Die napoleonische Zeit in der Grafschaft Mark

+
Anhand dieser Karte zeigte Dr. Oliver Schulz die Grenzen der Grafschaft Mark auf. ▪

MEINERZHAGEN ▪ Anhand von Bildern, die Napoleon und verschiedene französische und deutsche Persönlichkeiten zeigten, führte der Historiker Dr. Oliver Schulz am Donnerstagabend die Besucher in die interessante Landesgeschichte ein. Sein Vortrag „Die Grafschaft Mark in der napoleonischen Zeit“ gab den rund 20 erschienenen Zuhörern einen ausführlichen Einblick in die politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Verhältnisse der damaligen Zeit.

Dr. Oliver Schulz zeigte im Versammlungssaal der Stadthalle ein komplexes Bild von der französischen Herrschaft in der früheren Grafschaft Mark und den übrigen im Großherzogtum Berg zusammen geschlossenen Nachbarterritorien auf. Die vernichtende Niederlage der Preußen in dem Krieg gegen Frankreich hatte zur Folge, dass Preußen danach ganz knapp dem Untergang entging.

1807 gab es Friedensverhandlungen. Danach wurde das Großherzogtum Berg ins Leben gerufen. Anhand einer Karte von 1791 zeigte Dr. Schulz die Grenzen der Grafschaft Mark auf, an deren Südgrenze Meinerzhagen lag. In der Region wurden die alten Landesgrenzen aufgehoben. Es wurden Verwaltungsbezirke nach französischen Vorbild eingerichtet (Mairie, Kanton, Département). Die unterste französische Verwaltungseinheit während der Besetzung des linken Rheinufers und rechtsrheinischer Gebiete, wie unter anderem dem Herzogtum Berg durch Napoleon Bonaparte in den Jahren 1800 bis 1814, war der Mairie (Bürgermeister), der für die Ortschaft Meinerzhagen-Kierspe-Rönsahl in Listringhausen ansässig war.

Die französische Verwaltung wollte in diesen Modellstaaten Reformen umsetzen. Sie war besonders an der Mark interessiert, weil es hier bereits viel Industrie gab. Detailliert ging Dr. Schulz auch auf die einzelnen Personen ein, die zu der Zeit in der Verwaltung eingesetzt waren. Die Reformen in der Wirtschaft wurden damals auch von der bäuerlichen Bevölkerung sehr gut aufgenommen, informierte der Referent.

Im Jahr 1811 gab es jedoch Auseinandersetzungen, da die Adligen immer nur Dekrete veröffentlichten, diesen aber keine Taten folgen ließen.

Doch es gab wichtige Reformen, so Dr. Schulz. Auf der einen Seite wurde die Gewerbefreiheit verkündet, auf der anderen Seite gab es aber die Kontinentalsperre, die bis 1814 aufrecht erhalten wurde. Das war für die Region ein schwerer Schlag und führte zu großer Unzufriedenheit in der Bevölkerung. In deren Folge einige Handwerker, vor allem die Tuchmacher, sich auf der linksrheinischen Seite ansiedelten. Dadurch seien viele Schwierigkeiten entstanden, die das wirtschaftliche Leben hemmten.

Auch auf die Rekrutierung von Soldaten für Napoleons Feldzüge, die damals zahlreichen Desertionen der Männer und die Folgen für ihre Familien, ging Dr. Schulz ausführlich ein.

Gegen 1813 habe die schlechte wirtschaftliche Lage und die hohen Steuern für Unruhen gesorgt. Damals haben sich die benachteiligten Schichten zusammen geschlossen und sind plündernd durchs Land gezogen. Weil sie mit Knüppeln bewaffnet durch die Dörfer zogen und die Häuser der Reichen plünderten wurden sie Speck- oder Knüppelrussen genannt.

In Meinerzhagen gab es zu dieser Zeit 120 Häuser, ein Viertel der Stadtbevölkerung war wohlhabend. 1814 brach die französische Leitung zusammen. Napoleon wurde nach Elba verbannt. 1815 kam es zum endgültigen Ende.

In der Region erfolgte ein nahtloser Übergang und man habe dann fast alle Funktionalitäten in den Ämtern belassen, so Dr. Schulz. 2012 soll es eine Ausstellung im Museum Lüdenscheid zu diesem Thema geben, informierte der Referent. Im Anschluss an diesen ausführlichen Vortrag hatten die Besucher Gelegenheit zur Diskussion. ▪ bel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare