Fahrer sind für sichere Fahrt zum Einsatzort verantwortlich

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Für die Betroffenen und Angehörigen ist es oft ein Segen, das herannahende Martinshorn zu hören. Für viele Unbeteiligte ist es dagegen häufig auch ein Fluch – denn viele Menschen fühlen sich durch das Signal belästigt.

Meinerzhagen - Es ist mitten in der Nacht, nicht viel los auf den Straßen. Plötzlich ertönt ein Martinshorn und die Feuerwehr überquert die Kreuzung mit hoher Geschwindigkeit. Ist diese Fahrt zu laut?

Aus der Sicht einer Münchnerin ist der nächtliche Lärm zu viel. Sie fühlt sich von den Signalhörnern in ihrer Lebensqualität beeinträchtigt und hat eine Petition gestartet. Ihr Vorwurf: Ihr Baby wache durch den „inflationären Gebrauch“ von Martinshörnern auf, Signalhörner würden teils „ohne Sinn“ angewendet.

Der Meinerzhagener Stadtbrandinspektor Thomas Decker kann angesichts dieser Vorwürfe nur verständnislos den Kopf schütteln. Offizielle Beschwerden habe es in Meinerzhagen diesbezüglich noch nicht gegeben, weiß der Wehrleiter, wohl aber Nachfragen von Bürgern, die durch Einsatzfahrten der Feuerwehr um die Nachtruhe gebracht wurden, ob das Martinshorn bei jeder Fahrt eingeschaltet werden müsse. „Und als einmal sonntags morgens um acht Uhr die Sirene ging, hat sich tatsächlich auch jemand über den Lärm beschwert“, erinnert sich Decker.

Martinshorn für Sicherheit

Die Martinshorn-Frage ist für den Feuerwehrchef schnell beantwortet: „Die Fahrer der Fahrzeuge entscheiden selbst, ob sie das Martinshorn anstellen. Sie sind dafür verantwortlich, die Mannschaft sicher zur Einsatzstelle zu bringen.“ Er werde daher keinem seiner Kameraden vorschreiben, ob er das Signalhorn an- oder auszustellen habe, steht für den Stadtbrandinspektor fest. 

Das gelte besonders, wenn jüngere Wehrleute hinterm Steuer säßen, die vielleicht noch nicht so lange im Besitz eines Lkw-Führerscheins seien. Da sei es doch nur verständlich, dass das Martinshorn zur Warnung anderer Verkehrsteilnehmer eingeschaltet werde, um schnell und sicher vor Ort zu sein, wenn Eile geboten sei.

"Es zählt die Rettung"

Dass es auch Situationen und Einsätze gebe, wo auf ein Martinshorn verzichtet werden könne, räumt der Wehrleiter dennoch ein. Einen mit Wasser vollgelaufenen Keller nennt Decker als Beispiel, betont aber: „Wenn Personen gefährdet sind, zählt die Rettung.“

Beim Transport von Patienten entscheidet die Besatzung des Rettungsdienstes oder der Notarzt über die Inanspruchnahme von Sonderrechten. Geregelt ist dies mit den Paragraphen 35 und 38 der Straßenverkehrsordnung (StVO).

Niemand darf gefährdet werden

Die Kraftfahrer der Feuerwehr würden jährlich auch in Zusammenarbeit mit der Polizei zu diesem Thema geschult, berichtet Decker. Geregelt sei auch die Missachtung einer roten Ampel während einer Einsatzfahrt. Hier gelte für die Feuerwehr auch bei einer Fahrt mit Martinshorn und Blaulicht, dass niemand gefährdet werden dürfe.

Die Fahrer müssten sich diesbezüglich sicher sein, wenn sie bei Rot eine Kreuzung überqueren. Würde dadurch ein Unfall verursacht, würde dieser Umstand genauestens gerichtlich überprüft. Beim Thema Blaulichtfahrten mit Martinshorn steht für die Feuerwehr fest: Grundlos fahren sie nicht zu einem Einsatz raus.

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