Nasser Sommer gut für die gestressten Waldbäume

Umweltminister Johannes Remmel im Staatswald bei Meinerzhagen.

MEINERZHAGEN ▪ Der diesjährige nasse Sommer könnte für die kranken Waldbäume womöglich ein Segen sein. Nach einigen stressreichen Wachstumsperioden in Folge zeichnet sich jedenfalls aktuell eine dringend benötigte Erholungsphase für Fichte, Buche, Eiche und andere Gehölze ab.

Das wurde am Freitag im Staatswald bei Meinerzhagen bei einem Besuch von Umweltminister Johannes Remmel deutlich. Unweit der K 4 zwischen Breddershaus und Drögenpütt an dem Ebbehöhenweg Richtung Nordhelle befindet sich einer von landesweit 540 sogenannten Aufnahmepunkten, an denen seit nunmehr 28 Jahren einmal jährlich stichprobenartige Untersuchungen für den jeweils aktuellen Waldzustandsbericht erfolgen.

Der zuständige Revierförster Matthias Borgmann vom Forsthaus Beckerhof hat in den letzten Jahren eine in „etwa gleichbleibende Entwicklung“ festgestellt. Und das ist angesichts der tendenziell eher negativen Entwicklung schon ein Lichtblick.

Oberforstrat Lutz Falkenried vom Lehr- und Versuchsforstamt Arnsberger Wald, der in NRW federführend für die Zustandserfassung ist, die jeweils beginnend am 20. Juli bis Ende August an nach einem statisch aussagekräftigen Zufallsprinzip ausgewählten vorgenommen wird, konnte dem Minister und anderen Teilnehmern des Termins die Methodik demonstrieren. Die als „Probebäume“ ausgewählten Fichten in diesem von Kyrill im Januar 2007 dezimierten Bestand weisen zurzeit einen Schädigungsgrad von rund 35 Prozent auf, was sich insbesondere an der Benadelung der Baumkronen festmacht.

Generell zeigt der Gesundheitszustand des nordrhein-westfälischen Waldes auch in den letzten Jahren eine fallende Tendenz. Die Gründe dafür liegen, wie am Freitag von Fachleuten des Landesbetriebs Wald und Holz aufgezeigt wurde, nicht mehr wie zu Beginn der Erhebungen in den achtziger Jahren in schlechter Luft- und Bodenqualität. Heute sind am Wald die ersten negativen Folgen des Klimawandels abzulesen.

„Die jährliche Erhebung zum Waldzustand liefert uns wichtige Erkenntnisse, um den Wald auf die kommenden Herausforderungen vorzubereiten“, erläuterte Umweltminister Johannes Remmel zum Start der Erhebungen zum Waldzustandsbericht in Meinerzhagen. „Weniger als ein Viertel aller Waldbäume konnten im letzten Jahr noch als gesund bezeichnet werden. Gleichzeitig stiegen die deutlichen Schäden an. Diese Entwicklung ist sehr beunruhigend. Denn der Wald ist ein Stück unschätzbares Naturerbe, das es zu bewahren gilt“, so Remmel.

Für den Leiter des Landesbetriebes Wald und Holz NRW, Andreas Wiebe, leidet der Wald besonders unter den Folgen des Klimawandels. „Tendenziell nimmt die Niederschlagssumme in den Sommermonaten ab und die Abstände zwischen den Mastjahren, also Jahren mit besonders starkem Vorkommen von Eicheln, Bucheckern, Tannen- und Fichtenzapfen werden immer kürzer. Das setzt unseren Wald unter starken Stress. Um unser Waldnaturerbe zu bewahren, arbeiten wir Forstleute daran, den Wald zu einem klimaplastischen Ökosystem umzubauen, das den Folgen des Klimawandels widerstehen kann.“ Im Bereich des Regionalforstamtes Kurkölnisches Sauerland, zu dem auch der Staatswald bei Meinerzhagen gehört, hatten die Forstleute auch die Folgen des Jahrhundersturms Kyrill genau in dieser Richtung als Chance genutzt. „Die rund 4000 Hektar Kahlflächen sind mittlerweile fast vollständig wieder aufgeforstet worden, vor allem mit Mischwald, der deutlich robuster auf die Umwelteinflüsse reagieren kann“, informierte dessen Leiter Klaus Lomnitz im Gespräch mit der MZ.

Der Start der Waldzustandserhebung in Meinerzhagen war die dritte Station der landesweiten „Naturerbetour“ von Umweltminister Remmel. Er will damit das besondere Naturerbe des Landes ins Bewusstsein rücken und auf die Bedrohung und Gefährdung hinweisen. Den aktuellen Waldzustandsbericht wird der Minister im November vorlegen.

Horst vom Hofe

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