Flüchtlinge: Crone informiert sich über Situation vor Ort

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Sprachen gestern über die Möglichkeiten der Flüchtlingshilfe in der Stadt: (von links) Hermann-Josef Lobner (Arbeitskreis Flüchtlinge), Hans-Jürgen Vormschlag, Petra Crone, Susanne Berndt, Jan Nesselrath und Rolf Puschkarsky.

Meinerzhagen - Der Ärger über den Bund ist groß – und mit ihm die Sorge vor einem Bruch in der Willkommenskultur: Im Zuge der steigenden Flüchtlingszahlen fordert Bürgermeister Jan Nesselrath von Berlin eine 100-prozentige Kostenübernahme.

Unterstützung findet das CDU-Stadtoberhaupt ausgerechnet in Reihen der SPD: bei der SPD-Bundestagsabgeordneten Petra Crone, die gestern das Soziale Bürgerzentrum „Mittendrin“ besuchte.

Crone folgte einer Einladung des Awo-Ortsvereinsvorsitzenden Rolf Puschkarsky, der seinem Gast damit das breite Spektrum der Flüchtlingshilfe in Meinerzhagen darlegen wollte. Dies gelang zweifellos: Vor allem den etwa 60 Ehrenamtlichen des Arbeitskreises Flüchtlinge zollte die Abgeordnete großen Respekt. Deren Engagement in Sachen Sprachkurse oder Alltags-Begleitung sei ein wichtiges Zeichen der Gesellschaft. „Die Hilfsbereitschaft ist sogar größer als zu Zeiten des Balkan-Krieges“, erinnerte sich Crone gestern an ihr eigenes Engagement in der damaligen Flüchtlingshilfe in Kierspe.

Doch zugleich wächst bei den Verantwortlichen die Sorge davor, dass die Stimmung kippt: „Es kann nicht sein, dass alles auf das Ehrenamt abgeladen wird und Städte infolge der finanziellen Belastung an anderen Stellen sparen müssen“, betonte die Bundestagsabgeordnete, die ebenso wie Rolf Puschkarsky und Susanne Berndt vom Flüchtlings-Arbeitskreis eine bessere personelle wie finanzielle Unterstützung fordert. Und die sollte – wie auch Jan Nesselrath betont – durchaus vom Bund kommen. „Die Asylfrage ist ein Teil der Außen- und damit der Bundespolitik. Unsere Fraktion plädiert dafür, dass der Bund die Kosten daher übernimmt – doch CDU/CSU sind noch nicht so weit“, sagte Crone gestern. Und so sieht auch der Meinerzhagener Bürgermeister den Koalitionspartner der SPD in der Pflicht, die Städte und Gemeinden zu entlasten – und zwar vollständig. „Wir sind sonst der Selbstbedienungsladen am Ende der Kette“, sagt Jan Nesselrath, der als Beispiel die Übernahme der medizinischen Versorgungskosten nicht als städtische Aufgabe sieht – zumal oftmals auch eine psychologische Behandlung notwendig ist. Eine Aufgabe, die, wie Susanne Berndt betont, der Arbeitskreis fachlich nicht bewältigen könne.

Als Vertreter einer weiteren Instanz der Flüchtlingsbetreuung war gestern auch Hans-Jürgen Vormschlag vor Ort: Der Geschäftsführer des Diakonischen Werks im Evangelischen Kirchenkreis Lüdenscheid-Plettenberg wies auf Angebote wie das von Michael Wirth hin, der für die Diakonie einmal wöchentlich als Ansprechpartner im Sozialen Bürgerzentrum fungiert. Zudem habe das Diakonische Werk vom Land den Zuschlag als Psychosoziales Zentrum für Flüchtlinge erhalten – doch die (zu zwei Dritteln) geförderten anderthalb Stellen sind nicht nur für den Märkischen Kreis, sondern auch für den Kreis Olpe und den Hochsauerlandkreis vorgesehen. „Das ist Augenwischerei, damit man sagen kann, etwas getan zu haben“, kritisierte Jan Nesselrath.

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