Gemeinsamer Bürgermeisterkandidat von CDU und SPD will Ideenwettbewerb

Üben in Sachen Bürgermeisterkandidatur den Schulterschluss: Von links der SPD-Ortsvereinsvorsitzende Rainer Schmidt, Jan Nesselrath als der gemeinsame Bewerber der beiden großen Parteien und CDU-Stadtverbandsvorsitzender Thorsten Stracke. - Foto: vom Hofe

MEINERZHAGEN -  Der gemeinsame Bürgermeisterkandidat von CDU und SPD, Jan Nesselrath, zeigte sich auch am Tag nach seiner offiziellen Nominierung überglücklich über das so eindeutig ausgefallene Votum.

Von Horst vom Hofe

„Das war ein guter Start für mich. Und ich habe vor allem auch sehr großen Respekt vor den Mitgliedern der SPD, die mir die Chance gegeben haben, mich nun für dieses wichtige Amt bei der Kommmunalwahl 2014 bewerben zu können“, äußerte der 41-Jährige in einem gemeinsamen Pressegespräch im Beisein der beiden Parteivorsitzenden Thorsten Stracke (CDU) und Rainer Schmidt (SPD).

„Wir gehen mit einem gemeinsamen Bürgermeisterkandidaten an den Start, aber natürlich auch mit jeweils eigenständigen Kandidatenlisten für den Rat“, unterstrich Rainer Schmidt für die Sozialdemokraten. Er betonte in der Runde, dass nach Jahren großer Spannungen im Verhältnis zur Meinerzhagener CDU es in den nun zurückliegenden Monaten zu einer erfreulichen Annäherung im Bemühen um gute Lösungen für die Bürgerschaft gekommen sei. „Das Klima hat sich eindeutig gebessert, ist geprägt von gegenseitigem Respekt und Vertrauen“, unterstreicht auch Thorsten Stracke. Dies habe sich konkret bei den Beratungen über das von beiden Ratsfraktionen als für die Zukunft Meinerzhagens sehr bedeutsam angesehene Regionale-Projekt „Oben an der Volme“ gezeigt und bewährt, hebt auch Jan Nesselrath hervor. Ob er der einzige Bewerber um das Bürgermeisteramt bleiben wird, glauben alle drei Gesprächspartner der MZ nicht. „Ich rechne mit allem und werde mich jedem Mitbewerber gern stellen“, so Jan Nesselrath. Und er betont: „Noch ist die Entscheidung nicht gefallen. Sie liegt einzig und allein in den Händen der Bürgerschaft.“ Gemeinsam wollen CDU und SPD für Jan Nesselrath werben, getrennt aber auch für ihre eigenen Kandidatenlisten für den Rat kämpfen. „Bei aller Gemeinsamkeit werden beide Parteien natürlich auch ihre individuellen Eigenheiten und Stärken jeweils für sich bewahren“, erklärt Rainer Schmidt.

Jan Nesselrath hatte sich am Montag zunächst bei den Mitgliedern seiner eigenen Partei, danach auch bei der SPD mit folgenden, nahezu gleichlautenden Ausführungen vorgestellt und damit am Ende auch erfolgreich für seine Kandidatur geworben:

„In letzter Zeit ist ja bereits viel über die Kandidatur zum Bürgermeister diskutiert und insbesondere in der heimischen Presse geschrieben worden. Vor diesem Hintergrund freue ich mich, dass wir heute endlich Gelegenheit haben, über die Kandidatur zu sprechen. Sie, meine sehr verehrten Damen und Herren, müssen am Ende dieses Abends entscheiden, ob ich Ihr Bürgermeisterkandidat sein soll. Lassen Sie mich deshalb kurz einige Worte zu meiner Person sagen: 41 Jahre alt, verheiratet seit 2002, drei Töchter im Alter von zwei, vier und fünf Jahren. Besuch der Grundschule und des Gymnasiums in Meinerzhagen, Abitur im Jahr 1992. Bundeswehrzeit bei der Deutsch-Französischen Brigade. Studium der Rechtswissenschaften in Gießen, Referendariat am Landgericht Siegen. Berufliche Qualifikation: Volljurist. Rechtsanwalt seit 2004 mit eigener Kanzlei in Meinerzhagen. Im Rat der Stadt Meinerzhagen seit 2009.

Aufgrund der vielschichtigen Diskussionen in den vergangenen Wochen und Monaten will ich Sie davon überzeugen, dass ein gemeinsamer Kandidat von CDU und SPD für das Bürgermeisteramt der richtige Schritt ist, um unsere schöne Stadt in eine gute Zukunft zu führen. Denn damit haben wir die Chance, auf kommunaler Ebene das Parteienkalkül zurück zu fahren und unsere Lokalpolitik als das zu sehen, was sie eigentlich sein sollte: Ein Instrument, mit dem wir Ideen für unsere Stadt entwickeln und umsetzen. Ideen, die für die Entwicklung von Meinerzhagen und damit für die Bürgerinnen und Bürger von Meinerzhagen angemessen und gut sind.

Wir haben die Chance, gemeinsam die Sache in den Vordergrund zu stellen und uns um die Menschen in unserer Stadt zu kümmern, die unsere Hilfe benötigen.

Ich bin der festen Überzeugung, dass wir vieles erreichen und sowohl kurz- als auch langfristig zum Positiven verändern können, wenn wir unabhängig vom parteipolitischen Denken einen Wettstreit der Ideen zulassen und Lokalpolitik in ihrem eigentlichen Sinn machen. Denn dass parteiübergreifend gute Ideen entwickelt wurden, das habe ich für meinen Teil in den vergangenen Jahren an vielen Stellen erleben können.

Ich trete dafür an, dass auch in Zukunft gute Ideen für unsere Stadt gefunden und umgesetzt werden. Daher gehe ich auch davon aus, dass sich meine Ziele in der Politik gar nicht von Ihren politischen Zielen unterscheiden. Ich bin Meinerzhagener und habe mein ganzes Leben hier verbracht – von der Schule über den Aufbau unserer Kanzlei bis zum heutigen Tag, wo ich versuche, mit meiner Familie wieder ein neues Kapitel in meinem bzw. in unserem Leben aufzuschlagen. Aus all diesen Lebensphasen habe ich Menschen mitgenommen und weiß, welche Themen ihnen wichtig sind – seien es ältere Menschen, Berufstätige oder Familien. Und das prägt mein Bild von Meinerzhagen: Hier sind meine Wurzeln, hier ist und bleibt mein Zuhause. Ich bin gern hier und ich möchte hier auch bleiben.

Ich glaube aber auch, dass wir einige Themen anfassen und weiterentwickeln müssen, wenn wir wollen, dass diese Stadt lebenswert bleibt. Dabei denke ich natürlich auch an meine Kinder. Ich möchte, dass sich meine Kinder und die Kinderer anderer Meinerzhagener Familien künftig in Meinerzhagen genauso wohl fühlen, wie ich das in all den Jahren getan habe.

Für mich ist Meinerzhagen etwas Besonderes und ich weiß, dass es Ihnen genauso geht. Deshalb: Lasst uns das Wohl dieser Stadt langfristig sichern. Lasst uns gemeinsam die verschiedenen Interessen in dieser Stadt zusammenführen und gemeinsam das Bestehende bewahren und so weiterführen, dass sowohl wir als auch unsere Kinder auch in zwanzig oder dreißig Jahren noch gerne in Meinerzhagen leben. Denn: ,Wir haben keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir’. Das war ein biblisches Zitat aus dem Hebräerbrief – aktueller denn je, denke ich. Ich hoffe sehr, dass Sie mir Ihr Vertrauen schenken.“ Was dann auch geschah: Ein mit 30mal Ja einstimmiges Votum bei der CDU, eine deutliche Zustimmung mit 18mal Ja, zweimal Nein und vier Enthaltungen auch bei der SPD.

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