Naturschutzgebiet Piwitt wird „herausgeputzt“

Die einmalige Landschaft am Piwitt braucht Schutz. Jetzt werden Arbeit und Geld investiert.

VALBERT ▪ „Der beste Naturschutz ist der durch unterlassen jedweder Einflussnahme durch den Menschen.“

Das Argument der Puristen unter den Naturschützern hat seine Gültigkeit dort, wo sich ursprüngliche, unberührte Areale erhalten haben. Wo sich aber, wie in etlichen unserer heimischen Naturschutzgebiete (NSG), erst durch menschliche Nutzung der Bereiche eine vielfältige, oft hochspezialisierte Flora und Fauna herausgebildet hat, geht diese verloren, sobald sich nach Aufgabe der Nutzung der Biotop verändert. Lässt man der natürlichen Entwicklung ihren Lauf, ist Verbuschung mit dem Endstadium Wald die Folge.

Anschaulich wird das im NSG „Piwitt“ in Valbert: Es wächst zu. Ein langfristiges Projekt zum Erhalt und zur ökologischen Aufwertung der Ebbemoore startete bereits vor vier Jahren in der „Grundlose“, einer der ältesten Vermoorungen im Ebbe. Im Zusammenwirken mit dem Landesbetrieb Wald und Holz nimmt der Fachdienst Naturschutz und Landschaftspflege des Märkischen Kreises jetzt das Piwitt in Angriff. „Die Unterschutzstellung, wie durch Landschaftsplan geschehen, reicht nicht aus, solche kulturhistorisch entstandenen Lebensräume langfristig zu erhalten“, betonte Kreisdirektorin Barbara Dienstel-Kümper die Notwendigkeit des Handelns.

Es gebe gemeinsame, je nach Lokalität und Besonderheit unterschiedlich gelagerte Ziele und Pflegekonzepte, um die Moorflächen im Ebbegebirge zu sichern, stellten die Revierförster Matthias Borgmann und Markus Ingenohl sowie Jürgen Messerschmidt vom Regionalforstamt Kurkölnisches Sauerland heraus. Da alle Moorflächen in staatlichem Besitz sind, gestaltet sich die Durchführung problemfrei. Die „Entwaldung“ des 19,4 Hektar umfassenden NSG Piwitt erfolgt auf rund 40 Prozent der Fläche; hiebsreife Fichten, dicke Birken und Kiefern sowie der Aufwuchs werden, zumeist in Handarbeit, entfernt. Verschont werden einige alte, charakteristische Solitär-Kiefern. Ein Mitarbeiter des beauftragten Lüdenscheider Unternehmens Björn Brauner senste bei der Vorstellung bereits Schneisen in die Adlerfarnbestände.

Moorlilie und Torfmoos

Etwa 40 000 Euro aus EU- und Landesmitteln mit einem MK-Eigenanteil von 20 Prozent wird die Maßnahme im Piwitt kosten. „Gut gewollt muss auch gut gemacht sein“, erläuterte Klaus Kraatz von der Unteren Landschaftsbehörde. Das Moor als freie Fläche, weitestgehend vernässt, davon profitieren die Moorlilie und das Torfmoos, das dann dem in der Krautschicht dominierenden Pfeifengras Einhalt gebietet. In der trockenen „Heidezone“ soll Rohboden geschaffen werden. Das ermöglicht eine Naturverjüngung des Wacholders. Auch Glockenheide und Moosbeere bekommen so Raum und eine neue Chance zur Entfaltung.

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