noch zwei Feste ,frei'.“ Das sieht in Valbert anders aus: Die nächste Abnahme ist vor dem diesjährigen Fest vorgesehen – aus dem Bestandsschutz wird also nichts.

In Meinerzhagen sieht man der Neuregelung in Bezug auf das eigene Fest ohnehin gelassen. Schneider: „Die Insignien unseres Schützenvogels sind kleiner als 80 Millimeter, außerdem schießen wir mit Kleinkaliber auf eine Halterung und nicht auf den Rumpf. Und die ist 60 mal 60 Millimeter groß. Trotzdem werden wir prüfen, ob die neue Richtlinie Auswirkungen auf uns haben könnte“, kündigt Schneider an. ▪ beil

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